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Krankenstand in Niedersachsen Noch kein Ende der Grippewelle in Sicht

Aktuell liegen viele Menschen krank im Bett. Bei Kindern ist dies oft mit Fieber verbunden. Ärzte raten Eltern, ihren Nachwuchs nicht zu früh wieder in die Kita oder Schule zu schicken.

Von dpa 26.02.2025, 07:00
In Niedersachsen sind derzeit viele Menschen an Grippe erkrankt. (Symbolbild)
In Niedersachsen sind derzeit viele Menschen an Grippe erkrankt. (Symbolbild) Alicia Windzio/dpa

Hannover - Volle Wartezimmer beim Arzt, leere Stühle in Klassenzimmern: In Niedersachsen ist noch kein Ende der Grippewelle in Sicht. „Unsere Indikatoren zeigen, dass wir uns weiterhin auf einem hohen Niveau bewegen“, sagte der Präsident des niedersächsischen Landesgesundheitsamts (NLGA), Fabian Feil, der Deutsche Presse-Agentur. 

In den Kindertagesstätten liege der Krankenstand immer noch bei 22,0 Prozent – nach 22,1 Prozent in der vorigen Woche. Mehr als jedes fünfte Kind bleibt also derzeit krank zu Hause. „Aktuell sehen wir viele fiebrig erkrankte Kinder“, sagte Tanja Brunnert, stellvertretende Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen (BVKJ). 

Influenzaviren in 43 Prozent der eingeschickten Proben

Bereits seit vier Wochen werden dem Landesgesundheitsamt zufolge in mehr als 40 Prozent aller eingeschickten Proben von Patientinnen und Patienten mit einer Atemwegserkrankung Influenzaviren nachgewiesen. Aktuell sind es 43 Prozent. Andere Krankheitserreger wie das Coronavirus spielen eine untergeordnete Rolle. 

Dem Landesgesundheitsamt wurden in der vergangenen Woche 3.323 laborbestätigte Influenzafälle übermittelt. Die Zahl der tatsächlich Erkrankten dürfte deutlich höher sein, hieß es. Es sei davon auszugehen, dass die Grippewelle ihren Höhepunkt erreicht habe. Sie könne aber noch bis Anfang April andauern. Genau vorhersagen lasse sich das nicht.

Das NLGA wertet in einem Projekt mit der Krankenkasse AOK Krankschreibungen aus. Demnach konnten in der vergangenen Woche 3,8 Prozent der bei der AOK versicherten Beschäftigten wegen Atemwegserkrankungen nicht zur Arbeit gehen. 

Hausärzteverband: Besonders 20- bis 50-Jährige betroffen

Nach Angaben des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes Niedersachsen ist das Patientenaufkommen in den Praxen deutlich gestiegen. „Einzelne Patienten erkranken schwer, vor allem wenn sie nicht geimpft sind. In solchen Fällen kann die Erkrankung bis zu 14 Tage oder länger dauern“, sagte Verbandschef Matthias Berndt. 

Insbesondere seien viele Patienten zwischen 20 und 50 Jahren betroffen. „Diese gehören nicht zur klassischen Risikogruppe und sind seltener geimpft“, sagte der Hausarzt und Allgemeinmediziner aus Hannover. Generell hätten geimpfte Patienten meist mildere Verläufe.

Für leichte Fälle sei die telefonische Krankschreibung bei bekannten Patienten eine gute Lösung, sagte Berndt. „Bei schweren Krankheitsverläufen empfehlen wir dringend, sich persönliche in der Hausarztpraxis vorzustellen. Nur so lassen sich ernsthafte Komplikationen wie Lungen- oder Herzmuskelentzündungen ausschließen.“ 

Schmerzhafte Entzündungen können folgen

Bei Kindern dauere das Fieber in der aktuellen Infektionswelle meist sieben bis neun Tage, sagte Kinderärztin Brunnert, die eine Praxis in Göttingen hat. „Sehr häufig haben die Kinder ein kleines "Zwischenhoch", um dann doch wieder flachzuliegen.“ Komplikationen sind ihr zufolge selten, kommen aber regelmäßig vor. 

Während einer Influenza-Infektion könnten eine Lungenentzündung oder Mittelohrentzündung entstehen. Auch eine schmerzhafte Entzündung der Wadenmuskulatur komme vor.

Brunnert rät Eltern, den zweiten fieberfreien Tag abzuwarten, bevor der Nachwuchs in Kita oder Schule zurückkehrt. Kinder seien nach überstandener Grippe häufig noch sehr schlapp und müde, sagte die Medizinerin.