Neuer Sprengstoff in der AfD AfD: Der geschasste Saalekreis-Verbandschef Gottfried Backhaus holt zum Gegenschlag aus

Magdeburg - Nach Mitternacht, als die Arbeit getan war, schickte André Poggenburg noch eine Alarm-Botschaft an seine Parteifreunde. „Mit Einigkeit in den Wahlkampf“ müsse die Devise künftig lauten, schrieb der AfD-Landeschef. „Jeder, der sich diesem Dogma nicht unterordnen kann, hat im Grunde nichts in einer Führungsposition“ der AfD verloren. Und noch einmal deutlich: Wer das anders sehe, „sollte sich schleunigst nach anderen politischen Spielfeldern umsehen“. Da war nur wenige Stunden her, dass unter Poggenburgs Augen ein wichtiger Funktionär abgesägt worden war.
Backhaus kritisiert Poggenburgs Führungsstil
Es war Gottfried Backhaus, der am Sonntag seinen Posten verlor. Der 58-jährige Chef des zerstrittenen Saalekreis-Verbands hatte unter Druck sein Amt niedergelegt. Statt ihm führt fortan sein früherer Konkurrent im Vorstand, AfD-Rechtsaußen Hans-Thomas Tillschneider, den Verband. Zwar ist damit ein zäher Richtungsstreit im Saalekreis entschieden, doch für die krisengeplagte AfD-Fraktion im Landtag birgt der Konflikt nun umso explosiveren Sprengstoff.
Denn Backhaus - weiter Abgeordneter - kritisiert nun öffentlich Poggenburgs Führungsstil. Der Landeschef habe in der Krise im Saalekreis versagt, so Backhaus auf MZ-Anfrage. Ein Wille zur Schlichtung sei nicht erkennbar gewesen, wirft er dem Landeschef vor. „Stattdessen bekommt man den Eindruck, es sollen in der Partei mehr und mehr Querdenker mundtot gemacht und aus Ämtern entfernt werden“, so Backhaus.
Er zieht Parallelen zu jüngsten Konflikten in der Fraktion. So hatte Daniel Roi am Jahresende 2016 den wichtigen Posten als parlamentarischer Geschäftsführer verloren, nachdem er Poggenburg öffentlich düpiert hatte. Und im brisanten Fall des AfD-Manns Matthias Büttner hatten Abgeordnete kritisiert, die Fraktionsführung verteile Maulkörbe. Gegen Büttner laufen Ermittlungen wegen Vergewaltigung. „Totgeschwiegen“ würden die Konflikte unter Poggenburgs Führung, so Backhaus. Das seien Spiele, „die ich nicht mitmache“.
Auch Backhaus’ Ehefrau flog am Sonntag aus dem Vorstand
Doch Backhaus hatte sich intern zuletzt ebenfalls Feinde gemacht. Unter anderem wurde ihm ein allzu enger Draht zu Zeitungsredaktionen nachgesagt. „Mir wird teilweise vorgeworfen, die Presse habe einen Schreibtisch in meinem Wahlkreisbüro“, so Backhaus. Tatsächlich hatte er zuletzt die Schlagzeilen mitbestimmt - immer dann, wenn er sich von Äußerungen auf der AfD-Facebook-Seite im Saalekreis distanzierte. Als Kreischef hatte er keinen Zugriff auf das Konto, während andere Mitglieder öffentlich zum Sturz des „Systems“ aufriefen. Mehr als einmal hatte er sich hilflos gezeigt.
Muss er sich nun „schleunigst“ nach einem anderen politischen Spielfeld umschauen? Poggenburg sagte am Montag, diese Worte seien nicht auf Backhaus, sondern auf den Zoff in der Bundespartei gemünzt. „Aber ich bin dennoch froh, dass da nun ein Vorsitzender gewählt worden ist, mit dem eine große Mehrheit der Mitglieder einverstanden ist.“ Es gebe halt Gremien, „in denen die Leute nicht zusammenpassen“.
Das trifft auch auf Backhaus’ Ehefrau Claudia zu. Sie flog am Sonntag ebenfalls aus dem Vorstand. Dass ihr Mann „als Landtagsmitglied und Kreischef so abgekanzelt“ werde, sei einer Partei unwürdig, sagte sie der MZ. „Wenn die Kommunikation und die Absprachen in einer Partei nicht ordentlich funktionieren, ist klar, dass Konflikte entstehen und irgendwann ausbrechen.“ Schuld daran trage auch Poggenburg.
Und Tillschneider? Sitzt künftig weiter mit Gottfried Backhaus im Bildungsausschuss des Landtags. Konflikte sind programmiert. (mz)