Survival-Training in Maasdorf Survival-Training in Maasdorf: Prepper bereiten sich auf das Ende der Zivilisation vor

Maasdorf - Auf das Brot lässt Andreas Hettling nichts kommen. Selbstgebacken. Mit Kurkuma. Und Möhren und anderem, was die Natur hergibt. Keine Konservierungsstoffe, „und trotzdem bleibt es 14 Tage frisch, wenn es angeschnitten ist“, sagt Hettling. „Und älter wird es sowieso nicht!“
Hettling, genannt der Steineschlepper, was noch aus seiner Zeit als Edelsteinschleifer herrührt, ist einer von den Frauen und Männern, die dieser Tage auf dem Gelände des einstigen Gutshauses von Maasdorf den Katastrophenfall vielleicht nicht gerade unter Ernstfallbedingungen probten, sich aber mit Dingen beschäftigten, die ihnen das Überleben in einer feindlichen Umwelt ermöglichen sollen.
Überlebenskünstler üben für den Ernstfall
Peter Tremmel, aus Österreich stammender Besitzer des 8.000 Quadratmeter großen Terrains mit reichlich maroder Bausubstanz, hatte den „Preppern“, wie die Überlebenskünstler bezeichnet werden, das Gelände zur Verfügung gestellt.
Wer dabei an Geländespiele denkt, liegt falsch, aber nicht zur Gänze. Denn auch wenn das Gelände eine nicht unwesentliche Rolle spielt - Prepper spielen nicht. Sie rechnen.
Vorbereitung auf den Untergang der Welt
Mit dem Untergang der Zivilisation nämlich. Das ist nun nichts Neues in der Entwicklung der Menschheit.
Die Erwartung der Apokalypse gehört schließlich zum Kanon nahezu jeder religiösen Bewegung, aber Prepper unserer Zeit haben für die Vorbereitung auf das Finale der Menschengemeinschaft, wie wir sie kennen, ganz andere Möglichkeiten als früher; technische, technologische, medizinische und logistische.
Nicht nur Lebensmittel werden selber hergestellt
Die sie allerdings mit alten Kulturtechniken verbinden - Andreas Hettling kauft sein Brot nicht, er backt es. Er backt es nicht in einem Backautomaten aus dem Elektromarkt, sondern in einem ehemaligen Ausdehnungsgefäß aus Blech, das er halbiert und übers Feuer aufgehängt hat.
Hettling schmiedet Messer, Äxte und Pfeilspitzen selber. Kommt es zur Katastrophe, brechen Versorgung, Infrastruktur, öffentliche Ordnung zusammen - Hettling kann sich behelfen. Er ist vorbereitet, er ist „prepared“. Von dem englischen Wort haben die Prepper ihren Namen.
Prepper haben sich in Facebook-Gruppe zusammengeschlossen
Die Prepper, die sich in Maasdorf getroffen haben, sind eigentlich eine Facebook-Gruppe, die den Weg ins wirkliche Leben gefunden hat. „Das ist die PSG FKK“, sagt Peter Tremmel, was übersetzt so viel heißt wie „Prepper Survival Germany für Krise und Krieg“.
Was sich martialisch und erschreckend anhört, aber man habe, so sagt nicht nur ein Prepper in Maasdorf, auch jenseits des Maya-Kalenders reichlich Grund dazu, sich fürs Desaster zu präparieren: Konflikte rund um den Erdball, Umweltprobleme, Klimawandel, Epidemien - wer weiß, was noch kommt.
Workshops wie man ohne fließend Strom und Wasser überlebt
Ein Treff von Verschwörungstheoretikern? Tremmel lächelt wie jemand, der solche Nachfrage nicht zum ersten Mal hört. „Theorie? Als Prepper muss man sich praktisch beweisen.“ Nicht ohne Grund gibt es Maasdorf keine klassischen Mitschreib-Vorträge im Seminarraum, sondern vor allem Workshops.
Da geht es zum Beispiel um das Haltbarmachen von Fleisch oder um den Fallenbau für Prepper. Aber auch um Lager- und Selbstschutz, um taktische Verwundetenversorgung. Prepping ist nicht nur Wildkräuterbestimmung und das Nähen von Ledertaschen, sondern auch die Abwehr von möglichen Gefahren aller Art.
Keine Verbindung zu Nazis oder Reichsbürger
Damit keine Missverständnisse aufkommen, stellt Tremmel klar: „Wir wollen keine Reichsbürger und keine Nazis. Wir verbieten das, auch in der Facebookgruppe.“
Es gehe darum, dass wird uns gegenseitig fit machen, um mit kleinen, großen und globalen Notlagen umgehen zu können. Survival heißt das Zauberwort. Also: Überleben.
Tipps vom Survival-Experten Detlev Henschel
Geht es um Survivalaktionen, dann hat Detlev Henschel jede Menge Fachwissen zu vermitteln. Henschel, 60 Jahre alt und zäh wie Sohlenleder, ist promovierter Wissenschaftler, der sein Leben im Hamsterrad hinter sich gelassen hat und schon seit Jahren ausprobiert, was er später an Überlebenstipps seinem Publikum als Buchautor übermittelt.
Er ist mit dem Kanu von Flensburg zum Polarkreis gepaddelt, zu Fuß durch Japan gelaufen und in Namibias hinterste Winkel. Henschel kann von dem leben, was die Natur bietet. Minimalistisch. Die einzige Voraussetzung: „Frisches Wasser. Den Rest gibt es schon irgendwie“, weiß er zu berichten.
Auch im Haus werden Vorräte gelagert
Auch wenn rundherum alles zusammenbricht. Im Keller des Hauses, in dem Henschel wohnt, hat er für den Tag vorgesorgt, an dem er mit seinem Auto schnell das Weite suchen muss.
Genug Diesel, um 1.000 Kilometer weit wegzukommen, ist gebunkert, außerdem stünden im Keller zwei wasserdichte Kanister, vollgepackt mit Kohlenhydraten.
Das ist schon was anderes als die Einweckgläser aus Omas Zeiten. Allerdings haben sich die Vorfahren der heutigen Prepper auch nie so recht gründlich auf Katastrophen vorbereiten können - gekommen sind die dann trotzdem. (mz)