Ostdeutschlands größter Freizeitpark Belantis bei Leipzig: Spanischer Investor will Ostdeutschlands größten Freizeitpark kaufen

Leipzig - Achterbahnfahrt unter spanischer Flagge: Ostdeutschlands größter Freizeitpark Belantis steht vor dem Verkauf an einen iberischen Investor. Das Unternehmen „Parques Reunidos“ will den 30 Hektar großen Park im Süden von Leipzig komplett erwerben.
Nach MZ-Informationen prüft derzeit das Bundeskartellamt die Übernahme durch den Branchenriesen, der weltweit Parks betreibt. Spätestens Ende Februar erwarten die bisherigen Eigentümer grünes Licht von den Wettbewerbshütern.
Ein Belantis-Sprecher und Mehrheitseigner Erwin Linnenbach wollten sich auf MZ-Anfrage nicht zu den Vorgängen äußern.
Der Verkauf erfolgt überraschend: Der Unternehmer Erwin Linnenbach, der den Freizeitpark 2003 mitgründete, hatte 2014 die Mehrheit an Belantis erworben und kündigte jüngst für die kommenden Jahre weitreichende Investitionen an.
Der 56-Jährige vermittelte zuletzt nicht den Eindruck, sich von seinem Projekt zurückziehen zu wollen. Was hat nun zum Umdenken geführt?
Belantis ist der jüngste der großen deutschen Freizeitparks. Im ehemaligen Tagebaugebiet liegt er eingebettet in die neu entstehende Seenlandschaft. Das Konzept ist eine Reise durch „Raum und Zeit“. So können Besucher im „Tal der Pharaonen“ Europas größte Pyramide samt Wasserrutsche besuchen oder im „Land der Grafen“ einen „Drachenflug“ auf einem Höhenflugturm absolvieren.
Die größte Attraktion ist der rote Stahlriese „Huracan“, eine 2010 errichtete Achterbahn. Vor allem durch die Ausweitung der Besuchertage auf 193 im Jahr und zahlreiche Sonderveranstaltungen wie Firmen-Events gelang es Linnenbach, die Zahl der Besucher auf mehr als 600.000 pro Jahr zu erhöhen. Linnenbach sagt selbst von sich, er sei ein „Entwickler“.
Doch die Entwicklung ging dem ehemaligen Radio-Manager bei Belantis nicht schnell genug - es fehlten einfach die finanziellen Mittel. Laut letztem veröffentlichten Geschäftsbericht im Bundesanzeiger machte die Betreibergesellschaft „Event Park“ im Jahr 2015 einen Umsatz von 8,2 Millionen Euro.
Freizeitpark Belantis steht vor Verkauf an spanischen Investor
Ein Plus von acht Prozent zum Vorjahr. Unter dem Strich stand allerdings ein Verlust von knapp 380.000 Euro. Das lag vor allem an hohen Investitionen. Allein 2015 wurden für die Familienachterbahn „Cobra des Amun Ra“ knapp drei Millionen Euro ausgegeben.
Um mit anderen großen deutschen Freizeitparks mitzuhalten, muss jedoch in neue Trends wie Virtual-Reality-Angebote investiert werden. So schwärmte Linnenbach im MZ-Gespräch 2016 davon, dass künftig Besucher mit 3-D-Brillen Achterbahn fahren könnten und dabei in ganz neue Welten eintauchen.
Doch solche Technik kostet viel Geld. Geld, das Belantis nicht zur Verfügung stand. Es kann nur spekuliert werden: Vielleicht kam Linnenbach zu der Erkenntnis, dass er selbst den Park nicht im nötigen Umfang voranbringen konnte. Vielleicht gibt es auch noch andere Gründe.
Der neue Eigentümer kennt sich im Geschäft bestens aus: Das spanische Unternehmen „Parques Reunidos“ gehört zu den größten Betreibern von Freizeitparks weltweit. Der Branchenriese besitzt 60 Vergnügungsparks, darunter Wasser- und Tierparks.
In Europa führt der Betreiber etwa 30 Parks, darunter seit 2010 den Movie Park in Deutschland und das Bon-Bon-Land in Dänemark.
„Parques Reunidos“ besitzt auch diverse Wasserparks in Frankreich, Spanien, Norwegen, Italien und in den USA. Zur Saison-Eröffnung am 24. März werden die Belantis-
Besucher den Verkauf wohl nicht bemerken.
Welche konkreten Park-Pläne die Spanier künftig für Leipzig verfolgen, ist aktuell noch nicht bekannt. Der Konzern ist finanzstark genug, um mehrere neue Attraktionen anzuschaffen. Denkbar ist vieles. Schließlich ist in der Seenlandschaft mehr als genug Platz, um mögliche Freizeit-Wasserpark-Träume wahr werden zu lassen. (mz)
