Handball-Oberliga Handball-Oberliga: HC Aschersleben strotzt vor Selbstbewusstsein

aschersleben - Carlo Wittig kann durchaus zurecht ein selbstbewusster Handballer sein. Der 26-Jährige hat bereits als Stammkraft in der zweiten und dritten Liga gespielt (EHV Aue, LVB Leipzig). Seit Sommer steht er beim TuS Radis unter Vertrag, ist Spielmacher des Tabellenzweiten und mit 30 Treffern aktuell bester Torschütze. Am Sonnabend (18 Uhr) ist Radis Gastgeber für den HC Aschersleben. Und Carlo Wittig beweist im Vorfeld eindrucksvoll, dass er zur Gattung der selbstbewussteren Oberliga-Handballer gehört. „Ein Veta, Weber oder Straßburger bereiten mir keine Sorgen“, sagt er mit Blick auf die Krokodile. „Wenn wir unser Potenzial abrufen können, dann haben wir nichts zu befürchten.“
Als Martin Wartmann die Aussagen von Wittig hört, kann er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Wenn wir unser Potenzial abrufen, machen mir Wittig oder ein Kilian Kraft auch keine Sorgen“, sagt der Kapitän des HCA.
Selbstvertrauens-Erklärung Fischer
Radis hat von den bisherigen fünf Partien vier gewonnen - nur gegen Tabellenführer HSV Apolda verloren. Es ist einer der Hauptgründe für das Selbstvertrauen. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Saisonstart. Viel besser hätte es nicht laufen können“, findet auch Spielertrainer Steffen Fischer.
Fischer selbst ist eine weitere Erklärung für das Radiser Selbstverständnis. Der 25-Jährige übernahm das Team aus der Dübener Heide vor der Saison von Ralf Stojan. In der vergangenen Spielzeit war er Spielertrainer bei der HG 85 Köthen in der 3. Liga. Und auch Steffen Fischer war und ist bekannt für seine selbstbewusste, unverblümte Art.
In einem MZ-Interview sagte er einmal auf die Frage, woran es der HG 85 krankt: „An der fehlenden sportlichen Kompetenz in der Führung. Da wird Leuten das Wort geschenkt, die meiner Meinung nach schweigen sollten.“ In Köthen kamen solche Aussagen natürlich nicht gut an. Der Zwist zwischen Verein und Spielertrainer - teilweise auch öffentlich geführt - endete beinahe sogar vor Gericht. „Man hat natürlich schon einiges über ihn gehört“, meint Martin Wartmann. „Aber ich kann mir kein genaues Urteil über seine Arbeit erlauben.“ Eins jedoch sagt Wartmann: „Mit der Mannschaft wäre es auch eine Enttäuschung nicht oben mitzuspielen.“
Neben Wittig und dem jahrelangen Leistungsträger Anhalt Bernburgs, Kilian Kraft, hat Steffen Fischer mit Patrick Heddrich (Dessau-Roßlauer HV) sowie Max Ziemann und Steven Just, die dem Spielertrainer aus Köthen folgten, weitere drittligaerfahrene Spieler im Kader.
„60 Minuten durchziehen“
Am vergangenen Wochenende gewann Radis trotz des Ausfalls von Leistungsträger Heddrich (26 Tore in vier Spielen) beim Vorjahresvierten HC Burgenland mit 29:27. Steffen Fischer gab sich danach gewohnt selbstbewusst: „Hoffentlich verletzen sich nicht noch mehr Spieler, dann können wir das Niveau halten oder sogar steigern.“
Die Formkurve des HC Aschersleben zeigt derweil nach dem guten Saisonstart mit zwei Siegen aus drei Spielen in den vergangenen beiden Partien in Calbe (32:37) und gegen Staßfurt (25:25) etwas nach unten. „In der vergangenen Saison haben wir bewiesen, dass wir gegen Mannschaften die oben stehen, meist besser aussehen“, sagt Martin Wartmann. „Wir brauchen uns nicht verstecken.“ Der Kapitän wird nach überstandener Krankheit in Radis wieder an Bord sein und hofft, „dass wir unsere Leistung mal 60 Minuten am Stück durchziehen“. Vielleicht bereiten ein Veta, Weber oder Straßburger Carlo Wittig dann doch mehr Sorgen, als ihm lieb ist.