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Bürgeranhörung in Hoym Bürgeranhörung in Hoym: Kommt der Namenszusatz "Anhalt"?

Von Regine Lotzmann 07.04.2016, 17:32
Kommt der Namenszusatz "Anhalt“ oder doch nicht?
Kommt der Namenszusatz "Anhalt“ oder doch nicht? Symbolbild

Hoym - Es wird eine Bürgeranhörung geben. Mit diesem Beschluss des Seeland-Stadtrates ist die Stadt Hoym ihrem Ziel, den Namenszusatz Anhalt zurückzubekommen, ein kleines Stückchen näher. „Der Hoymer Rat hatte den Beschluss für diese Namensänderung am 14. August 2014 gefasst“, berichtet Hauptamtsleiterin Blanka Metze. Und erklärt: „Der Antrag wurde geprüft, eine Änderung des Namens ist möglich. Grundvoraussetzung ist aber die Anhörung der Bürger.“ Die soll es nun aus Kostengründen zur Wahl des neuen Seeland-Bürgermeisters am 12. Juni geben. Entscheiden werden am Ende, wenn sich die Mehrheit der Bürger für den Namenszusatz ausspricht, aber die Stadträte.

Ein bisschen skeptisch standen zumindest die Räte aus Gatersleben dieser Angelegenheit aber jetzt schon gegenüber. „Hat Hoym schon jemals diesen Namenszusatz getragen und wann ist er abhanden gekommen?“, wollte Daniel Gohl (BIG) wissen und beantragte, die direkten und indirekten Kosten für die Namensänderung aufzulisten. Gegen die Sache an sich habe er aber nichts einzuwenden. Mathias Arend (CDU) dagegen konnte die Beweggründe der Hoymer gar nicht nachvollziehen. „Das geht auf Zeiten des Feudalismus zurück“, fand er und fragte: „Wollen wir jetzt den Kaiser wiederhaben?“

„Wir haben nicht vor, hier irgendwelche Hierarchien wieder aufleben zu lassen“, schüttelte Hoyms Ortsbürgermeister Bernd Voigtländer (Die Linke) den Kopf. „Der Zusatz Anhalt ist von kulturhistorischer Bedeutung“, meinte er. Nun sei er neugierig, was die Hoymer Bürger dazu meinen.

Auch Carlo Scholz (CDU), der Initiator für diese Namensänderung, wollte Arends Bemerkung nicht unkommentiert lassen. „Dann müssten Wörlitz und Coswig ja auch den Kaiser schon wieder haben“, nannte er als Beispiel zwei Orte, die das Anhalt bereits in Klammern hinter ihrem Ortsnamen stehen haben. „Das hat einfach ein Stück weit mit Heimatgefühl zu tun“, nannte er die Beweggründe dafür. Und erklärte: „Hoym hat Anhalt viel zu verdanken!“

Das Schloss etwa, ohne das es heute auch nicht die Einrichtung für behinderte Menschen geben würde. Oder viele Gebäude in der Stadt, die ohne das Herzogshaus nicht da wären. „Da ist es wichtig, das zu bewahren.“

Auch der Ministerpräsident, der erst vor kurzem Hoym besucht hatte, habe das Vorhaben des Seeland-Ortsteils begrüßt, berichtete Carlo Scholz. Und meinte: „Aus touristischer Sicht tun wir uns damit ebenfalls einen Gefallen. Denn der Name Anhalt steht immer in Verbindung mit dem Gartenreich.“

Reinhard Kunert (Die Linke) brachte in diesem Zusammenhang auch gleich die Froser mit ins Spiel, die - genau wie Hoym - zu Anhalt gehörten. „Mein Vorschlag wäre, das dort auch gleich zu machen“, sagte Kunert. Mario Kempe (CDU), der nicht nur Stadtratsvorsitzender, sondern auch Ortsbürgermeister von Frose ist, antwortete: „Ich werde mich der Sache nicht verschließen. Wenn der Bedarf angezeigt wird, werde ich das positiv begleiten.“ Er versuchte auch gleich die Frage von Daniel Gohl zu beantworten, ob es diesen Namenszusatz jemals gab und ab wann nicht mehr.

„Als ich in Frose zur Schule ging, stand das Anhalt auf allen Postkarten und auch am Bahnhof dran.“ Das hätten damals viele immer lustig gefunden, weil der Zug ja genau dort angehalten hatte. „Aber wann genau das Anhalt keine Rolle mehr spielte, kann ich nicht sagen. Wir werden das mal recherchieren.“

Eine der Auswirkungen dieser Namensänderung - sollten erst die Bürger und dann der Stadtrat zustimmen - wäre das Anbringen neuer Ortseingangsschilder.

Darauf könnte dann auch gleich der Titel Stadt, den Hoym seit 2014 wieder tragen darf, vermerkt werden. „Da gibt es zur Zeit aber intensive Diskussionen zwischen Innenministerium, Verkehrsministerium und Landesverwaltungsamt“, wusste Hauptamtsleiterin Blanka Metze, dass dafür noch keine Genehmigung vorliegt.

Denn: „Es gibt Schwierigkeiten mit dem Doppelbegriff Stadt Hoym, Stadt Seeland“, berichtete Metze weiter. „Das dauert noch ein bisschen, da haben wir keinen Einfluss drauf“, nickte Seeland-Bürgermeisterin Heidrun Meyer und hofft aber: „Vielleicht können wir das dann mit Anhalt zusammen machen.“ (mz)