Ultras fühlen sich gegängelt

Ultras fühlen sich gegängelt: Darum gibt es Unmut bei den RBL-Anhängern

Leipzig - Kritik an Red Bull und seinem Gründer Dietrich Mateschitz ist in Bundesliga-Stadien nichts Seltenes. Beim 1:1 auf Schalke aber prangten auch im Block der etwa 1 800 mitgereisten Leipziger Fans drei Banner, die sich gegen den Investor des eigenen Klubs richteten. In weißen Lettern auf rotem Grund stand dort etwas schief gedichtet: „Der Mäzen des autoritärsten Vereins – welch’ Witz – nennt sich selbst ein ...

Von Ullrich Kroemer
Red Bull-Besitzer  Dietrich Didi Mateschitz.
Red Bull-Besitzer  Dietrich Didi Mateschitz. imago sportfotodienst

Kritik an Red Bull und seinem Gründer Dietrich Mateschitz ist in Bundesliga-Stadien nichts Seltenes. Beim 1:1 auf Schalke aber prangten auch im Block der etwa 1 800 mitgereisten Leipziger Fans drei Banner, die sich gegen den Investor des eigenen Klubs richteten. In weißen Lettern auf rotem Grund stand dort etwas schief gedichtet: „Der Mäzen des autoritärsten Vereins – welch’ Witz – nennt sich selbst ein Pluralist.“

Eher rechtspopulistische Äußerungen von Dietrich Mateschitz rufen Unmut bei Ultras hervor

Die Fangruppierung Red Aces, die die Transparente ins Stadion geschmuggelt hatte, bezog sich auf ein recht krudes Interview, das Mateschitz der Grazer „Kleinen Zeitung“ gegeben hatte. In dem Gespräch wetterte der Milliardär gegen die Gefahr der „Auswanderungswelle“ sowie politische und intellektuelle Eliten und formulierte in eher rechtspopulistischem Sprech.

Mateschitz’ Äußerungen riefen bei RB-Fans aus diversen Lagern Stirnrunzeln hervor. Die ultraaffinen Anhänger, die sich ausdrücklich gegen Rassismus und Diskriminierung einsetzen, hinterfragten nicht nur dessen politische Einstellungen, sondern äußerten zugleich ihren Unmut über den Umgang des Klubs mit (fan-)politischen Themen.

Fanzeitschrift „Seelenbinder“ darf nicht im Stadion verteilt werden

Konkret kritisieren die Red Aces, dass politische Spruchbänder - etwa eine geplante Solidaritätsbekundung mit dem antirassistischen Fußballverein Roter Stern Leipzig - nicht erwünscht seien. Und wenn Fans dabei erwischt werden, nicht genehmigte Banner mit solchen Inhalten ins Stadion zu bringen, bekommen sie Hausverbote erteilt.

Zweiter Kritik-Anlass ist die Fanzeitschrift „Seelenbinder“, die die Gruppierung seit Anfang April herausgibt. Sie darf nicht im Stadion verteilt werden, sondern nur vor den Stadiontoren, wenn der Verein nicht eine Woche im Voraus die Inhalte kenne, heißt es in der aktuellen Ausgabe. Ein völlig unübliches Prozedere.

Klubboss Oliver Mintzlaff teilte der MZ auf Anfrage mit, dass RB Leipzig für seine „vielfältige Fankultur und Meinungsfreiheit bekannt“ sei. „Dennoch werden wir Banner mit politischen Aussagen im Stadion nicht genehmigen, dafür sind ein Stadion und Fußballspiel nicht gedacht.“ Nach seiner Einschätzung werde das auch „vom Großteil der Fans geteilt und geschätzt“. (mz)