Oberbürgermeisterwahl Oberbürgermeisterwahl: Bürgerintiative der Ortsteile stellt keinen Kandidaten

Sangerhausen - Die Bürgerinitiative Ortsteile Sangerhausen (BOS) wird keinen Kandidaten für die Neuwahl des Oberbürgermeisters in Sangerhausen am 23. April aufstellen. Das geht aus einer von Fraktionschef Bert Mrozik und seinem Stellvertreter Gerhard von Dehn Rotfelser unterzeichneten Presseinformation hervor.
Kein parteiübergreifender Kandidat für Wahl des Oberbürgermeisters ernannt
„Die Chancen für einen personellen Wechsel würden nur dann wachsen, wenn ein parteiübergreifender Kandidat hätte gewählt werden können“, heißt es in dem Schreiben. Deshalb habe die BOS Gespräche mit den Fraktionen im Stadtrat geführt, um einen gemeinsamen Bewerber zu nominieren. „Das ist leider nicht gelungen“, schreibt die BOS. Die ideologischen Strukturen seien zu dominant, ein parteiübergreifender, personeller und sachlicher Neuanfang stehe in weiter Ferne. „Wir bedauern die Entscheidung, weil damit der Stillstand vor allem in den 14 Ortsteilen für weitere sieben Jahre festgeschrieben ist.“
In der Presseinformation kritisiert die Initiative massiv die Arbeit des Amtsinhabers Ralf Poschmann (CDU). Poschmann habe 2010 den Wahlslogan „Er kann es“ genutzt. „Am Ende der Wahlperiode muss gesagt werden, das politische Erbe ist eine Katastrophe, das finanzielle Erbe der Ruin“, schreiben Mrozik und von Dehn Rotfelser. Die Wahlperiode von 2010 bis 2017 sei die Zeit mit der höchsten Nettoverschuldung in der Geschichte der Stadt. Sangerhausen stehe mit den Rücken zur Wand. Die Verschuldung entwickele sich ungebremst weiter, monatlich um 260.000 Euro.
Außerdem kritisiert die BOS, dass aus ihrer Sicht die Ortsteile benachteiligt werden: „Die Eingemeindung der 14 Ortsteile in die Stadt Sangerhausen begann 2006 voller Hoffnung und endete 2017 mit einer Enttäuschung.“ Das Ergebnis nach zehn Jahren Eingemeindung laute: „Die Ortsteile sind noch nicht angekommen und das sowohl kommunalrechtlich als auch emotional.“
Wesentlichen Anteil daran trügen der Oberbürgermeister und die Stadtverwaltung. Selbst der 10. Jahrestag des Beitritts der Ortsteile in die Stadt Sangerhausen sei von Poschmann mit keinem Wort gewürdigt worden. Weiterhin ist in dem Papier in Bezug auf Poschmann unter anderem von „schwacher Entscheidungskraft, hohem Harmoniebedürfnis und beratungsunabhängigem Verhalten“ die Rede. Das lasse keine Hoffnung für eine auch nur ansatzweise Lösung der enormen Probleme der Stadt zu. Eine Wahlempfehlung für Poschmann könne die BOS nicht geben: Mit anderen Kandidaten wolle die Initiative aber das Gespräch suchen.
BIS, SPD und FDP stellen keinen Kandidaten
Für die Wahl am 23. April gibt es bisher vier Bewerber. Neben Amtsinhaber Ralf Poschmann (CDU), sind es Holger Hüttel (Die Linke) und die Einzelbewerber Gerald Neuschl und Patrick Graul. Graul hat nach eigenen Angaben die letzten seiner Unterstützerunterschriften beim Wahlleiter eingereicht. Insgesamt 104 hat er abgegeben. „Am Freitag erfahre ich, ob sie gültig sind“, sagte der 34-Jährige. SPD, FDP und die Bürgerinitiative Sangerhausen (BIS) haben entschieden, keinen Kandidaten aufzustellen. Die FDP will bei der Wahl Poschmann unterstützen. Die Bewerbungsfrist um das Amt endet am 27. März. (mz)