MZ-Wirtschaftsnewsletter vom 3. April 2025 20 Prozent auf alles: Was bedeuten die US-Zölle für Firmen in Mitteldeutschland?
Weitere Themen: VNG investiert kräftig / Genug Eier zu Ostern? / Mieten steigen kräftig / Rekord auf Leipziger Messe / Rüstungswerk floriert / Abbau von Lithium

wochenlang hatte US-Präsident Donald Trump mit einem umfassenden XXL-Zollpaket gedroht. Am Mittwochabend hat er das Strafpaket in Washington vorgestellt. Für Europa bedeutet das: 20 Prozent auf alles. Alle europäischen Waren sollen generell mit einem Zoll von 20 Prozent belegt werden – sofern es keine speziellen Zölle wie etwa für Automobilprodukte gibt. Ab 3. April sind deutsche Fahrzeuge und Autoteile bereits mit 25 Prozent belegt.
Trump sprach von wechselseitigen Zöllen - also von einem Prinzip der Gegenseitigkeit. Viele Länder erschwerten die Einfuhr von US-Produkten, das könne man sich nicht länger bieten lassen. So werden chinesische Produkte mit einem Zoll von 34 Prozent belegt. In der Berechnung werden nicht nur die reinen Zölle einbezogen, sondern auch Handelshemmnisse wie Produktrichtlinien, Subventionen oder „Währungsmanipulation“.
Am Ende geht es Trump aber vor allem darum, das riesige US-Handelsdefizit abzubauen und Produktion in die USA zurückzuholen. Er machte das ganz anschaulich: „Eine Werft in China produziert mehr Schiffe als alle US-Werften zusammen.“ Computer, Smartphones oder Fernseher würden nicht mehr in den USA produziert. Das sei den USA weggenommen worden, so Trump. Das Handelsdefizit Deutschlands gegenüber den USA lag im Jahr 2024 bei 66,3 Milliarden Euro.

Was die Zölle für mitteldeutsche Firmen bedeutet, dürfte je nach Unternehmen sehr unterschiedlich sein. Die Produkte werden in den USA teurer, sofern die hiesigen Hersteller die Preise nicht reduzieren. Das könnte zu Absatzrückgängen führen. Es ist aber auch möglich, dass etwa chinesische Produkte noch teurer werden und deutsche Produkte daher gefragter sind.
Die direkten Ausfuhren aus Sachsen-Anhalt in die USA lagen im Jahr 2024 bei etwa 900 Millionen Euro (4,2 Prozent der Gesamtausfuhren). Das entspricht dem neunten Platz bei den Ausfuhrländern. „Insbesondere die Metallindustrie und die Kunststoffherstellung sind eng mit der exportstarken Kfz-Branche verknüpft – ein großer Teil der dortigen Produkte findet so seinen Weg ins Ausland“, sagt Danny Bieräugel, Referent Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau.Als Trump Ende März die Zölle auf Autos aus der EU ankündigte, sagte Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Sven Schulze (CDU): „Diese Zölle kommen absolut zur Unzeit. Der deutschen Autoindustrie geht es schon nicht gut." In Sachsen-Anhalt sind etwa 25.000 Menschen in der Autozulieferindustrie beschäftigt, sie ist einer der wichtigsten Zweige der Industrie.

„Unsere Zulieferer sind direkt von den Produktionsmengen der Autobauer abhängig. Wenn die Hersteller weniger Autos in die USA exportieren können, trifft das unsere Zulieferer direkt und hart“, sagte Schulze.
Von den großen Autobauern dürfte in Mitteldeutschland vor allem das Porsche-Werk in Leipzig betroffen sein. In der Messestadt werden die Sportlimousine Panamera und der SUV Macan gebaut. Auf Anfrage äußerte sich ein Porsche-Sprecher nicht dazu, wie viele Fahrzeuge für US-Kunden gebaut wurden. Nach Schätzungen dürfte es jedes dritte Auto sein. Denn Nordamerika war 2024 mit 86.541 Auslieferungen für Porsche insgesamt die größte Vertriebsregion – 28 Prozent aller Fahrzeuge wurden dorthin exportiert.

Profitieren könnten deutsche Firmen, die Werke in den USA haben, wie der Autozulieferer Ifa aus Haldensleben. Das Unternehmen stellt im Werk in Charleston im US-Staat South Carolina Längs- und Seitenwellen her, die die Kraft des Motors auf die Räder übertragen. Geschäftsführer Stefan Bultmann ist noch unsicher, wie sich die Zölle genau auswirken. Einerseits könnten die Aufträge von US-Kunden steigen, andererseits kauft auch das Ifa US-Werk viele Teile zu, die jetzt mit Zöllen belegt werden.
Nach Bultmanns Einschätzung könne wegen fehlender Rohstoffe, Maschinen und Arbeitskräfte die US-Produktion nicht über Nacht hochgefahren werden. Die steigenden Preise würden dagegen schnell wirksam.
Das dürfte auch Trumps größtes Problem werden. Die Rückverlagerung von Produktion in die USA ist ein langfristiger Prozess. Die US-Kunden werden aber recht schnell Preissteigerungen spüren. Trumps bisheriger Politikstil beruht allerdings auf unmittelbaren Effekten. Das funktioniert aber nicht überall. Den Krieg in der Ukraine wollte er in 24 Stunden beenden - was nicht so schnell geht. Die US-Industrie will er wieder groß machen - was nicht so schnell geht. Von daher ist es eher unwahrscheinlich, dass die Zölle langfristig bestehen. Trump wird wohl Handelsdeals anstreben.
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Bis kommende Woche, herzlich Steffen Höhne
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