Trump löst Handelskonflikt aus XXL-Zollpaket der USA: Was auf Exportfirmen in Sachsen-Anhalt zukommt
Alle Waren aus der EU werden pauschal mit einem Zoll von 20 Prozent belegt. Welche Branchen in Sachsen-Anhalt besonders betroffen sind.

Halle/MZ/DPA. - Wochenlang hatte US-Präsident Donald Trump mit einem umfassenden XXL-Zollpaket gedroht. Am Mittwochabend hat er das Strafpaket in Washington vorgestellt. Für Europa bedeutet das: 20 Prozent auf alles. Alle europäischen Waren sollen generell mit einem Zoll von 20 Prozent belegt werden – sofern es keine speziellen Zölle wie etwa für Automobilprodukte gibt. Ab 3. April sind deutsche Fahrzeuge und Autoteile bereits mit 25 Prozent belegt.
Trump sprach von der Belegung mit wechselseitigen Zöllen - also von einem Prinzip der Gegenseitigkeit. Viele Länder erschwerten den Import von US-Produkten, das könne man sich nicht länger bieten lassen. So werden chinesische Produkte mit einem Zoll von 34 Prozent belegt. In der Berechnung werden nicht nur die reinen Zölle einbezogen, sondern auch Handelshemmnisse wie Produktrichtlinien, Subventionen oder „Währungsmanipulation“.
Deutschland hat hohen Handelsüberschuss mit den USA
Am Ende geht es Trump aber vor allem darum, das riesige US-Handelsdefizit in den USA abzubauen und Produktion in die USA zurückzuholen. Er machte das ganz anschaulich: „Eine Werft in China produziert mehr Schiffe als alle US-Werften zusammen“. Computer, Smartphones oder Fernseher würden nicht mehr in den USA produziert. Das sei den USA weggenommen worden, so Trump. Das Handelsdefizit Deutschlands gegenüber den USA lag im Jahr 2024 bei 66,3 Milliarden Euro.

Was die Zölle für mitteldeutsche Firmen bedeutet, dürfte je nach Unternehmen sehr unterschiedlich sein. Die Produkte werden in den USA teurer, sofern die hiesigen Hersteller die Preise nicht reduzieren. Das könnte zu Absatzrückgängen führen. Es ist aber auch möglich, dass etwa chinesische Produkte noch teurer werden und deutsche Produkte daher gefragter sind.
Die direkten Ausfuhren aus Sachsen-Anhalt in die USA lagen im Jahr 2024 bei etwa 900 Millionen Euro (4,2 Prozent der Gesamtausfuhren). Das entspricht dem neunten Platz bei den Ausfuhrländern. „Insbesondere die Metallindustrie und die Kunststoffherstellung sind eng mit der exportstarken Kfz-Branche verknüpft – ein großer Teil der dortigen Produkte findet so seinen Weg ins Ausland“, sagt Danny Bieräugel, Referent Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau.
Als Trump Ende März die Zölle auf Autos aus der EU ankündigte, sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze: „Diese Zölle kommen absolut zur Unzeit. Der deutschen Autoindustrie geht es schon nicht gut." In Sachsen-Anhalt sind etwa 25.000 Menschen in der Autozulieferindustrie beschäftigt, sie ist einer der wichtigsten Zweige der Industrie.
„Unsere Zulieferer sind direkt von den Produktionsmengen der Autobauer abhängig. Wenn die Hersteller weniger Autos in die USA exportieren können, trifft das unsere Zulieferer direkt und hart“, sagte Schulze. Von den großen Autobauern dürfte in Mitteldeutschland vor allem das Porsche-Werk in Leipzig betroffen sein. In der Messestadt werden die Sportlimousine Panamera und der SUV Macan gebaut. Auf Anfrage äußerte sich ein Porsche-Sprecher nicht dazu, wie viele Fahrzeuge für US-Kunden gebaut wurden. Nach Schätzungen dürfte es jedes dritte Auto sein. Denn Nordamerika war 2024 mit 86.541 Auslieferungen für Porsche insgesamt die größte Vertriebsregion – 28 Prozent aller Fahrzeuge wurden dorthin exportiert.

Profitieren könnten deutsche Firmen, die Werke in den USA haben, wie der Autozulieferer Ifa aus Haldensleben. Das Unternehmen stellt im Werk in Charleston im US-Staat South Carolina Längs- und Seitenwellen her, die die Kraft des Motors auf die Räder übertragen. Geschäftsführer Stefan Bultmann ist noch unsicher, wie sich die Zölle auswirken. Einerseits könnten die Aufträge von US-Kunden steigen, andererseits kauft auch das Ifa US-Werk viele Teile zu, die jetzt mit Zöllen belegt werden.
Nach Bultmanns Einschätzung könne wegen fehlender Rohstoffe, Maschinen und Arbeitskräfte die US-Produktion nicht über Nacht hochgefahren werden. Die steigenden Preise würden dagegen schnell wirksam.
Die EU bereitet nach der Zollankündigung Gegenmaßnahmen vor, will aber gesprächsbereit bleiben. „Wir finalisieren bereits das erste Maßnahmenpaket als Reaktion auf die Stahlzölle und bereiten nun weitere Maßnahmen vor, um unsere Interessen und Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern“, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Rande eines Gipfeltreffens mit Staats- und Regierungschefs zentralasiatischer Staaten in Usbekistan.
Der Präsident des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, sagte dem „Handelsblatt“: Das ist ein schwerer Schock für den Welthandel und ein schwarzer Tag für die Weltwirtschaft. Trump legt die Axt an das offene, regelbasierte Handelssystem. Wenn diese Zölle in dieser Form bestehen bleiben, dann ist das eine Zäsur für die Weltwirtschaft, wie wir sie kennen. Dann sind wir in einem anderen Welthandelsregime.“ Er warnt vor einer Rezession in den USA und auch Europa.
Denn durch die Zölle dürften zunächst erst einmal die Preise steigen. Das führt zu Kaufzurückhaltung bei den Kunden. Die von Trump erwartete Rückverlagerung oder Neuansiedlung von Produktion geschieht dagegen eher mittel- bis langfristig. Doch auch daran zweifelt Schularick: „Ich habe den Eindruck, dass die Begeisterung für den Standort USA, die auch in Deutschland zu spüren war, deutlich zurückgegangen ist. Die Unsicherheit über die wirtschaftliche und politische Entwicklung in den USA ist zu groß geworden.“