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Besucherattraktion im Harz Ein Tag im Tierpark Westerhausen: Ganz nah bei den Kattas

Westerhausens Tierparkchef Michael Bussenius erzählt, was ein Zootierpfleger so alles macht - und wie eine 100-Jährige ihre Mäuse-Phobie verlor.

Von Rita Kunze 03.04.2025, 20:00
Vorsichtige Annäherung mit Knäckebrot als Leckerli: Beim Zukunftstag kamen Schüler in direkten Kontakt mit den Bewohnern des Tierparks Westerhausen, wie diesem Katta.
Vorsichtige Annäherung mit Knäckebrot als Leckerli: Beim Zukunftstag kamen Schüler in direkten Kontakt mit den Bewohnern des Tierparks Westerhausen, wie diesem Katta. Foto: Kunze

Westerhausen/MZ. - Zielwerfen nützt nichts: Die Besucher, die im Tierpark Westerhausen zu gerne dessen jüngste Bewohner füttern würden, werden vom Bock im Gehege ausgebremst. Er sichert sich die leckeren Pellets, die Kleinen haben das Nachsehen, auch wenn sie im Moment zu den beliebtesten Tieren der Einrichtung gehören.

Der Frühling ist da und mit ihm wieder vierbeiniger und bald auch gefiederter Nachwuchs: Neben vier Zwergziegen-Lämmern sind zwei junge Mähnenspringer in Westerhausen zu sehen. In den nächsten 14 Tagen werden noch einmal zwei erwartet, sagt Tierparkchef Michael Bussenius.

Nistkästen für den Sittich-Nachwuchs

An einer Wand in der Vogelvoliere hängen Nistkästen: Auch bei den Wellensittichen wird Nachwuchs erwartet. Nach 17 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen. „Die bleiben drei Wochen drin und kommen raus, wenn ihr Gefieder voll entwickelt ist.“

Seit 50 Jahren arbeitet der Halberstädter mit Tieren, sogar im Ruhestand: Auf Bitten des Fördervereins als Träger des Westerhäuser Tierparks übernahm er dessen Leitung. Sein Wissen und seine Leidenschaft für den Beruf - Michael Bussenius arbeitete mehr als vier Jahrzehnte im Tiergarten Halberstadt, war unter anderem Zooinspektor, zuvor im Magdeburger Zoo tätig und ist bekannt durch die Tiershows der Bussenius-Brüder - will er gern weitergeben.

„Dafür sind solche Tage gut“, sagt er über den Zukunftstag, in diesem Jahr am 3. April, der Schülern bei der Berufsorientierung helfen soll. Fünf Mädchen zwischen 12 und 14 Jahren aus Quedlinburg, Thale und Westerhausen haben sich aktuell den Tierpark ausgesucht. Sie haben gerade die Vogelvoliere gesäubert, jetzt stehen sie in einem der Gehege und striegeln Bubi.

Im Tierpark Westerhausen sind rund 230 Tiere in 33 Arten und Rassen zu sehen

Weiße Flusen liegen rund um den Shetlandpony-Hengst auf dem Boden. „Die Winterwolle geht ab, da muss der Tierpfleger natürlich mit eingreifen und Fellpflege durchführen, Hufpflege durchführen, dass die Tiere sich dann auch wohlfühlen“, erklärt der Tierparkchef. „Das wird täglich gemacht.“

Knapp 230 Tiere in 33 Arten und Rassen werden von Michael Bussenius, der viel Verwaltungsarbeit übernimmt, und drei Mitarbeitern versorgt. „Das ist viel und natürlich auch eine logistische Herausforderung. Das muss jeden Tag gemacht werden, ob's nun Heiligabend ist oder Ostern.“

Wobei sich auch der Förderverein hervorragend kümmere, betont er. „Die stehen voll dahinter und machen alles, was in ihren Kräften steht. Das Ergebnis ist dann wunderschön: Wir kriegen ausgesprochen positive Kritiken, die Leute kommen gerne, das ist der schönste Dank, den wir haben können.“

Der erste Nachwuchs in diesem Jahr im Tierpark Westerhausen.
Der erste Nachwuchs in diesem Jahr im Tierpark Westerhausen.
Foto: Kunze

Einheimische bringen ihren Besuch mit, „darum stehen auch Autos aus Hamburg, Suhl, Leipzig hier, aber es kommen ganz viele aus Quedlinburg, Halberstadt, Blankenburg, Wernigerode. Das ist der Haupteinzugsbereich.“

Wie viel Arbeit nötig ist, sich um den Tierpark und seine Bewohner zu kümmern, haben die Mädchen an ihrem Zukunftstag live erlebt. Tabea hat für ihre Zukunft schon einen genauen Plan: „Ich will Tierpflegerin werden, eine Ausbildung machen.“ Der Grund ist mit einem Satz erklärt: „Weil ich Tiere liebe.“

Mäuse-Phobie durch Bussenius-Show verloren

Michael Bussenius hört das gern. Er weiß auch Menschen zu überzeugen, die manches Tier nicht so mögen, und hat eine Anekdote parat: „Ich war mit meiner Tiershow in einem Seniorenheim. Eine 100-jährige Dame hatte ihr ganzes Leben lang panische Angst vor Mäusen. Ich hatte in der Show zwei Mäuse dabei. Wir haben sie animiert, dass sie eine Maus mal in die Hand nimmt. Mein Bruder hielt die Hand und dann saß die Maus in ihrer Hand. Sie ist so glücklich gewesen. Sie sagte, sie hätte nie gedacht, dass sie diese Phobie überwinden kann. Stellen Sie sich das mal vor.“