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Noch neun Taler schuldig

Von Anni Neumann 24.10.2007, 15:38

Leuna/MZ. - Für die Gnadenkirche im Ortsteil Ockendorf ist noch eine Rechnung offen: Das Merseburger Domstift gab bei dem Baumeister Christian Trothe die Kirche und unter anderem auch den Altar in Auftrag. "Eine Kirchenrechnung von 1710 gibt Aufschluss, dass von 64 Talern für den Altar nur 55 gezahlt worden - den Rest von neun Talern blieb man schuldig", erzählt Kirchenratsmitglied Inge Bernstein.

An der Unzufriedenheit mit dem vollendeten Bau kann es aber nicht gelegen haben, denn vor allem der barocke Kanzelaltar ist von besonderer Schönheit.

Auf dessen linker Seite ist Moses dargestellt, ihm gegenüber der Evangelist Johannes - sie symbolisieren Sakrament und Predigt. Die Altarwand ist mit reichem Blätterwerk verziert. Zwischen Altar und Kanzel findet sich ein original erhaltenes Gemälde, das das letzte Abendmahl von Jesus mit seinen Jüngern darstellt. An der Kanzel sind dagegen mit Geburt, Kreuzigung und Auferstehung Christi zentrale Inhalte des christlichen Glaubens verbildlicht.

Aber auch an den Außenmauern der Kirche gibt es interessante Details zu entdecken: "So findet sich - neben einigen anderen beispielsweise der Grabstein von Pfarrer Johannes August Crusius, der 1729 gestorben ist und zu Lebzeiten Pfarrer in Rössen und Göhlitzsch war. Einer seiner Söhne war sogar Theologieprofessor in Leipzig", weiß Immo Bernstein, Organist der Kirche, zu erzählen. Dieser Grabstein, der viele Verzierungen aufweist, ist übrigens ebenfalls ein Werk Trothes und besonders sehenswert.

Aber auch der Grabstein von Pfarrer Hermann Vetter und dessen Frau findet sich an der Kirchenmauer. "Vetter, der seit 1937 hier Pfarrer war, hat nach dem Krieg den Wiederaufbau der Leunaer Kirchen geleitet", fügt Inge Bernstein hinzu.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Gnadenkirche schwer getroffen und auch die Orgel schwer beschädigt. Die Sakristei und der Altarraum waren völlig zerstört. "Zum Glück hatten wenige Tage zuvor, im Dezember 1944, mehrere Bürger den Altar herausgeschafft und so vor der Zerstörung gerettet", erzählt Bernstein.

Das barocke Kunstwerk überdauerte die Bombenangriffe unter dem Turm der Leunaer Friedenskirche, die ja auch beschädigt wurde - aber ihr Turm und somit der Altar blieben weitgehend unversehrt. So konnte mit ihm 1949 die Wiedereinweihung des Ockendorfer Gotteshauses stattfinden.

Ein großes Jubiläum, bei dem sich jeder von der Schönheit der kleinen Dorfkirche selbst überzeugen kann, steht in etwas fernerer Zeit bevor: 2010 ist die 1111-Jahrfeier von Ockendorf und dann wird ausgiebig Gelegenheit zur Erkundigung des Gotteshauses gegeben sein.

Wer nicht so lange warten möchte, kann natürlich auch eines der Konzerte im kommenden Orgelsommer besuchen oder auch einen der Gottesdienste nutzen, die regelmäßig in der kleinen Gnadenkirche auf dem Lindenplatz stattfinden.