Defa-Filme in Wolfen Defa-Filme in Wolfen: Ein Denkmal von Renate Krößner verwittert

Wolfen/MZ - Renate Krößner kann sie alle immer noch haben. Demnächst steht die Schauspielerin Wolfgang Stumph, der als ZDF-Kommissar Stubbe den Dienst quittierte, in einem Kinofilm zur Seite. Mit Henry Hübchen („Whisky mit Wodka“) wird sie für das Fernsehen nach Norwegen aufbrechen. Im Wolfener Industrie- und Filmmuseum beschrieb sie Mittwochabend dessen Inhalt allerdings nur vage: in dem Streifen werde es um Familienkonflikte gehen, die einer Lösung bedürfen.
In der Reihe „Filme wiederentdeckt“ war dies der Ausblick auf Kommendes. Vorgestellt hatte die Schauspielerin dem abermals vielköpfigen Publikum aber ihren bereits 1975 entstandenen Film „Eine Pyramide für mich“.
Der spielt auf zwei Zeitebenen. Zum einen führt er zurück in die Anfangsjahre der DDR. Unter schwierigen Bedingungen mühte sich eine Jugendbrigade beim Bau eines Staudamms ab. Zum anderen blickt mit dem Abstand von einem Vierteljahrhundert der einstige Brigadier Paul Satie (Justus Fritzsche), inzwischen hochrangiger Professor in Berlin, auf das Projekt zurück.
Der Experte für Meliorisation begegnet einstigen Weggefährten, von denen „jeder wünschte, ein bisschen größer zu sein“, und auch Widersachern im Rahmen einer Dienstreise - was ihm manchen Sündenfall vor Augen führt. Da ist zum Beispiel seine Geliebte Hanka Antheil (Monika Hildebrand), die er verließ, ohne zu wissen, dass die nunmehr ökonomische Direktorin eines Kaliwerks einen Sohn von ihm hat. Da ist der einst beste Kumpel Peter Trümpi (Günter Junghans), der es vorzog, in seinen Friseurberuf zurückzukehren. Und da ist der verbitterte Bauer Balanschin (Rolf Ludwig), der sich angeblich gegen den Fortschritt gestellt hatte und dessen Hof von den forschen Jugendlichen in einem brutalen Akt zerstört wurde. Kollaterale Schäden, die beim Aufbau der sozialistischen Gesellschaft unvermeidlich waren? Nun ja, auch heute noch müssen Orte weichen, weil sie Kohlebaggern im Weg sind.
Ein mit einer Doppelmoral ausgestatteter Karrierist?
Moderator Paul Werner Wagner hielt den weitgehend unbekannten Film, den Ralf Kirsten nach dem Roman von Karl-Heinz Jakobs inszeniert hatte, für eine Provokation. Er habe den Versuch unternommen, die sich um den heroischen Aufbau der jungen Republik rankenden Geschichten zu entglorifizieren. Denn die Geschichten, so heißt es, treten zuweilen an die Stelle der Wahrheit. Der Staudamm beim Städtchen Wolfsgrün brachte nämlich gar nicht den gewünschten Effekt. Das an ihn erinnernde Denkmal, die mit dem Namen des Brigadiers versehene Pyramide „im Stil der verruchten Könige“, steht als verwitterter und moosbewachsener Betonklotz schief und abseits im Unterholz.
Renate Krößner mochte diese Auffassung nicht vollständig teilen. Sie spielt in dem Film Margot Siewers, die erst als „leichtes Mädchen“ verschrien ist („Du bist der Unterleib der Gruppe, nicht der Kopf.“), das gern „Chanel Nr. 5“ benutzt, dann jedoch Paul Satie heiratet, „Die Hauptfigur ist nicht nur ein mit einer Doppelmoral ausgestatteter Karrierist. Der Mann denkt doch nach, was er mit seiner sturen Haltung alles angerichtet hat“, argumentierte sie. Die damals noch ganz junge Schauspieler-Crew habe sehr wohl „den kritischen Boden des Drehbuchtextes“ erkannt und nicht den rosaroten Schein inszenieren wollen.
Im Übrigen sei sie kein Typ, der jeden Tag an frühere Erfolge denke. Sie schaue auf den Moment und in die Zukunft. „Ich stelle mich gern neuen Arbeitsmöglichkeiten. Mit aller Liebe zu den Figuren. Jede Arbeit“, betonte die Schauspielerin, „bringt einen voran, hinterlässt einen gewissen Eindruck. Da bin ich immer wieder gern ein sehr neuer Zulasser.“