Weihnachtsgeschäft Weihnachtsgeschäft: Das Geld sitzt wieder locker
GÜNTHERSDORF/Halle (Saale)/MZ. - Die Jagd nach Weihnachtsgeschenken beginnt am Samstagmorgen in Günthersdorf (Saalekreis) mit Parksuchverkehr oder einem kleinen Fußmarsch. Eine Stunde nach Öffnung sind im Einkaufszentrum "Nova Eventis" fast alle Parkplätze nahe der Ladenstraße besetzt. Nur etwas weiter weg, nördlich der B 181, ist noch Platz. Noch: Zwei Stunden später ist auch dort fast alles voll. Kaum anders sieht es am Mittag in Halles Innenstadt aus.
Mehr Geld für Geschenke
Das passt ins Bild: Die Wirtschaft erholt sich, und die Kunden stürmen die Geschäfte. Oder sind sie noch vorsichtig, wie zur Hochzeit der Krise? Hubert Leuschner winkt ab. "Die Krise kratzt mich nicht, solange sie mich nicht finanziell trifft", sagt der 47-Jährige, der sich auf Halles Weihnachtsmarkt beim Glühwein wärmt. "Ich gebe in diesem Jahr mehr Geld für Geschenke aus", räumt er freimütig ein. Der Grund: eine Lohnerhöhung.
"Wir schauen nicht aufs Geld, jedenfalls nicht für unsere Enkel", sagt auch Erika Pertsch. Gerade hat die 56-Jährige mit ihrem Mann einen Spielzeugfachmarkt in Günthersdorf verlassen; Helmut Pertsch bugsiert einen großen Karton - Inhalt: ein Spielzeugtraktor - auf einem Dreirad. Spielwaren stehen hoch im Kurs, neben Unterhaltungselektronik, Büchern, Parfüm und warmer Winterbekleidung.
Im Einkaufszentrum in Günthersdorf ist es freilich auch ohne dicke Jacke warm. Thomas Schliebs hat gerade ein neues Handy erstanden. Mit seiner Freundin sitzt der 25-Jährige auf einer Bank in der Ladenstraße, sie suchen noch nach Geschenken für Töchterchen Lynn, zweieinhalb. "Eine Kinderküche vielleicht oder ein Puppenhaus", überlegt Nadine Alfs, "auf jeden Fall etwas Hochwertiges." Ihr Lebensgefährte ergänzt: "Wir gehen beide arbeiten, da kann man sich etwas leisten."
Das sehen viele Kunden so. Sie geben wieder mehr Geld aus. Die Umsätze in "Nova Eventis" hätten zwar auch während der Krise moderat zugelegt, sagt Center-Manager Marcus Schwartz, "aber jetzt wachsen wir noch stärker." Auch mit dem Sonntagsverkauf ist Schwartz zufrieden: "Nach einem verhaltenen Start hatten wir ein volles Haus." Auch in Halle, Dessau, Quedlinburg und Magdeburg stürmten Kunden am Sonntag die Geschäfte. "Wir hatten ein volles Parkhaus und volle Läden", so Henrike Lorenz, Center-Managerin des Dessauer Rathaus-Centers. Viele Besucher hätten den Sonntagseinkauf mit einem Bummel über den Weihnachtsmarkt verbunden.
Zurück zur Qualität
Und wofür geben die Kunden Geld aus? Beate Fleischer aus Halle macht einen Trend zurück zu Qualität aus: "Da findet bei den Kunden ein Umdenken statt", sagt die Inhaberin eines Dessous-Ladens. Das zeige sich daran, dass bekannte Marken nachgefragt würden. Darauf müssten sich vor allem die Innenstadt-Händler mit ihrem Sortiment einstellen, meint Stephanie Lotze, Vorsitzende des Naumburger Innenstadtvereins. "Durchschnittsware sollten wir der grünen Wiese überlassen", so die Inhaberin eines Spielwarengeschäftes.
Qualität ist auch Beatrice Mortan wichtig. Für ihren Sohn Fabian, zweieinhalb, hat die 29-Jährige aus Halle ein Paar Winterstiefel erstanden: "Nicht für zehn Euro, er soll ja warme Füße haben." Dennoch, sagt sie, müsse sie als Alleinerziehende auf ihr Geld achten. Auch Felix Illisch, in Günthersdorf auf der Suche nach Geschenken, hält nichts davon, über die Stränge zu schlagen: "Ich habe ausgelernt und arbeite jetzt, natürlich ist da in diesem Jahr mehr drin", sagt der 22-jährige Verpackungsmittelmechaniker aus Merseburg. "Aber ich schaue schon, wofür ich mein Geld ausgebe."
Ganz ähnlich sieht das Ingo Lehmann: "Ich habe Arbeit und verdiene, aber deswegen werde ich doch nicht gleich übermütig", sagt der Anlagenfahrer aus Braunsbedra. "Ich kann nicht mehr ausgeben als das, was ich in der Tasche habe", erklärt er.