Fünfte Jahreszeit Fünfte Jahreszeit: Spontan und ungeniert

Pobzig/Poley - Man sollte schon über ein gewisses Insiderwissen verfügen, wenn man die Pobziger Narren bei ihrer Prunksitzung erleben möchte. Denn wohl niemand sonst würde vermuten, dass fernab der ohnehin schon abgelegenen kleinen Ortschaft in dunkler Nacht eine zünftige Karnevalssitzung der besonderen Art stattfinden würde.
Nicht etwa ausschweifende Lichtstrahler oder auffallende Hinweisschilder deuten auf dergleichen hin, sondern lediglich ein winziger Lichtschein in weiter Ferne lässt das Domizil des Pobziger Karnevalsvereins am Sportplatz des Sportvereins SV Eiche Pobzig vermuten.
Erste Sitzung war restlos ausverkauft
Offensichtlich jedoch gibt es genügend Insider, die den Weg dorthin finden, denn die erste Prunksitzung am Samstagabend war, wie alle weiteren Veranstaltungen, restlos ausverkauft. Nicht zuletzt der besondere Flair macht den Pobziger Karneval so einzigartig und findet zahlreiche Anhänger.
„Wir kommen jedes Jahr gerne hierher, weil es gemütlich ist, wie in einer großen Familie“, beschreibt Monika Thiem ihre Begeisterung und schunkelt dabei kräftig mit. Aus ihrem Heimatort Grimschleben war die Vorsitzende der Grimschlebener Schalmeienkapelle längst nicht die einzige, sondern hatte eine ganze Truppe mit im Schlepptau.
Und so reimen, scherzen und sticheln die Pobziger Karnevalisten ganz so, wie ihnen ihr Pobziger Schnäuzchen gewachsen ist. Da wird aus Claudia Schiffer auch schnell mal Claudia Fischer oder eben so mancher Gag ganz spontan und ungeplant aus dem Ärmel geschüttelt.
Ein Ire ist der Neuling
Fin Concubhair etwa, der als waschechter Ire erstmalig beim Pobziger Karneval mitwirkte, überraschte zudem mit seinem spontanen Auftritt. „Donald Trump is in the House“, rief der ulkige Neuling mit blonder Perücke aus dem Publikum heraus und riss mit irischem Akzent seine Sprüche.
„Ich habe das vorher gar nicht geprobt“, verriet der Vereinsneuling anschließend. „Aber Pobzig ist so, wie bei mir zu Hause in Irland, einfach genial“, sprudelte es nur so aus ihm heraus. Und offensichtlich scheint Fin der geborene Jecke zu sein.
Denn gemeinsam mit seinem Sketchpartner Tobias oder besser mit Fins Worten ausgedrückt: „Two beers“, riss er das Publikum mit. Altbewährte Programmpunkte wie die Schulklasse oder die zeternden Weiber Agnes und Eulalia durften natürlich nicht fehlen.
„Stell dir mal vor, da hat mich vorhin ein Mann draußen angestarrt, dass wird doch nicht ein Mädchenhändler gewesen sein“, tuschelte Agnes alias Carola Flohr geheimnisvoll. Eulalia, alias Romy Eckert entgegnete darauf ganz ungeniert „Haste dich mal angeguckt, das war ein Antiquitätenhändler“.
Kurzfristig war Raucherwalzer angesagt
Ein Thema musste ganz kurzfristig mit eingeflochten werden. „Geraucht wurde hier 60 Jahre lang, um das zu ändern hatten wir ganze vier Tage“, machte Büttenredner Frank die kurzfristige Auflage eines Rauchverbots deutlich. So tanzten die Pobziger, anstelle des bekannten Schunkelwalzers, einen Raucherwalzer.
Um mit 44 Mitwirkenden ein mehrstündiges Programm zu füllen, müsse jeder flexibel sein, weiß Vereinsvorsitzende Romy Eckert nur zu gut. Denn ob als zeterndes Waschweib, als grazile Tänzerin oder auch als dreistes Schulmädchen ist die Pobzigerin mehrfach zu erleben.
Eine schillernde Las Vegas Show mit weißen Tigern riss am Ende das Publikum von den Stühlen bis Prinz Peter I. mit seiner Lieblichkeit Rosi I. mit ihrem Walzer den anschließenden Faschingstanz eröffneten. Bis in die Morgenstunden heizte die Pätz-Combo dem Partyvolk ein.
In Poley gab es Bekanntes aus Film und Fernsehen
Poleys Ortsbürgermeister Heiko Strube ist kaum wiederzuerkennen: Sein Haupthaar erinnert an die blonde Lockenpracht von Thomas Gottschalk und sein opulentes und sehr farbenfrohes Jackett scheint auch aus dem Kleiderschrank des Entertainers zu stammen.
Strubes Verwandlung ist ihm sichtbar geglückt und steht am Samstag in direktem Zusammenhang zum Rentnerfasching des Karnevalsvereins Poley 1985, der unter dem Motto „Bekanntes aus Film und Fernsehen“ steht.
Viele ältere Narren waren der Einladung des Karnevalsvereines in den Saal „Zur Linde“ gefolgt und erlebten ein Programm, das besser als so manches TV-Programm war. Schließlich hatte der Verein keine Kosten und Mühen gescheut und zahlreiche Prominente in den Bernburger Ortsteil gelockt.
Internationale Stars im Prgramm
Sogar internationale Stars, wie Abba und Madonna begeisterten mit ihren Auftritten auf der kleinen, aber feinen Bühne die Narren. Madonna, die von Eva Buresch gespielt wurde, wurde von Heiko Strube alias Thomas Gottschalk sogar nach draußen begleitet: „Die Amis wollen immer gleich weg“.
Normalerweise wurden die Gäste von den Gardetänzerinnen Mara und Lara aus dem Festsaal geführt. Das vielfältige und vor allem kurzweilige Programm beinhaltete auch mehrere Sketch-Beiträge. Einer hieß „Das Rennpferd“. Und wie sollte es anders sein: Es ging um ein Scharmützel zwischen Mann und Frau. Gekonnt und vor allem witzig stellten Eva Buresch, Reinhard Medicke und Steffen Georg die Szene vor.
Eva Buresch wollte von ihrem „Mann“ Reinhard Medicke wissen, wer „Betty“ sei - von dieser hätte er im Schlaf fantasiert. Es sei ein Rennpferd, auf das er jeden Sonntag setzen würde. Blöd, dass kurze Zeit später „Betty“ an der Türe klingelt. Natürlich war sie eine Geliebte.
Für Begeisterungsstürme sorgte Enrico Stroback und seine Hintergrund-Tänzerinnen, die als Biene Mayas verkleidet waren. Stroback trat selber als Helene Fischer auf - später sogar noch als Andreas Gabalier. (mz)
