Kampfsport Kampfsport: Karate-Ass erobert das Land des Lächelns
MERSEBURG/MZ. - Auf einen Intensiv-Sprachkurs in Japanisch hat Denise Kotulla vorerst verzichtet. "Konnichiwa", also freundlich "Guten Tag" sagen, höchstens dies umfasse ihr Wortschatz. Ob "Guten Tag" genügt, um sich im Land des Lächelns zu verständigen, wird sich für sie bald herausstellen. Denn die 17-jährige Karateschülerin- und -trainerin vom Verein Shukokai Merseburg wird am 19. März für zwei Wochen nach Japan fliegen. Dort steht für die Günthersdorferin ein Spezial-Training mit der zweifachen Karate-Weltmeisterin an. Zudem wird sie bei einem Länderturnier mit drei weiteren deutschen Kämpferinnen gegen England und Gastgeber Japan ihr Heimatland vertreten.
Die Schülerin vom Herdergymnasium hat sich in den letzten Jahren natürlich mit starken Leistungen für diesen Wettkampf in Japan qualifiziert. Bei einem Karateturnier im Oktober 2010 in England, der einer Europameisterschaft gleichzusetzen ist, wie Denise sagt, gewann sie in den Disziplinen Kata und Kumite jeweils Silber. Aber auch bei vielen anderen Turnieren hat sie geglänzt. "Dass ich das alles mit der Schule unter einen Hut bekommen habe, macht mich ganz schön stolz", meint sie. Denn zweimal wöchentlich trainiert Denise im Verein, am Wochenende steht Kadertraining an. Da Reisen, wie die im letzten Jahr nach England und die bevorstehende nach Japan, zu großen Teilen von den Sportlern selbst finanziert werden müssen, geht die Elftklässlerin nebenher auch noch jobben. "In einem Lager mache ich Sortierarbeiten, um mir etwas dazu zu verdienen", erzählt sie. Aber auch ihr Verein unterstützt Denise dabei, die 2 500 Euro, die die Reise kostet, mitzufinanzieren. So wurden beispielsweise zusätzliche Kurse angeboten. Das Geld zusammen hat sie jedoch immer noch nicht. "Ein Sponsor würde da sehr helfen", so die 17-Jährige.
Die Reise sausen zu lassen, käme für sie jedoch nicht in Frage - sie ist ehrgeizig und zielstrebig. Dies ist mit Sicherheit auch ein Grund, dass sie es soweit gebracht hat. "Schon als Sechsjährige, als ich mit Karate angefangen habe, war ich immer gewillt, meine Leistung weiter zu steigern, noch mehr zu lernen und an meine Grenzen zu gehen", erzählt die Schülerin. Seit vier Jahren versucht Denise, diese Stärken auch an die jüngeren Mitglieder des Vereins weiterzugeben. Sie trainiert die Sieben- bis 14-Jährigen einmal in der Woche.
Wie ihr weiterer Lebensweg aussehen wird, weiß Denise genau. Sie will nach dem Abitur die Polizeischule besuchen. "Ich hoffe, dass ich aufgrund meines Sports dort gute Chancen haben werde." Doch wenn dies nicht klappt, hat sie Plan B schon parat. "Dann studiere ich Erziehungswissenschaften", denn darüber habe sie beim Training schon viel gelernt.
Wenn am 19. März der Flieger nach Japan abhebt, "startet mein Abenteuer", sagt die Günthersdorferin frisch heraus. Berührungsängste habe sie keineswegs. "Ich freue mich schon, neue Leute kennen zu lernen. Aber in erster Linie will ich mich durch das Training dort verbessern", definiert Denise ihr Ziel. An den Länderkampf geht sie recht entspannt heran. "Einen Pokal mit nach Hause zu bringen, wäre das Größte", sagt sie mit leuchtenden Augen. Um Freude und Jubel auszudrücken, benötigt sie im Land des Lächelns dann sicherlich auch kein Japanisch. Falls doch, kann Denise sich ja mit Händen und Füßen erklären - sportlich genug dafür ist sie ja.