Dessau-Roßlau Dessau-Roßlau: Hilferufe aus vielen Stadtteilen
DESSAU/MZ. - Die Überraschung kam am frühen Morgen. Heinz Hacker zog die Jalousien seines Einfamilienhauses hoch und sah - Wasser. 26 Jahre leben Karla und Heinz Hacker auf einem Grundstück im Dessauer Süden unmittelbar gegenüber der dortigen Aral-Tankstelle. "Ich dachte, mich tritt ein Pferd", meinte er über den Anblick, den er so noch nie gesehen hat. Das komplette Grundstück war ein einziger See. Wasser drang ins Haus ein. Und dann kamen die Fragen: Wo bitte bekomme ich Sandsäcke her? Die Rettungsleitstelle anrufen? Ein Versuch ist dies wert.
Wasser, Wasser, Wasser. Vor allem im südlichen Teil von Dessau-Roßlau konzentrierten sich am Montagabend und auch am Dienstag die Einsätze der Rettungskräfte. Die wohl größte "Baustelle" hatten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren Dessau-Süd, Roßlau, Waldersee und Kochstedt sowie das Technische Hilfswerk in Kochstedt. Ein sonst harmloses Bächlein, das die Königendorfer Straße quert und dann über Äcker, Wiesen und am Rande von Gärten in Richtung Mosigkau fließt, war über die Ufer getreten.
Der im Durchmesser von 0,8 Metern unter der Straße liegende Durchlass bewältigte die von Wald und Flur abfließenden Wassermassen nicht. Darüber hinaus bereitete ein offenbar künstlich verengter Durchlass auf dem Grundstück eines Bauunternehmens, durch welches das Bächlein fließt, weitere Probleme.
Trotz der herangeschafften Pumpen von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk (20 000 Liter pro Minute) suchte sich das Wasser seinen Weg über Grundstücke und die Straße. Die Hausbesitzer bangten. Noch am Abend bekamen die Einsatzkräfte trotz vieler Anstrengungen die Situation zunächst nicht in den Griff. Das Wasser stieg. Gepumpt wurde bis zum frühen Morgen. Dann war das Wasser beseitigt.
Zeitgleich war die Feuerwehr an anderen Orten. Vor allem im Mosigkauer Hanfgarten ergab sich eine ähnliche Situation. Mit Sandsäcken wurde versucht, die anliegenden Häuser vor größerem Schaden zu schützen. Die Straße wurde - wie in Kochstedt die Königendorfer Straße - bis in die Morgenstunden gesperrt.
Am Dienstag regnete es nicht. Doch die Probleme blieben - vor allem im Einzugsgebiet der Taube (Mosigkau / Kochstedt / Alten). Sorgen bereitete den Kräften, dass drei hintereinander liegende Regenrückhaltebecken bei Mosigkau das Wasser nicht fassen konnten. Es floss über einen Graben in das mehr als gut gefüllte Naturbad - und es suchte sich seinen Weg in angrenzende Häuser.
"Vor allem dort, wo Heizungsanlagen bedroht waren, haben wir geholfen", umschrieb Martin Müller von der Berufsfeuerwehr die Arbeit. Doch darüber hinaus standen noch viele weitere Aufgaben an. Zum Beispiel in Dessau-Süd, wo an der Taube eine Tanne umzustürzen drohe. Das Regenwasser hatte dort ganze Arbeit geleistet.
Für die Mulde wurde am Dienstag die Warnstufe II festgesetzt. Die Wasserwehr wurde alarmiert. Alle fünf Flussabschnitte auf Dessauer Gebiet wurden bis zum Nachmittag durch Deichkräfte überprüft. Es gab Wildschweinschäden, es wurde aber auch festgestellt, dass zum Beispiel am Lorkgraben Unrat beseitigt werden muss, sagte Müller. Noch bis zum Abend sollten anstehende Arbeiten in Angriff genommen werden. Vorsorglich wurden darüber hinaus sämtliche Regenwasserschieber geschlossen.
Nicht nur die Feuerwehr war aber am Dienstag mit der Beseitigung der Schäden durch lang anhaltende Regengüsse beschäftigt. Auch die Mitarbeiter des Stadtpflegebetriebes hatten reichlich zu tun, versicherte Ralf Blumstein, Leiter des Bauhofes. Bei starken Regenfällen gebe es immer wieder an den gleichen Stellen Probleme. Darunter ist die Bröllwitzer Straße in Mildensee ebenso wie die Törtener Hagenbreite, wo Schieber gereinigt wurden. Einsätze gab es in der Innenstadt oder in der Kühnauer Straße. Auch Kochstedt stand auf der Liste des städtischen Eigenbetriebes. An der Grundschule war ein Regenwassereinlauf verstopft. Diesen Schaden zu beseitigen, nahm geraume Zeit in Anspruch.