Obdachlosigkeit Wohnungsnotfallhilfe vor großen Herausforderungen
Immer mehr Menschen sind auf Notunterkünfte angewiesen, doch die Angebote reichen nicht aus. Bald stehen nur noch einige Hundert Plätze zur Verfügung. Viele drohen erneut obdachlos zu werden.

Berlin - Die Wohnungsnotfallhilfe steht den Berliner Wohlfahrtsverbänden zufolge vor wachsenden Problemen. „Immer mehr Menschen in Berlin können die Herausforderungen auf dem örtlichen Wohnungsmarkt nicht mehr eigenständig lösen“, teilten die Wohlfahrtsverbände mit. Die Zahl der Menschen in den Unterbringungen steige ebenso wie die Verweildauer.
Aktuell stünden bis Mitte April noch gut 1.000 Plätze in Unterkünften der Kältehilfe zur Verfügung, ab Mai gibt es aber nur noch 458 Plätze, so die Liga der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Das bedeute, dass ab Mai wieder viele Menschen in die Obdachlosigkeit geschickt würden.
Wohnungslosigkeit unabhängig von Jahreszeit ein Problem
Die Situation der Kältehilfe sei nur ein Teil des Problems: Wohnungslosigkeit bestehe unabhängig von den Jahreszeiten. Daher fordern die Berliner Wohlfahrtsverbände, sich mehr anzustrengen, um die Wohnungslosigkeit bis 2030 zu beenden. Ein Ausbau der Angebote der Wohnungslosenhilfe sei dringend notwendig.
Zwar gebe es seit Jahren mehr Unterstützung in der Unterbringung von Menschen zum Beispiel in der Kältehilfe. Rückläufig seien jedoch seit Jahren die Hilfen, „die Menschen gezielt in eigenen Wohnraum und eine nachhaltige Lebensperspektive“ führen, sagte der Geschäftsführer des Awo-Landesverbands Berlin, Oliver Bürgel, der auch die Federführung der Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege innehat.
Lange Wartelisten
„Es gibt nur wenige spezialisierte Unterkünfte wie unsere, in der die Menschen nicht nur ein Dach über dem Kopf erhalten, sondern von einem multiprofessionellen Team suchtakzeptierend betreut werden“, sagte der Leiter des Wohnheimes Neue Chance, Lukas Lindner. „Unsere Warteliste ist sehr lang.“
In der Liga der Spitzenverbände der Wohlfahrtspflege haben sich die Landesverbände der Arbeiterwohlfahrt (Awo), Diakonie, des Caritasverband, des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbands, des Deutschen Roten Kreuzes und die jüdische Gemeinde zu Berlin zusammengeschlossen.
Zunahme der Kältehilfe
Die DRK beobachtete in der vergangenen Saison ebenfalls einen deutlichen Anstieg der Hilfeleistungen in der Kältehilfe. Insgesamt habe es 3.374 Kontakte zu Menschen gegeben, die auf der Straße leben, dies sei ein Anstieg von 25 Prozent. 573 Menschen, darunter 149 Frauen, seien in Notunterkünfte gebracht worden.