Champions-League-Finale Champions-League-Finale: Im Freudentaumel

Hettstedt/MZ. - Als im Londoner Wembley-Stadion der Abpfiff nach rund fünf Minuten Nachspielzeit ertönt, brechen im „Alten König“ alle Dämme: Die Mitglieder des Hettstedter Fanclubs von Bayern München schreien ihre unbändige Freude heraus. Ihre Mannschaft hat im Finale der Champions League am Samstagabend die Elf von Borussia Dortmund nach einem spektakulären Spiel mit 2:1 bezwungen. Sie tanzen auf den Stühlen, springen vor der Leinwand auf und ab oder recken immer wieder die Hände in die Luft. „Darauf haben wir lange warten müssen“, freut sich Andreas Giebitz. „Die Bayern können es eben doch“, sagt Clubchef Michael Stabrey und gibt zur Feier des Tages eine Lokalrunde aus. Er hatte in Barcelona zum Halbfinale hautnah miterlebt, wie die Schützlinge von Jupp Heynckes die bis dahin vermeintlich beste Clubelf der Welt demontierte. Nun könnte eine neue Ära anbrechen mit den Bayern als dem Tonangeber im Weltfußball.
Die 20 Fanclub-Mitglieder aus dem Mansfelder Land, die sich zum Public Viewing getroffen hatten, mussten vorher allerdings ein Wechselband der Gefühle durchmachen. Dabei dachten alle, dass es nur um die Höhe des Sieges gehen würde. Einige glaubten gar an einen 6:0-Sieg ihrer Mannschaft. Sie ahnten nicht, was für eine Zitterpartie auf sie zukommen sollte.
Die Schützlinge von Jürgen Klopp erwiesen sich als ebenbürtig. Sie legten anfangs mächtig los. Bei jeder Torchance der Schwarzgelben wurden die Bayernfans ein Stückchen blasser. Doch dann vor der Pause hellte sich ihre Stimmung auf. Die Bayern kamen besser ins Spiel. Doch die Torhüter verhinderten auf beiden Seiten eine Stunde lang einen Treffer.
Als dann in der 60. Minute endlich das ersehnte erste Tor von Mandzukic für Bayern fiel, sprangen alle auf und jubelten, so laut sie konnten. Alle waren sich sicher, das nun der Sieg für ihre Mannschaft klar war. „Jetzt kommen die Dortmunder nicht mehr hoch“, glaubte Torsten Kunze nach diesem Treffer.
Keine zehn Minuten später war die Freude und der Glaube an den sicheren Sieg der Bayern schon wieder dahin. Dortmund verwandelte einen Elfmeter zum Ausgleich. Entsetzen machte sich breit. „Das darf doch nicht wahr sein. Der Elfer war absolut gerechtfertigt“, rief Andreas Giebitz nach dem Foul an Reus. Alle waren sich einig, dass Dantes Aktion unnötig war.
Nach diesem Ausgleich begann das Zittern für die Bayern-Fans erst so richtig. Sie bereiteten sich auf einen langen Abend vor. Denn bis zur 89. Minute sah es aus, als wäre die Verlängerung unvermeidlich. Doch nach dem 2:1 durch Robben zeigten die Fans, was Freude ist. Sie schrien, sie tanzten und fielen sich in die Arme. Dann wurde es still und sie hofften den Atem anhaltend, dass das Spiel endlich vorbei sein möge. Nicht, dass die Dortmunder doch noch mal zum Zuge kämen. Dann ertönte der ersehnte Schlusspfiff des italienischen Schiedsrichters. Alle sprangen auf, sie jubelten lautstark und jeder umarmte jeden. Und im Chor sangen alle: „Oh wie ist das schön, das hat man lange nicht gesehn!“