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Der Student als stiller Konsument

Von Sylke Kaufhold 14.12.2004, 18:25

Dessau/MZ. - Das Studium koste schon ohne Gebühren eine Menge Geld, erzählt die junge Design-Studentin. "Einen Computer braucht man, eine Digitalkamera, Stifte, Papier und nicht zu vergessen die vielen Bücher, die man kaufen soll." Die Seminargruppe von Ute Steußloff war stark vertreten bei der Protestaktion am Dienstag des Standortes Dessau der Hochschule. Der Studentenrat hatte alle Kommilitonen aufgerufen, sich im gegenüber liegenden Arbeitsamt symbolisch arbeitslos zu melden. "Wir wollen zeigen, welche Folgen die Einführung der Studiengebühren haben können, denn für die Mehrheit sind sie einfach nicht leistbar", erklärt Andreas Greiner, Sprecher des Studentenrates, die Hintergründe. "Bildung sollte keine Ware sein, die sich nur Menschen mit dem nötigen Kleingeld kaufen können."

"Wir sind auf jeden Fall bei weiteren Aktionen dabei", versichert Katharina Scheller, die im ersten Semester Design studiert. Gerade hat sie im Berufsinformationszentrum des Arbeitsamtes ihre Unterschrift als "Arbeitslose" geleistet. "Ich finde ja, dass es ruhig ein paar mehr Studenten hätten sein können", blickt sie in die Runde. Etwa einhundert hatten sich zur morgendlichen Protestaktion eingefunden. Einhundert von 1 500 Studenten in Dessau.

Auch André Schlecht-Pesé, Studentensprecher der Hochschulen Sachsen-Anhalts, hätte sich "ein paar mehr Leutchen" gewünscht. "Aber es ist das Spiegelbild der Gesellschaft, die politisch Aktiven sind in der Minderheit." Dennoch freute er sich, dass die Dessauer Studenten, als einzige in Sachsen-Anhalt, überhaupt aktiv geworden sind. "Und vielleicht sind es beim nächsten Mal ja mehr."

Nicht nur der Einführung von Studiengebühren gilt der Protest, auch der geplanten Abschaffung der Verfassten Studierendenschaft (VS), dem rechtlich abgesicherten Mitbestimmungsgremium der Studenten. "Werden die abgeschafft, werden wir total zum Konsumenten degradiert, denn wir haben dann keinerlei Möglichkeit mehr, mitzubestimmen", so Andreas Greiner, der die VS als unverzichtbaren Bestandteil einer demokratischen Hochschule sieht.

Bis 14 Uhr lagen am Dienstag die Listen für die symbolische Arbeitslosmeldung im Dessauer Arbeitsamt aus. 165 Studenten haben bis dahin mit ihrer Unterschrift ihren Protest kundgetan. Die Listen werden an Ministerpräsident Wolfgang Böhmer übergeben.