Kommentar zur Straftaten-Hochburg Sachsen-Anhalt Krimi ohne Rätselspaß
Das Mutmaßen um die Ursachen der hohen Kriminalitätsrate in Sachsen-Anhalt muss enden. Nötig sind Fakten.

Magdeburg/MZ - Wer einen Krimi liest oder ansieht, liebt das Rätselraten. Es gibt eine Leiche, viele Verdächtige mit allen denkbaren Motiven – und natürlich jede Menge versteckte Hinweise, die das Publikum auf die falsche Spur schicken. So vergnüglich es auch sein mag, Miss Marple oder einem „Tatort“-Ermittler bei der Arbeit zuzusehen: Im Umgang mit echter Kriminalität will niemand rätseln. Die Bürgerinnen und Bürger wollen Klarheit, wie die Lage ist und warum sie so ist. In Sachsen-Anhalt hapert es daran seit Jahren.
Mittlerweile gewohnheitsmäßig besetzt das Land in der Kriminalstatistik, sieht man von den Stadtstaaten ab, den Platz ganz oben. Keiner der Verantwortlichen hat aber eine fundierte Erklärung, warum das so ist. Der CDU-Innenpolitiker Chris Schulenburg führt das auf das überaus große Vertrauensverhältnis zwischen den Sachsen-Anhaltern und ihren Polizisten zurück. Werden Beamte in Naumburg oder Dessau-Roßlau tatsächlich so viel anders wahrgenommen und angesprochen als jene in Apolda oder Zwickau? Das dürfte sich doch eher als falsche Spur herausstellen.
Der Blick auf die Statistik schürt Unsicherheit
Am wahrscheinlichsten ist es, dass mehrere Gründe zusammenkommen. Gut wäre es, würde das Land dem Phänomen auf den Grund gehen. Denn die immer wiederkehrende traurige Platzierung als Straftaten-Hochburg nagt am Sicherheitsgefühl der hier lebenden Menschen. Selbst wer selbst noch nie Opfer einer Straftat war und objektiv zufrieden sein könnte, wird beim Blick auf die Statistik nachdenklich.
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Fragen stellen sich vor allem deshalb, weil Sachsen-Anhalt im Verhältnis zur Bevölkerung mehr Polizisten beschäftigt als fast alle anderen Flächenländer. Möglicherweise hat das die paradoxe Wirkung, dass gerade deshalb auch mehr Anzeigen geschrieben werden. Das Mutmaßen und Rätselraten muss jetzt aber ein Ende finden. Es ist höchste Zeit für Fakten.