Sächsische Schweiz Sächsische Schweiz: Streit ums Klettern im Elbsandsteingebirge

Dresden/Pirna/ddp. - Diesefehlen jedoch in keiner Ausrüstung, sondern steckten bis zu ihremVerschwinden im Berg. Nach einer Auflistung des VorstandmitgliedsLudwig Trojok wurden wesentlich mehr Ringe aus den Felsen gezogen.Jede entfernte Kletterhilfe schadet nicht nur dem porösen Gestein,sondern hinterlässt auch Spuren im sächsischen Kletterverständnis.
Im Mittelpunkt des Glaubenskampfes steht die Auseinandersetzungzwischen Traditionalisten und Modernisten um die noch möglichenErstbesteigungen. Denn die rund 1100 Gipfel im 400 Quadratkilometergroßen deutschen Teil des Elbsandsteingebirges sind seit mindestens50 Jahren alle längst erklommen und das zum Teil mehrfach. Immerhinsind fast 20 000 Wege bekannt, erklärt Trojok.
So werden durch die Arbeitsgemeinschaft Neue Wege des SBB auchhöchstens zehn Prozent der jährlich rund 300 angemeldetenErstbegehungen anerkannt. «Nur einen neuen Ring in bestehende Wege zuschlagen, zählt nicht, denn ein Weg braucht Raum zum Atmen», erklärter. Und an dieser Stelle der Argumentation setzen offenbar dieRingzieher an.
«Wirklich neue Wege sind heutzutage nur noch unter schwierigstenBedingungen zu gehen», sagt Kletterer Enrico Wolff von einemOutdoor-Ausrüster aus Berlin. Dazu könne sich ein Bergsteigerbeispielsweise abseilen, dabei neue Ringe in die Wand schlagen undden Berg von unten neu erklimmen. Erreicht er auf dem neuabgesteckten Weg den Gipfel, stehen die Chancen gut. Doch dieseMethode lehnen die Traditionalisten offenbar ab. «Ein Berg wird vonunten begangen, lautet deren Credo», erklärt Wolff.
Zudem soll nach alter Sitte auf einem Weg nur etwa alle vier Meterein Ring gesetzt werden. «Dazu muss der Bergsteiger aber festen Standhaben und darf nur beidhändig arbeiten», erklärt der Sprecher derPolizeidirektion Oberes Elbtal-Osterzgebirge und HobbyklettererWolfgang Kießling. Und wenn das nicht gehe, ist nach altemVerständnis eben Schluss an der Stelle.
Allerdings sei das Ziehen der neugesetzten Haken durch diePuristen nicht ganz ungefährlich. Dann ende ein Fehltritt imschlimmsten Fall erst nach rund acht Metern Fall, wenn der nächstetraditionell gesetzte Ring greife, erklärt Kießling. So dientenzusätzlich Ringe auch der Sicherheit. Nicht wenige der aktivenKletterer kennten bislang nur wind- und sonnengeschützteKletterhallen, deutet Trojok ein Problem an.
Auch wenn zumindest hinter vorgehaltener Hand die Vertreter beiderParteien nicht gänzlich unbekannt sind, ein klärendes Gesprächscheint unmöglich. «Die Ringzieher verweigern sich dem», sagt Trojok.Im SBB-Internetforum klagt ein Mitglied, dass die Anzeigen den Dialogoffenkundig unmöglich machten. Trojok will den Konflikt nicht weiterdramatisieren. Zwar sei die Sache längst kein Kletterkrieg, doch ebenein höchst «unerfreulicher Akt», sagt er.
In einem Brief an die rund 9000 Vereinsmitglieder äußerte er EndeJuli daher Verständnis für die Puristen. «Rücksichtslose Erschließerschaffen in hohem Tempo Fakten, (...) ohne die Sensibilität fürvorhandene Kletterwege aufzubringen», heißt es. Die Gremien hingegenredeten nur, so dass «Sorge um das weitere Bestehen des SächsischenKletterns» durchaus erkennbar sei. «Es gibt kein Grundrecht aufErstbegeher», deren Zahl Trojok auf etwa 15 schätzt. Jedem müsse klarsein, dass die Erschließung der Sächsischen Schweiz «irgendwann zuEnde sein wird», blickt er voraus. Der Brief schließt mit einerAuflistung der betroffenen Kletterwege. Es sind 21, auf denen lautTrojok mittlerweile 50 Ringe fehlen.