Ein Herz für die Bibliothek
Stolberg/MZ. - "Die Stelle als Bibliothekar war im Stolberger Anzeiger ausgeschrieben. Da habe ich mich mit Erfolg beworben", schildert sie ihre Einstellung. "Jetzt komme ich wieder raus, stehe nicht nur am Herd in den eigenen vier Wänden", zeigt sie sich sichtlich zufrieden über die Ablenkung vom Hausfrauen-Dasein. "Selbst lese ich viel und empfehle auch gern Bücher", sieht die Stolbergerin die Sache positiv.
Anja Hartung ist in dem Harzstädtchen geboren, wohnt mit ihrer Familie in einem kleinen Häuschen. Sie fühlt sich wohl, will der Europastadt auf gar keinen Fall den Rücken kehren. Hier wohnen die Bekannten und Freude, das ist ihr wichtig. "Es können nicht alle nach Bayern abwandern", fügt sie an. Selbst hat sie wenig Hoffnung, in der Region in der nächsten Zeit eine Arbeit zu finden. "Wer stellt heute noch Leute ein," fragt sie und wendet sich wieder den Büchern zu.
Jetzt ist Anja Hartung jedenfalls an drei Tagen in der Woche in der Stadtbibliothek anzutreffen, leiht Bücher, Kassetten, CD und Videos aus. Als Mutter des 16-jährigen Sohnes Udo ist sie auch bestens im Bilde darüber, was ihre jungen Leser aktuell gern lesen und hören wollen. Wenn es weiter so gut läuft, soll die Öffnungszeit verlängert werden.
Die Stolbergerin freut sich über die gute Resonanz. Drei junge Leser haben sich im März neu angemeldet. Es bleibt aber ein Geheimnis, was mehr lockt: die geistige Nahrung oder die Süßigkeiten, die hier und da in der Bibliothek auf Tellern liegen und zum Naschen einladen. "Ich spiele aber auch mit den Kindern Karten, oder es wird gebastelt", berichtet Anja Hartung weiter: "Man muss sich eben etwas einfallen lassen, damit die Kinder in die Bibliothek kommen." Ihr Konzept scheint jedenfalls Erfolg zu haben. Und wenn die neuen Spielgeräte erst hinterm Haus auf den Spielplatz stehen, dann ist die Adresse Niedergasse 22 sicher noch gefragter.
Im März besuchten insgesamt 103 Nutzer die kleine Einrichtung in der Niedergasse 22. Dabei wurden 146 Bücher, CD's bzw. Kassetten entliehen", berichtet die gelernte Bindemittelfacharbeiterin, die einst im Gipswerk Rottleberode wie auch ihr Mann arbeitete. Sie verdiente aber auch schon ihre Brötchen als Reinigungskraft, Saalpersonal im Kino, um zwei Beispiel zu nennen. Nun verwaltet sie jedenfalls in der Stolberger Stadtbibliothek einen Bestand von rund 4 300 Büchern. Einen Computer und Internet gibt es nicht. Jeder Leser hat seine Kartei. Dort wird alles fein säuberlich per Hand eingetragen. Eben wie früher, als es die moderne Technik noch nicht gab. Aber nicht nur die kleinen und großen Stolberger nutzen die Bibliothek. Es kommen auch zahlreiche Touristen, die sich über die Stadt Stolberg und ihrer Umgebung schlau machen wollen oder um zu sehen, was es in der Stadtbibliothek zum Schmökern gibt.
Öffnungszeiten: mittwochs von 15 bis 18 Uhr; donnerstags und freitags von 9 bis 11 Uhr.