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Freiwillige aus Helbra und Umgebung Freiwillige aus Helbra und Umgebung: Die Leute vom "Helfer-Chat"

Von Daniela Kainz 23.12.2015, 20:47
Arabisch auf einem Müllcontainer.
Arabisch auf einem Müllcontainer. Jürgen Lukaschek Lizenz

Helbra - „Die ersten Flüchtlinge haben uns wieder verlassen.“ Uwe Wollny gibt zu, dieser Abschied war ihm nicht einerlei. Wie ihm erging es auch den anderen freiwilligen Helfern, die seit August syrische Familien in Helbra bei ihren ersten Schritten in Deutschland begleiten. „Da sind Freundschaften entstanden“, sagt Michaela Gräf. Mitstreiterin Petra Müller stimmt ihr zu.

Enttäuscht, dass die Flüchtlinge nicht in der Gemeinde bleiben, nachdem sie ihre Aufenthaltsgenehmigung für die nächsten drei Jahre in den Händen halten, sind sie dennoch nicht. Sicher: Sie finden es schade. Gerade für die Kinder, die inzwischen Anschluss im Kindergarten und bei Gleichaltrigen gefunden haben.

Die Helfer verstehen aber, dass die Flüchtlinge nach langer Trennung endlich wieder mit Ehemann, Ehefrau, Kindern, Geschwistern und den anderen Verwandten zusammenkommen wollen, die bereits in anderen deutschen Städten leben. Das würden wir doch genauso machen, sagen sie.

Unterstützung für Heimatlose

Die freiwilligen Helfer, das sind im harten Kern vier Familien aus Helbra und Umgebung, die sich nach Ankunft der Flüchtlinge im Sommer spontan und unabhängig voneinander entschieden, die Heimatlosen im fremden Land zu unterstützen. Anlaufstelle war und ist für die Deutschen die Helbraer Flüchtlingsunterkunft, die von Dirk Pfeiffer und seinem Team von der GbR Komplexbetreuung betrieben wird. Schnell schlossen sich die Familien zu einer Gruppe zusammen. Seitdem tauschen sie sich in ihrem „Helfer-Chat“ aus und koordinieren Einsätze.

„Uns geht es gut, da muss man doch einfach helfen“, sagt Michaela Gräf. Vor allem wenn Kinder betroffen seien, blute einem das Mutterherz, so Petra Müller - von Beruf Lehrerin. Uwe Wollny musste allerdings die Erfahrung machen, dass seine Hilfsbereitschaft nicht bei allen Einheimischen gut ankam. Anfangs war er Anfeindungen im Internet ausgesetzt: „Das hat sich gelegt.“ Der Gemeindearbeiter erkennt einen Stimmungswandel. Es würden jetzt mehr Leute helfen. Die Akzeptanz gegenüber Flüchtlingen sei gestiegen, jetzt, wo sie da seien und man mehr von ihnen, von ihren Schicksalen wisse, ist sein Eindruck: Da sind beispielsweise die drei Brüder, der Jüngste von ihnen ist 16 Jahre alt, die ihren Vater im Krieg verloren haben und deren Mutter in der syrischen Hauptstadt Damaskus zurückblieb.

Freiwillige Sprachlehrer

Weil ohne Sprachkenntnisse nichts geht, brachten die Helfer den Syrern gleich von Anfang an die deutsche Sprache näher. Alle wurden einbezogen: Die Erwachsenen, die in ihrer Heimat als Friseur, Lkw-Fahrer, Lehrer, Arzt oder Elektriker arbeiteten, bis hin zu den Kindern. „Ihre Zukunft bei uns stellt und fällt mit den Deutschkenntnissen“, weiß Friseurin Michaela Gräf. Mittlerweile hätten die Flüchtlinge ihren ersten offiziellen Sprachkurs absolviert.

Ein junger Mann aus ihrer Mitte - ein Chirurg, der seine Facharztausbildung gern in Deutschland fortsetzen möchte - übe mit ihnen jetzt weiter. „Und ich lerne dabei gleich ein wenig Arabisch“, sagt die Helbraerin.

Freizeitangebote gegen Langeweile

Die Kontakte konzentrieren sich längst nicht mehr nur auf die Flüchtlingsunterkunft und die Hilfe bei Behördengängen oder Übersetzungen. Uwe Wollny fuhr mit einigen Syrern zu einer Zirkusvorstellung nach Mansfeld. Auch Fußballspiele wurden in den zurückliegenden Wochen organisiert. „Freizeitangebote sind wichtig, sonst fällt den Leuten die Decke auf den Kopf“, sagt Petra Müller.

Sie hofft, dass sich doch noch der eine oder andere Flüchtling für das Bleiben in der Region entscheidet. Und wenn nicht, dass wenigstens der Kontakt zu den Familien aufrechterhalten werden kann. Man möchte doch wissen, wie ihr Leben weiter verlaufe.

Die deutschen Familien vom „Helfer-Chat“ wollen weitermachen, auch wenn die bekannten Gesichter ihr Glück jetzt nach und nach woanders versuchen. Schon im Januar rechnen sie mit der Ankunft neuer Flüchtlinge in Helbra. Wollny: „Diese Leute werden unsere Hilfe auch wieder brauchen.“ (mz)

Wie heißt es richtig auf Deutsch? Uwe Wollny (2.v.l.), Michaela Gräf und Petra Müller (rechts) helfen gern.
Wie heißt es richtig auf Deutsch? Uwe Wollny (2.v.l.), Michaela Gräf und Petra Müller (rechts) helfen gern.
Jürgen Lukaschek Lizenz
Familien aus Syrien leben im Helbraer Flüchtlingsheim.
Familien aus Syrien leben im Helbraer Flüchtlingsheim.
Jürgen Lukaschek Lizenz