Burgenlandkreis Burgenlandkreis: Horrorfahrt im Nebel
WEISSENFELS/MZ. - Gerhard Ludwig ist am frühen Nachmittag fast am Ende einer langen Reise. Der deutsche Auswanderer kommt aus Norwegen und will Weihnachten mit Freunden in Bad Sulza feiern. Doch dann findet seine Ferienfahrt nach Süden auf der Autobahn 9, kurz vor der Abfahrt Weißenfels, ein jähes Ende. "Ich bin durch dichten Nebel gefahren, auf einmal hat es hinten laut gekracht", sagt er.
Autofahrern und Helfern bietet sich Donnerstagnachmittag ein erschütterndes Bild. Auf einer Länge von rund 300 Metern sind mehr als 50 Fahrzeuge in eine Massenkarambolage verwickelt. Am Ende der Strecke steigt ein beißender Geruch in die Nase. Zwei Fahrzeuge sind völlig ausgebrannt. Aus einem Pkw mit Weißenfelser Kennzeichen muss die Feuerwehr einen Toten bergen. "Das geht schon an die Nieren", meint wenige Meter weiter René Huth. Der junge Mann pendelt jede Woche zwischen Magdeburg und Gera. Jetzt ist sein Auto schrottreif. So wie viele Fahrzeuge, die auf der nassen Fahrbahn kreuz und quer stehen. Überall liegen Einzelteile herum, in vielen Autos quillt der Airbag aus dem Lenkrad. Sichtlich benommen laufen die Menschen auf der voll gesperrten Autobahn hin und her, benachrichtigen Angehörige und Freunde per Handy, versuchen das Geschehene irgendwie zu verarbeiten.
Immer mehr Rettungskräfte treffen an dem in dichten Nebel gehüllten Unfallort ein. Das Rote Kreuz baut ein Zelt auf, um sich darin um Verletzte und Traumatisierte zu kümmern. Später steht fest: Der Massenunfall fordert ein Todesopfer, einen Schwerverletzten sowie elf Leichtverletzte. Weitgehend unversehrt ist Hans Friedmann aus Berlin. Zusammen mit seiner Frau steht er am Zelt und wartet darauf, dass sein Blutdruck gemessen wird. "Es war schrecklich. Plötzlich schob uns ein Kleintransporter auf die Autos vor uns", schildert er das Erlebte. Wann beide nun zur Weihnachtsfeier bei Verwandten in Gera ankommen, steht an diesem Nachmittag noch in den Sternen.
Schritt für Schritt bekommen die vielen Helfer die Lage in den Griff. Susanne Foret und Henri Knochenhauer vom Weißenfelser Roten Kreuz laufen die Strecke ab, sprechen mit den Autofahrern, fragen, wo sie helfen können. Auch an den beiden jungen Leuten geht das Drama nicht spurlos vorüber. "Ich hab' schon einige Einsätze mitgemacht. Aber das hier ist eine ganz andere Dimension", sagt Henri Knochenhauer und setzt seinen Weg durch eine nicht enden wollende Kette ineinander verkeilter Autos fort.