0340 Newsletter Dessau 4. April #100 Womit vor zweieinhalb Jahren alles anfing und wie es mit dem Dessau-Newsletter weiter geht
Welche „Legende“ das Dessauer Rathaus verlassen hat - Was sich im Waldbad alles ändert

die Premiere gab es im Dezember 2022: „Warum Dessau auf den Spuren von Union Berlin ist“, hieß es etwas kryptisch in der Überschrift. Thema war die Premiere des Dessauer Weihnachtssingens im Paul-Greifzu-Stadion. Zwei Jahre und vier Monate später erscheint heute der 100. Newsletter, der den Namen „0340“ trägt, es ist die Vorwahl von Dessau.
Manchmal ist es so: Man lässt sich auf eine Sache ein, ohne genau zu wissen, wie sich diese entwickelt (und wie viel Arbeit drin steckt). Beim Dessau-Newsletter war es so. Gibt es dafür einen Markt, war am Anfang die ganz praktische Frage. Die Währung für einen Newsletter ist die Zahl der Abonnenten. Die ist in den ersten Monaten stetig gewachsen und hat sich zuletzt um die 1.000 eingepegelt.
Man könnte jetzt trefflich streiten: Sind 1.000 Leser in einer etwa 80.000 Einwohner zählenden Stadt viel? Selbstkritisch muss ich zugeben: Es könnten mehr sein oder zumindest die Entwicklung etwas stetiger. Doch die Öffnungsrate, die zweite wichtige Zahl für einen Newsletter, ist überdurchschnittlich groß. Was dafür spricht, dass die Abonnenten doch zuverlässige Leser sind. Deshalb wird das hier auch kein Abgesang.
Es geht natürlich weiter. Einmal in der Woche werde ich einen persönlichen Blick auf Dessau-Roßlau und die Geschehnisse rund um die Redaktion werfen, ein paar Geschichten aus der MZ und aus anderen Zeitungen und Zeitschriften empfehlen, Veranstaltungstipps geben, einige Einblicke in MZ-Zahlen gewähren und ein paar News aus der Gastroszene veröffentlichen. Letzteres hatte ich mir einfacher vorgestellt. Die zusammenzutragen, das bleibt mühsam. Obwohl es doch eigentlich etwas kostenlose Werbung ist...
Egal. Wir kämpfen weiter um einen möglichst spannenden Newsletter. Bleiben Sie „0340“ gewogen. Und empfehlen Sie ihn ruhig weiter. Danke - und viele Grüße. Steffen Brachert
RÜCKBLICK
Dessauerin der Woche
Unglaubliche 41 Jahre war sie im Rathaus angestellt, hat Oberbürgermeister, Dezernenten, Amtsleiter und Mitarbeiter kommen und gehen sehen. Für viele Kollegen ist sie eine „Legende“, wie ein eigens gestaltetes Plakat zeigt, mit dem sie im Ratssaal verabschiedet wurden. Ein Rathaus ohne Jutta Ziemba können sich einige gar nicht vorstellen.
1984 hat Ziemba im Rathaus angefangen. Eingestellt von Personalchefin Regina Gröger, begann sie in der Stadtplankommission, wechselte in die Investitionsbearbeitung, später in der Plankoordinierung. Nach der Wende wurde FDP-Mann Jürgen Neubert Dessaus erster frei gewählter Oberbürgermeister. Und Jutta Ziemba fand im Bereich Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung ihr neues Betätigungsfeld. Eine wilde Zeit. „Ich hatte innerhalb von vier Jahren fünf Chefs.“ An Jürgen Neubert faszinierte sie, dass er jeden mit Namen kannte. „Er war ein ganz besonderer Mensch.“

1994 kam Hans-Georg Otto. Der neue Oberbürgermeister machte die Wirtschaft zur Chefsache, Ziemba wurde seine Referentin. Otto war nicht einfach, aber auch nicht nachtragend. Es gab Situationen, da ihr Chef „um die Lampe flog“, sie entnervt war, und er sie kurze Zeit später fragte, ob er ihr ein Stück Kuchen mitbringen solle. Heute kann sie herzlich darüber lachen. Otto, zieht sie den Hut, sei morgens im Rathaus der Erste und abends der Letzte gewesen. Und: Bei Otto war die Verwaltungsspitze eine Verwaltungsspitze.
Ab 2006 war Baudezernent Karl Gröger neun Monate amtierend OB. „Die schönste Zeit“, sagt Ziemba und erinnert sich an einen strengen, aber niemals ungerechten Chef. Der habe damals vieles in Magdeburg für die Stadt geheilt. Als Klemens Koschig Oberbürgermeister wurde in der neu gegründeten Doppelstadt, hatte er erstmal einen eigenen Referenten, kurze Zeit später rückte Ziemba auf die Stelle und erinnert sich an ein „ruhiges Arbeiten, logisch, überlegt, geordnet“. Bei Koschig habe es einen riesigen Vertrauensvorschuss gegeben, „bei anderen musste man sich den schwer erarbeiten“. In Koschigs Zeit fielen „zwei saftige Jahre Haushaltskonsolidierung“.
Als Peter Kuras das Amt übernahm, wurde Ziemba von 2013 bis 2022 Referentin bei Finanzdezernentin Sabrina Nußbeck. Robert Reck holte sie zurück . Er sei im Umgang der pflegeleichteste, sagt Ziemba, die viel organisiert, vorbereitet, ausgewertet, begleitet und Reden geschrieben hat. Tausende Überstunden inklusive. Ihr Mann, ihre Familie und ihre Freundin haben sie sehr unterstützt, gibt die zweifache Mutter zu, sonst wäre all das nicht möglich gewesen. Was bleibt? Viele Ehrenämter. Bei der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft, im Buga-Club, im Mausoleumsverein. Aber sie wolle auch mal ihre Freizeit genießen. „Mein Mann und ich haben eine neue Terrasse gebaut. Da habe ich noch nie draufgesessen“, gibt sie zu, muss aber auch eingestehen. „Zu Hause sitzen, ist nicht meine Sache.“
MZ-Geschichten der Woche
+++Im Dessauer Waldbad im Süden der Stadt wird die Eröffnung der neuen Saison vorbereitet. Eines steht schon fest: Der Eintrittspreis wird steigen. Eine Neuigkeit wird vor allem Wohnmobilbesitzer freuen, schreibt MZ-Kollegin Silvia Bürkmann.

+++Zwei Tage vor dem Untergang des U-Bootes „Sindbad“ im Roten Meer war der Dessauer Wolfgang Appel bei einer Tauchfahrt des U-Bootes dabei. „Man sollte im Urlaub nicht zu leichtsinnig sein“, hat er rückblickend meiner MZ-Kollegin Leonie Beer erzählt.
+++Internet-Bewertungen sind für Hotels und Pensionen fast wichtiger als Sterne. In Dessau kämpfen die großen Hotels mit mäßigen Noten. Was die Stadtmarketinggesellschaft und der Dehoga-Verband dazu sagen, das hat MZ-Kollege Robert Horvath notiert.
+++Die Strahlentherapie von Tumoren soll bösartige Zellen zerstören, aber gesundes Gewebe schonen. Am Städtischen Klinikum in Dessau hat ein Medizinphysik-Experte dafür hochpräzise Verfahren entwickelt. Warum die sogar in China patentiert sind, das hat MZ-Wissenschaftsreporter Matthias Müller in Erfahrung gebracht.
Der Förderverein des Dessauer Museums für Stadtgeschichte hat den Ankauf eines Gemäldes von Carl Irmer möglich gemacht. Wann es das nächste Mal zu sehen ist und wo es einen dauerhaften Platz finden soll, das hat MZ-Kollege Danny Gitter in Erfahrung gebracht.
AUSBLICK
Fest und Bühne
+++Mittwoch, 2. April, gab es noch Champions-League-Handball in der Anhalt Arena, Freitag, 4. April, 19.30 Uhr, ist wieder der Dessau-Roßlauer HV dran. In einer verrückten Liga, in der selbst Dessau-Roßlau als Neunter mit 25:25 Punkten noch nicht sicher ist, ist der VfL Bad Schwartau zu Gast. Das Team steht mit 20:30 Punkten auf Platz 17 und damit auf dem ersten Abstiegsplatz, hat aber vorigen Sonntag Hamm-Westfalen mit 29:26 besiegt.
+++Große Premiere am Großen Haus: Im Anhaltischen Theater ist am Freitag, 4. April, 19.30 Uhr, zum ersten Mal „My Fair Lady“ in einer Inszenierung von Generalintendant Johannes Weigand zu sehen. Das Musical spielt im London des frühen 20. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte des Blumenmädchens Eliza Doolittle, das von dem Philologen Professor Higgins für das Experiment unter seine Fittiche genommen wird, Doolittle zu einer feinen Dame zu machen.
+++Die Fotoausstellung „AltersKlasse“ wird am Sonnabend, 5. April, 15 Uhr, im Dessauer Johannbau eröffnet. Die Dessauer Fotografen Peter Kühn und Thomas Ruttke zeigen Bilder aus dem Gartenreich, zwischen denen teilweise 40 Jahre liegen. Der MZ-Fotograf Thomas Ruttke hat dabei Orte besucht, die Peter Kühn einst fotografiert hat und die Veränderungen dokumentiert.

+++Seinen 30. Geburtstag feiert der Dessauer Gospelchor „Heaven Sings“ am Sonnabend, 5. April, 17 Uhr mit einem großen Jubiläumskonzert in der Kreuzkirche in Dessau-Süd. Unter dem Motto „Let's get ready to celebrate“ wird es im Anschluss eine Geburtstagsparty mit Livemusik geben.
+++Das „Shamrock“ im Historischen Ratskeller zu Dessau lädt auch an diesem Wochenende wieder zu Live-Musik ein. Am Sonnabend, 5. April, versprechen „Freispruch“ handgemachten Deutschrock aus Dessau. Los geht es 21 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Topf und Pfanne
+++Vorigen Herbst hat im Dessauer Tierpark die „Waldschänke“ geschlossen. Es folgte eine Neuausschreibung, deren Ergebnis seit Dienstag, 1. April, zu sehen ist: Im Tierpark haben Marcus Körner (36) und Florian Plato (37), Inhaber der Fokus Personal&Eventservice GbR aus Halle, die Versorgung übernommen. „Wir beginnen mit einem kleinen Angebot vom Foodwagen aus, den wir im Kioskbereich aufstellen“, erklärt Marcus Körner. Parallel werden Waldschänke und Kiosk modernisiert und umgebaut. Erfahrung haben beide mehr als genug. Im Bergzoo in Halle sind beide ebenfalls für die Verpflegung der Besucher verantwortlich.

+++Die Pension am Teich in Aken lädt am Freitag, 4. April, zu einem „Plaudermittag“ ein. Ab 14 Uhr gibt es - bei schönem Wetter auf der Terrasse - in der Dessauer Landstraße, verschiedene Kaffeevariationen, kühle Drinks, Eis und Kuchen.
EINBLICK
Erfolgreichster Social Medial Post der Woche
+++Seit über 1.000 Tagen in Folge geht Comedian Wigald Boning jeden Tag einmal draußen baden. Am Montag, 31. März, direkt nach dem Auftritt im Mitteldeutschen Theater in Dessau, war das nicht anders. Ziel war dieses Mal die Goitzsche. Der Bericht dazu erreichte auf Facebook 17.300 Personen. Keiner war erfolgreicher in einer Facebook-Woche, die wieder einmal seltsam schwach war.

Meist gelesener Text der Woche
+++ Auf der Umleitungsstrecke für die marode Zerbster Brücke in Roßlau gab es am vergangenen Sonnabend eine Vollsperrung: Zwischen Streetz und Biopharmapark musste eine Kreuzung saniert werden. Die Ankündigung interessierte vergangene Woche 10.200 Personen. Das reichte zum Wochensieg.
QUERBLICK
+++Im vergangenen Jahr haben in Köthen Unbekannte mehrmals ein Studierendenwohnheim mit internationalen Studierenden beschädigt und dabei rechtsradikale Parolen gerufen. Die Übergriffe waren kein Einzelfall. Was die Situation für Studierende, Stadt und Hochschule bedeutet, das hat der MDR recherchiert.
+++Der Lindauer Tanktreff, nördlich von Zerbst gelegen, ist in neuen Händen. Wie es mit der Hoyer-Station und dem Shop jetzt weitergeht, das haben die Kollegen der „Zerbster Volksstimme“ notiert.
+++Handball-Zweitligist Dessau-Roßlauer bekommt zum Ende der Saison einen neuen Trainer: Uwe Jungandreas wird nach mehr als zehn Jahren von seinem bisherigen Co-Trainer Vanja Radic abgelöst. Der geplante Übergang hat einen Haken: Jungandreas hätte schon gern weiter gemacht. Die ARD hat mit beiden gesprochen und gibt ein paar Einblicke in das Miteinander.
MZ-FOTO DER WOCHE
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