Machtkampf AfD im Saalekreis: Stürzt Partei Kreischef Gottfried Backhaus?

Merseburg - Showdown bei der Saalekreis-AfD: Entscheidet sich am Sonntag auf einem außerordentlichen Kreisparteitag der Richtungsstreit zwischen dem rechtskonservativen und dem Rechtsaußen-Lager im Vorstand des Verbandes?
AfD-Kreischef Gottfried Backhaus droht Abwahl
Kreischef Gottfried Backhaus hatte schon im Januar erklärt, davon auszugehen, dass die Gruppe rund um den AfD-Rechtsaußen Hans-Thomas Tillschneider ihn als Vorsitzenden loswerden wolle. Auf dem Entwurf der Tagesordnung des Parteitages steht nun ein Punkt zur Abwahl und Neuwahl von Vorstandsmitgliedern.
Dafür würde eine Zwei-Drittel-Mehrheit der Mitglieder benötigt. Ob die erreicht wird, hänge auch davon ab, wer kommt und wie viele, so Backhaus. „Ich will nichts ausschließen“, sagte er auf Anfrage.
AfD-Kreischef Gottfried Backhaus will nicht kampflos das Feld räumen
Er werde aber nicht kampflos das Feld räumen. Der Parteitag findet in Bad Dürrenberg statt. Ein „Heimspiel“ für den Bad Dürrenberger Landtagsabgeordneten Tillschneider? Eine AfD-Sprecherin bestätigte auch die Teilnahme von Landes-Chef André Poggenburg.
Getagt wird allerdings möglicherweise hinter verschlossenen Türen. Offenbar wollen Teile des Vorstandes die Öffentlichkeit vom Parteitag ausschließen lassen. Er werde dagegen stimmen, kündigte Backhaus an. „Wir haben nichts zu verbergen.“
AfD-Kreisvorstand trug Differenzen auch öffentlich über Facebook aus.
Tillschneider, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes, lehnte es auf MZ-Anfrage kategorisch ab, sich dazu zu äußern. Er hatte gegenüber der MZ auch jegliches Statement verweigert, als es um öffentlich über Facebook ausgetragene Differenzen im Kreisvorstand ging. In einem Fall war auch Backhaus’ Frau Claudia, ebenfalls Vorstandsmitglied, attackiert worden.
Der Facebook-Auftritt wird von drei Vorstandsmitgliedern betreut. Kreischef Backhaus hatte sich zuletzt mehrfach öffentlich von Postings auf der Seite der Saalekreis-AfD distanziert, unter anderem im Januar, als in einem Text zum Systemsturz aufgerufen wurde.
Zuletzt widersprach er auch einem - nun ebenfalls verschwundenen - Posting, in dem AfD-Bundeschefin Frauke Petry zum Rücktritt aufgefordert wurde, in einer „herabsetzenden und diffamierenden Art und Weise“, so Backhaus.
Auch über Facebook-Auftritt will die Saalekreis-AfD beraten
Über den Facebook-Auftritt will der Kreischef auch auf dem Parteitag beraten und beschließen lassen - zum einen wegen der umstrittenen Postings. Zum anderen müsse geklärt werden, welche Themen dort grundsätzlich eine Rolle spielen, sagte er. Das Ergebnis der Nominierung eines AfD-Kandidaten für die Bundestagswahl im Wahlkreis 74 (mit Teilen des Saalekreises) sei auf der Seite etwa nicht veröffentlicht worden - „ein Unding“, so Backhaus. Die AfD hat im Kreis rund 100 Mitglieder. (mz/lö)