Oberbürgermeister DHB-Präsident Andreas Michelmann: Sonderurlaub für Ascherslebener Oberbürgermeister

Aschersleben - Als Präsident des Deutschen Handballverbands (DHB) steht Ascherslebens Oberbürgermeister Andreas Michelmann seit einem Jahr an der Spitze eines der größten Sportverbände Deutschlands. Er repräsentiert den mithin größten Handballverband der Welt sowohl national als auch international auf den großen Bühnen. Sein ehrenamtliches Engagement für den DHB wurde gerade nach seiner Wahl in Aschersleben deshalb in den höchsten Tönen gelobt: Das ist eine tolle Werbung für die Stadt, hieß es damals fraktionsübergreifend im Stadtrat.
Doppelbelastung für Michelmann: Schadet sein Engagement beim DHB der Stadt Aschersleben?
Mittlerweile ist die Euphorie aber verflogen. Seit Monaten diskutiert die Stadt, ob diese Doppelbelastung sowohl für Michelmann selbst als auch für die Stadt tatsächlich gut ist. Immerhin habe ein OB nicht nur umfassende Leitungsfunktionen in der Verwaltung, er sei auch für die Repräsentation der Stadt zuständig, wie ein CDU-Stadtrat vor Monaten sagte. Ein Job, der freilich nicht mit anderen zu vergleichen sei.
Nahrung erhielten die Skeptiker mit einem Antrag des OB auf Sonderurlaub. Denn damit war klar, dass Michelmann für das Ehrenamt als DHB-Präsident doch mehr Zeit investieren muss als er vor der Wahl an die Spitze des Verbandes noch zugeben wollte. Damals sagte er gegenüber der MZ, das Ehrenamt habe keinen Einfluss auf seine Arbeit als Oberbürgermeister. „Auswirkungen hat die Arbeit lediglich auf meine Freizeit.“ Bereits als Vizepräsident für Amateur- und Breitensport habe er Überstunden abgebummelt und den einen oder anderen Urlaubstag geopfert. Zum Sonderurlaubsantrag äußern wollte sich Michelmann mit Verweis auf eine vertrauliche Personalangelegenheit aktuell nicht.
Als DHB-Präsident muss Michelmann unter anderem an Präsidiums- und Bundesratssitzungen des DHB sowie Sitzungen des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Sportausschusses des Bundestages teilnehmen. Um diesen Verpflichtungen nachkommen zu können, beantragte er pauschal zehn Tage Sonderurlaub für ein Kalenderjahr. Der wurden nach einigen Kontroversen im nicht-öffentlichen Teil des Stadtrates zwar knapp beschlossen, die Entscheidung rief danach allerdings verschiedene Aufsichtsbehörden auf den Plan. Deren Ergebnis: rechtlich nicht zulässig. Der Stadtrat könne als Dienstvorgesetzter des OB nicht seiner Kontrollpflicht nachkommen. Es müsse im konkreten Einzelfall geprüft werden, ob dienstliche Belange entgegenstehen.
Streit um Sonderurlaub für Andreas Michelmann: Kompromiss geschlossen
Es folgten Treffen zwischen Stadtverwaltung und Kommunalaufsicht des Landkreises. Dabei verständigten sie sich offenbar auf einen Kompromiss, wie nun aus internen Unterlagen hervorgeht. Die Verwaltung des Salzlandkreises sieht von einer förmlichen Beanstandung des erstmals im März gefassten Beschlusses ab, akzeptiert sozusagen die Pauschalregelung für das laufende Jahr, forderte zugleich aber Nachbesserungen für das kommende Jahr. Ein entsprechenden Beschlussvorschlag liegt nun dem Stadtrat von Aschersleben für die nächste Sitzung vor. Erste Stadträte meldeten bereits Klärungsbedarf dafür an. (mz)