Hochwasserforum in Zeitz Hochwasserforum in Zeitz: "Man hat uns absaufen lassen"

Zeitz/MZ - „Man hat uns absaufen lassen“, dieser Satz war beim Hochwasserforum der Ortsgruppe Zeitz des BUND so oder in ähnlicher Form mehrfach zu hören. Am Ende der gut geplanten Veranstaltung am Montagabend stand die Aussage, dass die Aufarbeitung noch lange nicht am Ende ist. Unterschrieben von den 20 Besuchern. Diese geringe Zahl war wohl das einzig Enttäuschende.
Kathleen Nietz, die Vorsitzende der Zeitzer Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), führte eingangs einiges aus, das die aktuelle Situation beschrieb, verwies aber auch darauf, wie ein in jeder Hinsicht wirksamer und tatsächlich vorbeugender Hochwasserschutz entwickelt werden könnte. So erinnerte sie daran, dass bereits in den Jahren 1963 bis 1985 ein umfangreiches Papier zum Hochwasserschutz in Zeitz erarbeitet worden sei. „Es müsste den Ämtern eigentlich im Archiv vorliegen“, so Nietz. Unabdingbar ist aus ihrer Sicht außerdem, dass die, die vom Hochwasser betroffen waren oder in den betroffenen Gebieten leben, mitwirken.
Deichschau 2014
Bei der Deichschau 2014 sei von Teillösungen gesprochen worden, so Nietz. Natürlich sieht sie ein, dass in einem Jahr nicht alles getan werden kann, aber „nur punktuelle Lösungen bis 2020“ hält sie nicht für befriedigend. Wie sie es auch nicht befriedigend findet, dass es von Landrat Harri reiche (parteilos) keine Antwort auf die Frage gab, warum der Katastrophenzustand in Zeitz nicht schon am 1. Juni ausgerufen worden ist statt erst am Schwarzen Montag, 3. Juni, an dem die Unterstadt von Zeitz abgesoffen war. „Leipzig Land hat bereits am 1. Juni Katastrophenalarm ausgelöst“, so Nietz. Dort kam das Hochwasser erst nach Zeitz an, allerdings konnten wesentliche Vorbereitungen und Maßnahmen deutlich vorher begonnen werden.
Der BUND strebt ein Zweckbündnis Hochwasserschutz Weiße Elster länderübergreifend für Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt an. In Gera wurde mit dem Bund und den Grünen die Gründung beschlossen, die Ausweitung auf Leipzig ist geplant.
Der BUND macht dazu einige grundlegende Hauptforderungen auf. So geht es um die Koordination der Handlungsweise der Behörden in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die Gründung des Bündnisses zum Hochwasserschutz gehört ebenfalls zu den festen Zielen. Ebenso die Forderung nach entsprechender Informationstechnik und einem gesicherten Informationsfluss im Katastrophenfall. Der BUND will auch etwas dazu tun. So wird die Ortsgruppe Zeitz einmal im Jahr zu einem Hochwasserforum einladen, damit das Thema nicht nach und nach aus den Köpfen verschwindet. Dazu soll umfassende Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung betrieben werden. Weiterhin wird immer wieder auf die Beantwortung bestimmter Fragen gedrängt, die sich aus der Flut 2013 ergeben haben.
Solche Fragen, die nach der Hochwasserkatastrophe vom Juni 2013 gestellt werden müssen, sind: Sind genügend Überflutungsflächen für die Weiße Elster ausgewiesen? Und wie wird, wenn Flächennutzungspläne dagegen stehen, damit umgegangen? Was ist konkret an Hochwasserschutz in Zeitz und in welchem Zeitraum geplant? (and)
Informativ war der Vortrag von Thomas Peukert, hauptberuflich bei der Feuerwehr der Stadt Leipzig und stellvertretender Wehrleiter in Zangenberg, der die Situation an jenem ersten Juniwochenende 2013 aus Sicht der Einsatzkräfte und Helfer schilderte. Auch er kommt, obwohl es ihm als Abschnittsleiter in Zangenberg mit zahllosen Helfern gelang, den bereits aufgegebenen Deich zu halten, zu dem Ergebnis: Der Informationsfluss stimmte nicht. „Wir sind den Ereignissen immer nur hinterhergelaufen“, so Peukert.
Informationen fehlten
Informationen fehlten, bestätigt er, abgesehen davon, dass er sich am 2. Juni, als er vom 24-Stunden-Dienst aus Leipzig nach Hause kam, wunderte, dass hier immer noch kein Katastrophenalarm ausgelöst war. Schließlich wartete die Bundeswehr in der Kaserne Weißenfels nur darauf und damit auf das Okay auszurücken und zu helfen. Hilfe, die dringend benötigt wurde am Zangenberger Deich und erst am Montagnachmittag kam. Peukert beschrieb, wie schwer es war, mit Zeitz Kontakt zu halten. „Jetzt wird ja umgestellt, aber da hatten wir noch komplett Analogfunk!“ Und er mal schnell ehrenamtlich eine Handyrechnung von 50 Euro.
Außerdem dauerte es viel zu lange, bis die Fuhren mit an der Feuerwehr in Zeitz gefüllten Sandsäcken ankamen - es war nur noch die Umgehungsstraße befahrbar und da tummelte sich alles. Dann demonstrierte Peukert zwei Online-Informationssysteme, die ihm als Feuerwehrmann in Leipzig alle Informationen mit genügend Vorlauf bieten. „Die Stadt Zeitz hat versucht, dass sie Zugang zu dem Infosystem bekommt“, so Peukert, „abgelehnt, Zeitz hat eine zu kleine Feuerwehr!“ Damit haben die Einsatzkräfte keine Chance - auch in anderen Katastrophenfällen - unabhängig vom Run auf das Internet durch alle Nutzer gesicherte Informationen zu bekommen. Und fehlende Informationen waren ein gravierendes Problem bei der Flutkatastrophe 2013.