Mit Opas Angel auf der Pirsch
KÖTHEN/MZ. - Ein sonniger Freitagnachmittag am Gütersee im Norden von Köthen. Am Ufer des Vereinsgewässers des Köthener Angelclubs 66 hantieren Kinder mit Angelruten. Heute ist wieder ein Schnuppertag für künftige Angler. Fast jede Woche kommen sie freitags um 16 Uhr hierher, um einige Stunden unter ihresgleichen zu verbringen. Kommen kann jeder, der Lust hat.
Bernd Hauschild, Jugendwart des Anglervereins, hat diese Zusammenkünfte initiiert. Er steht den Anfängern mit Rat und Tat zur Seite. Fragen haben die Kinder viele. Ob es um die Angelmontage, die richtige Köderwahl oder um die Identifizierung von Fischarten geht - Hauschild steht seinen Jungs immer hilfreich zur Seite. Auch Vereinsvorsitzender Günter Haberland und andere Angler stillen bei Bedarf den Wissensdurst der Kinder.
"Etliche von ihnen kommen aus Familien, in denen schon jemand angelt", so Hauschild. "Oft bringen sie auch die alten Angeln mit, mit denen schon ihre Großväter Fische aus dem Wasser gezogen haben." Andere wiederum schaffen sich gleich neues Angelgerät an. Dann sind es auch mal die Eltern, die von Bernd Hauschild den Tipp haben wollen, was sie dem Nachwuchs kaufen sollen.
Bernd Hauschild widmet seine Freizeit gern den Kindern. Das tat der Köthener lange bevor er Anfang dieses Jahres Jugendwart wurde. Nun aber gehören diese Zusammenkünfte offiziell zu seinem Amt. "Die Kinder sind dankbar, wenn man sich mit ihnen beschäftigt", weiß Hauschild. So begleitet er sie am Anfang ihrer Angler-Laufbahn. Haben die Kinder erst ihre Leidenschaft fürs Angeln und ihr Interesse für die Natur entdeckt, erwerben sie erst einmal einen Fischereischein als Jungangler, dem dann in der Regel auch ein "richtiger" Fischereischein folgt mit dem Recht, auch Raubfische zu angeln.
Für den Angelclub 66 sind die Teilnehmer der Schnuppertage potenzielle Mitglieder. Haben sie hier erst einmal einen Lehrgang für die obligatorische Fischereiprüfung absolviert und die Prüfung selbst bestanden, treten etliche in den sie betreuenden Angelclub ein. So spricht Vereinsvorsitzender Haberland mit sichtbaren Stolz darüber, dass seine Gruppe erneut um etliche junge Mitglieder größer geworden ist. Zur selben Zeit gibt es noch Vereine, die sich über mangelnden Nachwuchs und über die Überalterung der Mitglieder beklagen.
Die Arbeit von Bernd Hauschild wird nicht nur von seinem Angelverein wohlwollend beobachtet. Auch die Eltern der Kinder sind froh, dass ihre Sprösslinge in der Freizeit in guten Händen sind, ein naturnahes Hobby haben und frische Luft genießen. "So kommen sie nicht auf dumme Gedanken", wie ein Vater sagt.
Wie zum Beispiel Nicole Kreibich aus Baasdorf. Die junge Mutti war auch am besagten Freitag da, genoss die reizvolle Umgebung mit viel Grün und Vogelgezwitscher und beobachtete ihren Sohn Jeremy Noah, der wiederum ganz auf den Schwimmer seiner Rute konzentriert war. Im vergangenen Jahr kam der Achtjährige zum ersten Mal zu Hauschild, und es hat ihn offensichtlich gepackt. "Seitdem kommt er hierher", so Nicole Kreibich, die ihren Sohn im Auto von Baasdorf zu Gütersee bringt. Sie selbst ist keine Anglerin.
Da sieht es in der Familie von Philipp Schnelle anders aus. Der Vater des Elfjährigen, Ulrich Schnelle aus Köthen, stellt selbst dem Schuppenwild leidenschaftlich nach. Und ist froh, dass der Sohnemann ebenfalls dieses Hobby gewählt hat. "Er hat schon seine eigenen Angelruten", so Schnelle-Junior. Im innerfamiliären Wettbewerb fängt der Vater aber noch die größten Fische.
Bernd Hauschild hat allerlei Einfälle, wenn es darum geht, für Kinder interessante Beschäftigungen zu finden. Dabei geht es nicht nur um die Angelei. "Wir basteln auch Nistkästen für Vögel", nennt er eine davon. Diese Arbeit wird vor allem im Winter verrichtet, wenn der Gütersee unter einer Eisschicht liegt. Dann wird auch mal am Angelgerät für die nächste Angelsaison gebastelt.
In der warmen Jahreszeit wird jedoch viel geangelt. Hauschild weiß, dass sich Kinder für Romantik und gemeinsame Erlebnisse in der freien Natur begeistern. So ist demnächst die Teilnahme an einem Camp in Halle geplant. An einem Gewässer des halleschen Anglervereins werden die Jungs aus Köthen zelten, angeln, Sport treiben. Übernachtet wird in Zelten, abends gibt es Lagerfeuer. Romantischer geht es nicht.
Während Bernd Hauschild vom Camp erzählt, zuckt bei einem der Jungen mehrmals der Schwimmer und wird dann zur Seite gezogen. Nach dem Anschlag wird ein Fisch ans Ufer gezogen. Eine Rotfeder, viel zu klein. Vorsichtig wird der Fang ins nasse Element zurückgesetzt. Auch das gehört zum Angeln.