Pilotsendung Pilotsendung: RTL interviewt toten Uwe Barschel
BERLIN/DPA/MZ. - Zum Auftakt will das "Medium" Kim-Anne Jannes Kontakt mit dem 1987 unter mysteriösen Umständen verstorbenen CDU-Spitzenpolitiker Uwe Barschel herstellen. Seine Witwe Freya Barschel macht auch noch mit.
Eine RTL-Sprecherin behauptete am Donnerstag, es sei dem "Medium" gelungen, eine Verbindung zu Barschel aufzunehmen. Freya Barschel habe dabei ihrem Mann auch Fragen stellen können, auf die er Antworten gegeben habe. "Ich bin von der Frau begeistert", sagte Freya Barschel den Lübecker Nachrichten. "Sie ist hervorragend. Mein verstorbener Mann ist bereit gewesen, mit uns zu sprechen", sagte sie. Allerdings, schränkte die Witwe ein, habe das "Medium" so viel geredet, dass sie selbst nicht dazu gekommen sei, all das zu fragen, was ihr auf dem Herzen liege.
Konkrete Inhalte der Sendung dürfe sie vorab nicht verraten, dazu sei sie von RTL verpflichtet worden, ergänzte Freya Barschel. Der Hamburger TV-Kritiker und Grimme-Preisträger Holger Kreymeier reagierte mit harscher Kritik auf die RTL-Sendung. "Das ist pure Volksverdummung. Schade, dass Frau Barschel bei solch einem Blödsinn mitmacht", sagte er. "Das Fernsehen wird immer bekloppter."
Barschel war 1987 tot in der Badewanne eines Genfer Hotelzimmers gefunden worden. Der Ex-Ministerpräsident von Schleswig-Holstein starb an einer Medikamentenvergiftung. Kurz zuvor war Barschel zurückgetreten, nachdem bekannt geworden war, dass er in der sogenannten "Waterkantgate-Affäre" nicht die Wahrheit gesagt und Mitarbeiter zu Falschaussagen gedrängt hatte. Barschel soll gegen politische Konkurrenten eine Verleumdungskampagne initiiert oder zumindest davon gewusst haben. Bei einer Pressekonferenz hatte er geschworen: "Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind." Um die Umstände seines Todes ranken sich Verschwörungstheorien. Die Schweizer Behörden gingen von einem Suizid aus, schlossen Mord aber nicht aus. Dadurch wurden unbewiesene Spekulationen befeuert, der BND oder die Stasi seien an Barschels Tod beteiligt gewesen.