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Dessau-Roßlau Dessau-Roßlau: Mitsingen oder einfach nur dabei sein

Von carla hanus 01.03.2012, 19:11

Dessau/MZ. - Noch sind die Programmhefte nicht gedruckt. Aber im Internet kann schon eingesehen werden, was das Netzwerk "Gelebte Demokratie" in den kommenden Tagen an Aktionen geplant hat. Vom Zeitzeugengespräch und einer Diskussion nach einem Theaterstück über Beiträge im Fernsehen bis zum gemeinsamen Singen reicht die Palette an Angeboten, mit denen sich die Stadt bunt und vielfältig präsentieren will.

Bunt statt braun. Denn für den Sonnabend der nächsten Woche haben Rechtsextremisten aus dem Kameradschaftsspektrum erneut einen Marsch durch Dessaus Innenstadt angekündigt. Mit diesem so genannten Trauermarsch, zu dem sie schon seit einigen Jahren aufrufen, wollen sie die historische Tatsache der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg umdeuten und für ihre Propaganda nutzen, in dem sie die wahren Verursacher des Krieges ignorieren.

"Die schrecklichen Erkenntnisse im Zusammenhang mit der Neonazi-Mordserie und den Aktivitäten des Nationalistischen Untergrundes (NSU) - aber auch die jüngsten Ereignisse vor unserer Haustür - machen erneut in tragischer Weise deutlich, wie wichtig es war und bleibt, gegen diesen menschenverachtenden Hass aufzubegehren", heißt es in dem Aufruf des Netzwerkes "Gelebte Demokratie", gegen den Naziaufmarsch am 10. März Gesicht zu zeigen.

Es könnten wohl 200 bis 300 Neonazis in der kommenden Woche nach Dessau kommen, vermutet das mobile Beratungsteam gegen Rechtsextremismus. Derzeit werde dafür stärker im Internet mobilisiert, würden Flyer und Aufkleber in der Stadt auftauchen, sagt Steffen Andersch.

Es sei egal, ob es 10 oder 500 Neonazis seien, unterstreicht Conny Lüddemann, Landtagsabgeordnete Bündnis90 / Die Grünen, und aktiv im Netzwerk tätig. Entscheidend sei für sie, dass die deutlich wird, dass die übergroße Mehrheit der Menschen in dieser Stadt solch einen braunen Aufmarsch in der Stadt nicht haben wolle, dass sie kein ausländerfeindliches und menschenfeindliches Auftreten dulden. Deshalb habe das Netzwerk auch ein breites Angebot vorbereitet. "Wer nicht singen will, der kann sich anders einbringen", betont Lüddemann. "Keiner soll sich ausgeschlossen fühlen, der eine zukunftsorientierte, freundliche, fröhliche Stadt will", wirbt sie für eine Teilnahme, fürs Hinkommen. "Unser Angebot ist so breit und so bunt, da kann sich jeder einbringen und sei es auch nur durch die bloße Anwesenheit."

So kündigt Daniel Kutsche, der im Netzwerk die Kultur betreut, unter anderem Live-Satire mit Storch Heinar an. Dieser setze im Steilflug zur Landung in Dessau an, weil er die Aktion der braunen Leichtmatrosen nicht unbeantwortet lassen könne, kündigt Kutsche an. Außerdem wird es am Hauptbahnhof, dem Ort der zentralen Kundgebung des Netzwerkes "Gelebte Demokratie", eine Mitsing-Aktion in Form eines Scratch-Konzertes des Anhaltischen Theaters geben, Pop-Charts-Schlager werden mit Björn Hain angekündigt und Reggae und HipHop mit Sally Hohnstein. Außerdem hat Anna Haentjens ihre Teilnahme angemeldet. Sie wird Lieder mit Texten von Verfolgten des Nationalsozialismus singen.