Singender Seemann Freddy Quinn Singender Seemann Freddy Quinn: Schon zu Lebzeiten eine Legende

Hamburg/dpa. - Eine lebende Legende feiert Geburtstag: Mitseinen Liedern von Fern- und Heimweh hat Freddy Quinn, der am 27.September 70 Jahre alt wird, Klassiker geschaffen. Mit mehr als 60Millionen verkauften Tonträgern und zahlreichen Auszeichnungen wurdeder Sänger, Artist, Schauspieler und Entertainer zu einem Star derSuperlative. Die Zeit, in der er eine ganze Nation begeisterte undder bekannteste Deutsche war, sind zwar lange vorbei. Doch dervielseitige Künstler hat nach wie vor sein Publikum. Im Internetfreuen sich Fans schon auf die Tournee des Showstars im nächstenJahr. Und die ARD widmete ihm bereits eine Woche vor dem Jubiläum einPorträt und eine Geburtstagsgala mit prominenten Gratulanten, die mit5,63 Millionen Zuschauern zum Quotenhit wurde.
Mit Hits wie «Junge, komm bald wieder», «Heimweh» («Brennendheißer Wüstensand») oder «Die Gitarre und das Meer» wurde Quinn zumIdealbild des Hamburger Seemanns. Doch erst sein unstetes Wanderlebenhatte den gebürtigen Österreicher mit dem Vornamen Manfred, der alsSohn einer Journalistin und eines Kaufmanns irischer Abstammung inWien auf die Welt kam, in die Hansestadt geführt. Bevor Freddy 1951in einer Hamburger Hafenkneipe seine Karriere mit Seemannsliedernbegann, lebte er nach der Scheidung seiner Eltern zeitweise beimVater in Amerika, bis ihn die Mutter wieder in die österreichischeHauptstadt und zum neuen Stiefvater zurückholte. «Wien ist, für einenMöchtegern-Hanseaten, wie ein 'Geburtsfehler'. Aber zumindest wurdeich in Hamburg gezeugt», sagte er einmal in einem «Zeit»-Interview.
Konflikte mit dem Stiefvater, von dem er adoptiert wurde unddessen Nachnahmen «von Petz» er annehmen musste (später legte er sichwieder den Namen seines Vaters zu), trieben ihn immer wieder zurFlucht. Als 16-Jähriger brach er schließlich die Schule ab und fingbei einem kleinen Zirkus als Kapellmeister an. Aus Angst vor seinemStiefvater floh er dann nach Rom, wo er für amerikanische TruppenKlavier spielte. Er ging wieder auf Wanderschaft, schlug sich alsSchiffsjunge durch und reiste nach Afrika.
Sein Leben komme ihm manchmal vor wie eine «Erfindung», sagt er,wenn er über seine Erlebnisse berichtet. Die Erfahrungen aus derKindheit und der Wanderzeit hätten ihn aber auch stark gemacht. «Ichmusste mich immer durchboxen und war stets in Verteidigungsstellung»,erzählte einmal der Künstler, der sich immer als Einzelkämpfer sah,die meiste Zeit in Hotelzimmern verbracht hat und sein Privatlebenhermetisch vor der Öffentlichkeit abschließt.
An der Hamburger Reeperbahn angekommen, begeisterte Quinn zunächst die Gäste in der «Washington-Bar» auf St. Pauli und wurde schnell zu einer regionalen Berühmtheit. Als seinen «Entdecker» gibt er selbst den Filmregisseur Jürgen Roland an. 1954 unterschrieb er seinen ersten Plattenvertrag und landete mit «Heimweh» seinen ersten Hit,der ihm seine erste Goldene Schallplatte einbrachte. Zahlreiche weitere Trophäen folgten im Lauf seiner Karriere, in der sich Quinn nicht nur als erfolgreicher Sänger präsentierte, sondern auch als Darsteller in 13 Filmen, als Artist, Entertainer und Theaterschauspieler. Die Anfangserfolge mit seinen Liedern vollerSeefahrerromantik prägten allerdings auch sein Image als «Fern- und Heimwehtroubadour», von dem er lange Zeit nur schwer wieder loskam.
Mit Western- und Country-Songs gelang es Quinn, seine vielseitigenQualitäten zu beweisen. Als Musical-Star und Volksschauspieler stander mehr als 600 Mal mit «Heimweh nach St. Pauli» in Hamburg, Berlin,Wien und München auf der Bühne. Auch als Operettensänger war Quinn zuerleben, unter anderem in einer Frankfurter Aufführung der«Fledermaus». In der Zirkus-Show «Artisten, Tiere, Sensationen» 1973in Wien ließ er sich ohne Netz über ein Seil in 17 Meter Höhe fahrenund blies auf der Trompete «Oh, mein Papa». Zum Zirkus habe er immernoch eine große Verbindung, sagte Quinn in der TV-Geburtstagsgala.