Chefs müssen Posten räumen Chefs müssen Posten räumen: Darum wirft Sachsen-Anhalt beide Lotto-Geschäftsführer raus

Magdeburg - Die landeseigene Lottogesellschaft verliert ihre Spitze. Die Geschäftsführer Maren Sieb und Ralf von Einem wurden am Dienstag mit sofortiger Wirkung freigestellt und mussten ihre Schreibtische räumen. Mit diesem Schritt reagierte der Aufsichtsrat des Unternehmens auf eine lange Liste von Vorwürfen. Als Interims-Geschäftsführer wurde Marko Ehlebe eingesetzt, ein 42-jähriger Mitarbeiter des Finanzministeriums.
Konkrete Gründe für die Freistellung nannte das Finanzministerium nicht. Mit dem Schritt solle „weiterer Schaden von der Lotto-Toto GmbH Sachsen-Anhalt“ und dessen Führung abgewendet werden, hieß es in einer Pressemitteilung. Die Freigestellten beziehen weiterhin ihr Gehalt. Sieb kam 2018 auf ein Jahreseinkommen von 175.000 Euro, bei von Einem waren es 139.000 Euro.
Lange Liste von Vorwürfen gegen die Lotto-Spitze
Ob die beiden ihre Posten endgültig verlieren, will der Aufsichtsrat erst später entscheiden. Zwei Berichte will das Gremium dafür noch abwarten: Zum einen wird die im Innenministerium angesiedelte Glücksspielaufsicht noch in diesem Monat bewerten, ob die Lottospitze alle Regeln eingehalten hat. Bis Anfang September soll ein Bericht des Wirtschaftsprüfungsunternehmens KPMG folgen.
Die Lottogesellschaft ist vor allem wegen ihres Umgangs mit undurchsichtigen Großspielern unter Druck. Im Januar hatte die MZ enthüllt, dass die Inhaberin eines Lottoladens in Zerbst (Anhalt-Bitterfeld) selbst große Summen bei Sportwetten setzte. Im Raum stand der Verdacht auf Geldwäsche und Spielmanipulation. Die Großspielerin profitierte dabei von einer landesweit einmaligen Erhöhung des Umsatzlimits. Laut einem Lotto-Mitarbeiter hatte Sieb dieses persönlich genehmigt, wie ein Untersuchungsausschuss des Landtags zutage brachte.
Dürfen suspendierte Lotto-Chefs auf ihre Posten zurückkehren?
In der Landesregierung schwand zusehends die Geduld mit der Lotto-Spitze, weil sich zwei mit der Aufsicht betraute Ministerien nicht ausreichend informiert fühlen. Zuletzt hatte der Untersuchungsausschuss den Monitoring-Bericht eines Geldwäschebeauftragten entdeckt, in dem das Verhalten der Zerbster Großspieler ausführlich analysiert wird. Verfasst wurde er im Herbst 2018. Sowohl das Innen- als auch das Finanzministerium kritisieren, dass die Lotto-Führung dieses Papier nicht vorgelegt habe.
Im Landtag stieß die Suspendierung der Lotto-Spitze am Dienstag einhellig auf Zustimmung. Die AfD, die den Untersuchungsausschuss initiiert hatte, forderte zudem weitere personelle Konsequenzen. „Der Kopf der dubiosen Machenschaften wurde entfernt, die Wurzeln stecken aber noch tief drin“, sagte der AfD-Abgeordnete Jan Wenzel Schmidt. Für einen Neuanfang müssten auch die Prokuristin, der Vertriebsleiter und mehrere Bezirksleiter gehen. Die Linke warf zwei CDU-Ministern vor, die Lotto-Spitze unzureichend beaufsichtigt zu haben. (mz)