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Fernsehen Münster-„Tatort“: Professor Boerne macht sich zum Affen

Ein peinliches Video des Rechtsmediziners taucht im Internet auf. Warum hat Hauptkommissar Thiel ihn nicht davor bewahrt? Im neuen Sonntagskrimi aus Münster droht eine Freundschaft zu zerbrechen.

Von Carsten Linnhoff, dpa 05.04.2025, 05:00
Axel Prahl und Jan Josef Liefers sind wieder als TV-Ermitler unterwegs.
Axel Prahl und Jan Josef Liefers sind wieder als TV-Ermitler unterwegs. Rolf Vennenbernd/dpa

Münster - Als Partylöwen sind die Ermittler im Münster-„Tatort“ nicht bekannt. Und so muss es gründlich schiefgehen, als Professor Karl-Friedrich Boerne in der Folge „Fiderallala“ am Sonntag (6. April, Das Erste, 20.15 Uhr) eine Feier an der Uniklinik mit reichlich Alkohol und Drogen besucht. Natürlich taucht Stunden später ein Video des enthemmt tanzenden Rechtsmediziners im Internet auf. 

Boerne (Jan Josef Liefers) singt und tanzt das Volkslied von der Vogelhochzeit und trällert dabei Fi-de-ral-la-la. Hauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) lässt ihn verwundert machen. Vor den in den sozialen Medien auftauchenden Bildern schützt er ihn nicht. Thiel bringt den Professor aber zumindest arg angeschlagen im Taxi vom „Vadder“ (Claus D. Clausnitzer) nach Hause und lässt ihn auf seinem Sofa seinen Rausch ausschlafen. 

Wohnung gekündigt

Der nächste Tag bringt nicht nur die erste Leiche mit sich - der Student Chris Haffmeister (Jonas Stenzel) hat eine rätselhafte Stichverletzung -, sondern auch reichlich Spott für den Professor. Der hat sich aus seiner eigenen Sicht peinlich zum Affen gemacht und kündigt Nachbar und Mieter Thiel wütend per Brief die Wohnung. 

Thiel habe ihn den Lästereien der Studierenden ausgesetzt, er hätte ihn von der Tanzfläche ziehen sollen. „Freunde stehen sich in der Stunde der Not bei“, beklagt der Rechtsmediziner, während der Hauptkommissar die für eine Freundschaft nötige Augenhöhe vermisst. Da zerbricht gerade etwas. 

Dieser Münster-„Tatort“, der vorletzte mit Mechthild Großmann als Staatsanwältin Wilhelmine Klemm, ist mehr Komödie als Krimi. Spannender als die Mördersuche ist die Frage, wie Boerne es gelingt, die Kündigung wieder aus der Welt zu bekommen. Die liegt nämlich in Thiels Briefkasten - und verflucht noch einmal, da muss sie möglichst unbemerkt wieder raus. 

Nochmal mit rauchender Staatsanwältin

Bei den Ermittlungen an der Uni, bei der es auch um mangelnden, bezahlbaren Wohnraum und vor dem Schloss zeltende Studierende geht, gibt es zwei überraschende Mordgeständnisse und psychologische Versuche im Hörsaal. Klemm macht die Ermittler wegen mangelnden Erfolgs so richtig zur Schnecke und wird dabei leicht übergriffig. Wenn Schauspielerin Großmann Ende des Jahres als rauchende Staatsanwältin aus der Reihe ausscheidet, wird etwas fehlen. 

Erstmals Regie geführt hat bei diesem „Tatort“ jemand, der in Münster geboren wurde. „Für mich war es eine spannende Herausforderung, in meiner Heimatstadt zu drehen. Als Filmemacherin habe ich Münster nochmal neu entdeckt“, sagte Isa Prahl nach den Dreharbeiten dem verantwortlichen Sender WDR. Verwandt oder verschwägert mit dem Hauptdarsteller Axel Prahl ist die Regisseurin laut eigener Aussage nicht. 

Feinsinnige Dialoge

Die Folge „Fiderallala“ lebt neben der Regie von den gewohnt feinsinnigen Dialogen (Drehbuch Regine Bielefeldt). „Es geht einmal ausnahmsweise nicht um sie, Herr Professor“, sagt Boernes Assistentin Silke Haller (Christine Urspruch) bei den Ermittlungen zur merkwürdigen Todesursache. „Schon wird es langweilig“, kontert der Rechtsmediziner. Damit ist alles gesagt.