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Carolin Fricke ist die Nähfee aus Könnern Carolin Fricke ist die Nähfee aus Könnern: Masken mit außergewöhnlichen Motiven

Von Katharina Thormann 09.04.2020, 07:56
Carolin Fricke legt gern Überstunden an ihrer Nähmaschine ein, um zu helfen.
Carolin Fricke legt gern Überstunden an ihrer Nähmaschine ein, um zu helfen. Kathrin Fricke

Könnern - Zehn Minuten. Exakt so lange braucht Carolin Fricke, um eines der derzeit wohl gefragtesten „Accessoires“ zu fertigen: Masken für das Gesicht. Denn in der momentanen Corona-Virus-Krise sind Schutzmasken Mangelware und meist nur noch für Personal in den Krankenhäusern bestimmt.

Aber was ist mit den etlichen Pflegedienstmitarbeitern, Physiotherapeuten oder Verkäufern, die auch viel Kundenkontakt haben und die besonders gefährdeten älteren Menschen mit einem Nieser oder Hustenanfall anstecken könnten? Das fragte sich auch die Könneranerin.

„Meine Freundin arbeitet bei einem Pflegedienst und erzählte mir von dem Problem“, sagt die 30-Jährige, die nicht lange überlegte, das Internet nach einem passenden Schnittmuster durchforstete und reichlich Baumwollstoff aus ihrem privaten kleinen Lager suchte.

„Man kann sie bei 90 Grad waschen und wieder nutzen“

Inzwischen hat die Hobbynäherin schon dutzende Mund-und-Nasen-Bedeckungen mit ihrer Nähmaschine gefertigt. So werden die Masken offiziell genannt, denn ein Medizinprodukt wie die industriell hergestellten Schutzmasken sind sie nicht. Dafür landen sie aber nicht nach einer Anwendung im Mülleimer.

„Man kann sie bei 90 Grad waschen und wieder nutzen“, sagt die gelernte Industriekauffrau, die sich nach Feierabend beim Menüservice Land und Lecker in Baalberge gern Zeit nimmt, um den Mitarbeitern beim Pflegedienst Röhr in Bernburg zu helfen. „Ich freue mich, dass ich etwas Gutes tun kann“, sagt Fricke, die schon seit sieben Jahren in ihrer Freizeit hinter der Nähmaschine sitzt.

„Meine Mutter und meine Schwester helfen mir beim Zuschneiden“

„Damals wurde meine Nichte geboren und ich habe für sie Kindersachen gefertigt“, erzählt sie von den Anfängen. Mittlerweile ist sie selbst Mutter einer fünfjährigen Tochter, für die sie schon etliche Mützen, Schals und Kleider geschneidert hat. Neues im Schrank muss aber vorerst warten. Nun stehen die Masken auf der To-do-Liste. „Meine Mutter und meine Schwester helfen mir beim Zuschneiden“, sagt Fricke.

Außerdem übernehmen sie auch die Beschäftigung der Tochter, wenn das Licht an der Maschine wieder angeht. Für die Produktion ist die Könneranerin sogar von ihrem zwei Quadratmeter großen Nähkämmerchen ins Wohnzimmer umgezogen. Auch, um einen besseren Blick auf die Stoffe zu haben, die sie vernäht.

Angegrinst werden die Senioren künftig aber auch von Elefanten- und Apfelmotiven. Und die Nachfrage nach den Bedeckungen nimmt kein Ende. „Ich habe schon die nächste Anfrage aus einer Kita“, erzählt die Hobbynäherin, deren außergewöhnlichste Motive wohl die mit Elchen und dem Gruß „Merry Christmas“ sind. Sie hofft aber sehr, dass die Krise bis Weihnachten längst überstanden ist. (mz)