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Vogelgrippe Vogelgrippe: Viele Tierhalter greifen jetzt zum Schlachtmesser

Von Katrin Löwe 24.10.2005, 18:09

Quellendorf/MZ. - Es ist ruhiger geworden in Quellendorf. Kein Gänseschnattern weist den Weg zu Tierhaltern. Enten watscheln, wenn überhaupt, nicht mehr frei durch den Garten. Nur das Krähen der Hähne weist darauf hin, dass hier viele Hausbesitzer Federvieh halten. Oder gehalten haben.

Käufer springen ab

"Die erste Gans wird es wohl statt Weihnachten schon am nächsten Montag zu essen geben", sagt Kerstin Pforte und wirkt ernüchtert. Irgendwie, findet die Quellendorferin, werde um die Vogelgrippe viel Panik gemacht. Andererseits: Haben wolle man sie in Deutschland ja auch nicht. Die Stallpflicht ist für sie nachvollziehbar, "aber die Tiere tun mir leid." 25 Hühner und neun Gänse hatte die Familie, übrig bleiben werden wohl nur 15 Hühner.

Die ersten fünf Gänse haben Pfortes am Wochenende mangels eines genügend großen Stalls geschlachtet. Vermutlich droht den übrigen das gleiche Schicksal. "Das sind Zuchttiere, große Pommerngänse", erklärt die Quellendorferin. Auf Ausstellungen könne man mit den Tieren jetzt ohnehin nicht weiter, potenzielle Käufer sprangen ab.

Auch zehn Hühner werden in der Tiefkühltruhe landen, damit das restliche Federvieh in Stall und Blechhütte genügend Platz hat. Dort, wo Pfortes provisorisch mit Eisengittern verhindern, dass sich die Tiere ihren Weg ins Freie suchen. "Ehe wir Ärger kriegen."

Pfortes sind kein Einzelfall im Ort. Gerade Gänse- oder Entenbesitzer haben in den letzten Tagen zum Schlachtmesser gegriffen. "Geplant war es erst nächsten Sonnabend", erzählt Gerhard Lüdicke. Sechs Gänse sind es, die nun tiefgekühlt in der Truhe liegen. "Wir haben zwar einen Stall, aber der ist bloß für die Nacht geeignet", berichtet er. Unsicherheit herrschte, ob die Tiere aggressiv werden auf engstem Raum, was nach dem voraussichtlichen Ende der Stallpflicht im Dezember wird, wie die Forderungen der Behörden genau aussehen. "Wir haben die Tiere ohnehin nur für den Eigengebrauch." Ähnlich sieht das Simone Bahn: "Unsere sieben Gänse hätten wir im Herbst sowieso geschlachtet."

"Es wäre zu eng geworden", berichtet derweil Entenbesitzerin Bärbel Dehne. "Die Tiere wollen baden. Die können sie einsperren, wenn sie klein sind, aber jetzt nicht mehr." Anderthalb Jahre alt war ein Großteil des Schnattergeflügels bei Dehnes. Am Freitagabend hat hier das große Schlachten begonnen, nicht eines von 20 Tieren blieb übrig. "Das hat keinen Zweck, die Enten nehmen im Stall ab und nicht mehr zu", sagt die 56-Jährige. Und nimmt es gelassen: "Enten sind da zum Schlachten." Die neun Hühner und der Hahn vertragen das Leben in Gefangenschaft eher. "Ich finde die Stallpflicht ja in Ordnung, es geht auch um die Gesundheit von Menschen", meint Dehne.

Größer waren die Überlebenschancen in Quellendorf für Hühner. "Wir mussten nur ein paar schlachten", sagt Annegret Henning. Der Rest kam im überdachten Auslauf unter, welcher jetzt mit einem Drahtgitter versehen ist. Vor Fluchtversuchen schützt das nicht, gestern Früh rückte beim Füttern der Hahn aus und musste samt Gefolgschaft wieder eingefangen werden. Bei anderen sind die Tiere in rundum gemauerte Ställe verbannt. Über eine Zeitschaltuhr sorgt Heinz Picht dafür, dass seine sieben Hühner für mehrere Stunden am Tag genügend Licht haben.

Futterbedarf steigt

Händlerin Sabine Valteich konstatiert einen steigenden Bedarf an Hühnerfutter. "Sonst suchen die sich draußen auf der Wiese was", sagt sie. Nebenan bei Paul und Elfriede Sitte scheint die Lösung ideal: Der eingezäunte Bereich vor dem Stall war teilweise überdacht, ist jetzt mit Planen überzogen. Alle 20 Hühner dürfen bleiben, scharren an frischer Luft. Und wie verhält es sich bei den anderen Dorfbewohnern? "Wir haben kein Geflügel", sagen einige. "Gott sei Dank."