Viele erweckten Klub zum Leben
KÖTHEN/MZ. - Vor 25 Jahren machte die Stadt Köthen ihren jungen Einwohnern ein besonderes Weihnachtsgeschenk. Einen Tag vor Heiligabend wurde am 23. Dezember 1983 der Jugendklub Rüsternbreite seiner Bestimmung übergeben. "Das war ein großer Tag, denn bis dahin hatten die jungen Leute des Neubaugebietes keinen Ort, an dem sie ihre Freizeit verbringen konnten", erinnert sich Peter Engelmann. Er war hauptamtlicher Klubleiter und hat einige Jahre lang das Haus geführt.
Klubrat wirkte aktiv mit
Noch heute merkt man Engelmann an, wie sehr ihm die Arbeit damals Spaß gemacht hat. "Wir hatten ein niegelnagelneues Haus bekommen, und das wollten wir mit viel Leben erfüllen", erzählt der heutige Veranstaltungsleiter bei der Köthen Kultur und Marketing GmbH. Engelmann spricht bewusst vom "Wir", denn es gab vor 25 Jahren noch jede Menge anderer junger Mitstreiter, die ihre Ideen in den neuen Jugendklub einbringen wollten. Axel Hirsch, Matthias Bartl, Anke Eisenhuth und Hartmut Liebelt bildeten den Klubrat der ersten Stunde. Auch Engelmanns Bruder
Gunter, der aber leider schon verstorben ist, gehörte mit dazu. Bald schrieben sich noch 16 Klubmitglieder ein, so dass Engelmann auf
eine tatkräftige Truppe zurück greifen konnte, die zum Leben des Jugendklubs auf vielfältige Weise beitrug.
Die erste große Veranstaltung im Jugendklub ging ein paar Tage später zu Silvester über die Bühne. Bis dahin gab es aber noch viel zu tun. "Das Haus war zwar fertig und möbliert. Aber es fehlten eben doch einige Dinge", schaut Engelmann zurück. Getränke, Lebensmittel und Gläser für die erste Party - all das musste in wenigen Tagen heran geschafft werden. Eine Musikanlage gab es noch nicht, die borgte man sich für Silvester aus.
1984 ging es dann richtig los. Gemeinsam mit dem Klubrat wurde ein Veranstaltungsplan aufgestellt, mit dem nicht nur den Jugendlichen, sondern auch den Erwachsenen Freizeitangebote unterbreitet wurden. Und der Jugendklub erfreute sich regen Zuspruchs. Engelmann hat noch die Besucherzahlen von einst in einer Mappe abgeheftet. 1984 gab es 434 Veranstaltungen mit 15 275 Gästen. 1986 waren es über 17 000 Besucher. "Der Jugendklub war für die Rüsternbreite eine Art Kulturhaus geworden", sagt Peter Engelmann. Das Haus platzte bald aus allen Nähten. Offiziell war es für maximal 90 Besucher ausgelegt. "Weil der Andrang aber so groß war, haben wir uns eine Erlaubnis eingeholt und durften dann maximal 120 Leute rein lassen." Ein paar Jahre später wurde der Klub durch einen Anbau erweitert. Von dreijährigen Kindern bis zu Rentnern - allen Altersgruppen wurde im Klub etwas geboten.
Tanzabende für die Älteren
Puppenspieler Karlheinz Klimt spielte regelmäßig für die Jüngsten, die Senioren droschen Skat. Es gab Vorträge mit Lichtbildern, Buchlesungen oder Spielenachmittage für die Kinder. Die jungen Leute konnten jeden Mittwoch und Sonnabend in die Disko gehen, und für das ältere Semester gab es regelmäßig Tanzabende. Auch vor dem Haus war jede Menge los. Der Jugendklub organisierte Familienfeste, Rockkonzerte und Flohmärkte. "Die Leute kamen zu Tausenden", sagt Engelmann.
Der Klubrat konnte weitgehend frei agieren, ohne große Beeinflussung durch Partei, FDJ oder Rat der Stadt. "Sie haben gesehen, dass es gut bei uns läuft und dass das ganze Wohngebiet vom Jugendklub profitiert", äußert Engelmann. Nur um den Namen, den das Haus tragen sollte, gab es etwas Aufregung. Die FDJ-Kreisleitung meinte, der Klub müsse nach Reinhold Zöllner, dem ersten Köthener SED-Chef benannt werden. Die Mitglieder des Klubrates hatten allerdings eine eigene Idee und favorisierten Enno Sander, eine Persönlichkeit aus der anhaltischen Geschichte, auf den sie durch Kontakte mit dem Hochschul-Professor Werner Grossert gekommen waren.
Der Jugendklub war mit seinem selbst gewählten Namen aber schneller als die Funktionäre und frech genug, diese vor vollendete Tatsachen zu stellen, indem er die "Taufe" in der "Freiheit" öffentlich machte. Dieser Alleingang wurde kritisiert, letztlich kam man aber bei einem hitzigen, am Ende aber klärenden Gespräch zwischen Klubrat und FDJ-Kreisleitung, an dem auch der damalige Köthener Bürgermeister Werner Gerlach teilnahm, überein, dass der 1848-er Revolutionär Enno Sander für die Jugend durchaus ein Vorbild ist. Auch viele Jahre später, als der erste Klubrat längst Geschichte war, wurde der Jugendklub noch "Enno" genannt - obwohl kaum noch einer wusste, warum das so war.
Das Weihnachtsgeschenk der Stadt an ihre Jugend hat die Zeit überdauert. Der Jugendklub ging nach der Wende in die Trägerschaft der Landkreisverwaltung über und wird seit ein paar Jahren von der Öko-Domäne betrieben. Auch heute noch ist das Freizeitzentrum ein Treffpunkt für die jungen Leute der Rüsternbreite.
Erfolgsgeschichte des Hauses
Das erfüllt Peter Engelmann schon mit Genugtuung, kann er doch sagen, ein wenig zur Erfolgsgeschichte des Hauses beigetragen zu haben. Mit dem Jugendklub Rüsternbreite ist für den 53-Jährigen auch ein Jubiläum verknüpft. Hier begann er am 16. Dezember 1983 seine hauptberufliche Laufbahn auf kulturellem Gebiet. Vor wenigen Tagen erhielt er von Oberbürgermeister Kurt-Jürgen Zander eine Urkunde über seine 25-jährige Zugehörigkeit zum öffentlichen Dienst.