Immobilie Immobilie: Jede Menge Gerüchte
Quedlinburg/MZ. - Nachdem sich die Gerüchte rund um den angeblich bereits erfolgten Verkauf des Hotels "Theophano" in der Stadt häuften, ist deren Geschäftsführerin Gabriele Vester jetzt selbst in die Offensive gegangen.
So freue man sich zwar über das offensichtliche Interesse, aber gleichzeitig hätten die Fakten mit der tatsächlichen Situation wenig oder nichts zu tun. Das wiederum würde zur erheblichen Verunsicherung nicht nur des Personals, sondern vor allem auch der Hotelgäste beitragen. Vester: "Das ist nicht länger hinnehmbar und genau deshalb sah ich es als zwingend geboten an, den Spekulationen mit einer eigenen Presseerklärung zu begegnen." Eine der insgesamt 15 Mitarbeiter des Hotels "Theophano" hat wegen der unklaren Perspektive und ausufernden Gerüchte sogar schon ihren Job gekündigt.
Vester beklagte den sich schon seit drei Jahren abzeichnenden Mangel an Fachkräften. Auch für die Kollegen der anderen Hotels werde es immer schwieriger, ausgebildetes Personal zu bekommen. Das habe also nur sehr bedingt mit dem geplanten Verkauf ihres Hauses am Markt zu tun. Die Hotelchefin betonte gegenüber der MZ, dass ihr Haus derzeit noch keineswegs verkauft ist. Mit der Nachfolgeregelung sei die Firma Tophotel Consultants in Sinzheim beauftragt. Man bemühe sich um einen "würdigen Nachfolger", der selbstverständlich nicht zwingend aus Quedlinburg stammen müsse. Gabriele Vester: "Es gibt unterdessen schon mehrere Kaufinteressenten."
Neu an der gegenwärtigen Situation sei, dass die Sparkasse mittlerweile grünes Licht für eine überregionale Ausschreibung gegeben habe. Genau darum hatte sich die Quedlinburger Hotelchefin seit langem vergeblich bemüht. Erst deren kürzliche Intervention im Ausschuss Kultur, Tourismus und Soziales des Stadtrateshatte diesbezüglich den Stein ins Rollen gebracht.
Gabriele Vester: "Ich würde den Verkauf ganz gerne bis zum Jahresende über die Bühne gebracht haben." Einer der Knackpunkte beim "Theophano" sind offensichtlich die dazugehörigen vier Häuser, die alle noch unrenoviert sind: "Um wirtschaftlich arbeiten zu können, ist das Hotel so wie es jetzt ist, zu klein. Wir haben 22 Zimmer. Das sind zu wenige. Wir bräuchten genau die doppelte Anzahl. In den vier Häusern bestünde die Möglichkeit dieser Verdopplung. Damit würde man nach erfolgter Renovierung durchaus schwarze Zahlen schreiben können. Die Pläne dafür sind soweit ausgereift, dass man sofort einen Bauantrag stellen könnte."
Vester selbst kann und will sich mit ihren 63 Jahren diese horrende Investition nicht mehr zumuten. Rückblickend räumt sie in diesem Kontext unumwunden ein: "Wir hatten in all den Jahren eine viel zu geringe Eigenkapitaldecke. Das glich permanent einem Kampf ums Überleben." Auch ihre beiden derzeit noch mit angestellten Töchter haben längst abgewinkt. Beide werden Quedlinburg den Rücken kehren. Das hatten sie bereits Ende letzten Jahres unmissverständlich signalisiert. Ursprünglich standen sie als potenzielle Nachfolgerinnen im "Theophano" schon in den Startlöchern.
Vester zeigte sich sichtlich erleichtert, dass sich die beiden nicht auf das Wagnis und enorme Risiko eines fortgesetzten Hotel-Betriebes am Standort einlassen wollen. Eine von ihnen promoviert in Berlin, die zweite fasst eine Ausbildung in einer Londoner Schule für Patisserie ins Auge. Ihre Mutter will der Stadt nach dem Verkauf aber die Treue halten und wird im Palais Salfeldt arbeiten: "Ich bin schlicht zu alt und möchte keinesfalls, wie viele meiner Kollegen, mir irgendwann mal vorwerfen lassen müssen, den Absprung nicht geschafft zu haben."