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Handball in Holzdorf und Jessen Handball in Holzdorf und Jessen: Die Derbyluft brennt

Von Evelyn Jochade 02.12.2019, 11:28
Der Holzdorfer Florian Werner versenkt im Derby gegen Jessen einen Siebenmeter.
Der Holzdorfer Florian Werner versenkt im Derby gegen Jessen einen Siebenmeter. Evelyn Jochade

Jessen - Am Ende stand an der großen Anzeigetafel ein 23:20. Das war nach dem furiosen Start der Frischauf-Sieben aus Holzdorf so nicht zu erwarten. Dabei hätten die Lokalkonkurrenten gewarnt sein müssen. Schließlich verloren sie im März an gleicher Stelle fast in gleicher Höhe. Überhaupt zeigte sich das Spiel am Samstagnachmittag in den ersten Minuten wie ein Spiegelbild des Aufeinandertreffens im Frühjahr. Nach 17 Minuten lagen die Mannen vom Jessener SV 53 deutlich mit 4:8 hinten, als Christoph Schwager wegen eines Abwehrvergehens die Rote Karte kassierte. Ob dies nun der Knackpunkt war?

Die Jungs aus Holzdorf verloren anschließend derart ihren Spielfaden, dass die Jessener bereits in der 22. Minute anschließen konnten, und drei Minuten später stand es für die Heimmannschaft in der Jessener Gymnasiumshalle sogar 9:8. Spätestens jetzt war der sogenannte schwarze Block auf der Empore gefragt. Lautstark unterstützten die Fans aus Holzdorf ihre Mannschaft. Den Takt gab dabei wie immer Peto Teßmann mit seiner großen Pauke an.

Sowohl die Fans als auch die Spieler beider Teams wussten um die Bedeutung dieses Matches. Die Jessener standen in der Tabelle nur einen Platz vor den Holzdorfern. Mit einem Sieg würde Holzdorf Jessen hinter sich lassen oder, wie auf der Homepage von Frischauf beschrieben, bei einer Niederlage vorerst im Niemandsland der Tabelle verschwinden. So nahm das Derby seinen Lauf.

Natürlich rannten die Holzdorfer an, um wieder die Oberhand zu gewinnen. Der Siebenmeter von Florian Werner, vorher unsanft gestoppt, brachte das 9:9. Fast im Gegenzug fiel das 10:9. Ein Bild prägte sich ein: Eric Ziemer spurtete im Alleingang und mit offensichtlich viel Wut im Bauch Richtung Jessener Kasten und brachte mit wuchtigem Wurf das 10:10.

Das gefiel der Jessener Anzeigetafel nicht, denn sie brauchte eine Weile, bis sie das Remis aufrief. Zum Ende der ersten Halbzeit gelang es den Hausherren, sich bis auf 12:10 abzusetzen. So ging es in die Pause in der das Spielfeld von den Nachwuchshelden beider Mannschaften bevölkert wurde. Die Jessener Handballmädchen probierten sich im Basketball aus.

Hannah Huth (zwölf Jahre) und auch die anderen tippten selbstverständlich auf einen Heimsieg ihrer Mannschaft. „22:20 gewinnen wir“, legte sich Hannah fest. Auf der Gegenseite sahen die Holzdorfer Jungen das noch etwas optimistischer. Hannes Hammerlik sah am Schluss seine Vorbilder deutlich mit 27:23 Toren vorn.

Nach Wiederanpfiff kam für alle, die wie Hannes Hammerlik den Holzdorfern die Daumen drückten, die Ernüchterung. Zwar kämpfte das Team vorbildlich, aber den Abwehrriegel der Jessener zu sprengen, fiel ihnen zunehmend schwerer. Und waren sie dann mal durch, wussten die Jessener ihre Körper einzusetzen. Manchmal auch nicht ganz regelgerecht.

Nur vergaben die Gäste ihre Strafwürfe sträflich, was an der wachsenden Nervosität liegen mochte und wohl aber auch an der prima Form der Jessener Torleute. In der 38. Minute führte die Heimmannschaft bereits mit 16:10 - und sie erhöht den Abstand bis zur 44. Minute auf 20:13. Wer ahnt da, dass es noch einmal spannend werden könnte?

Doch Handball ist ein schnelles Spiel. Innerhalb von wenigen Minuten warfen die Holzdorfer, die zum Endspurt angesetzt hatten, drei fantastische Tore. Die Tribüne, auf der mindestens zwei Drittel Holzdorfer Schlachtenbummler saßen, flippte regelrecht aus. Die Derbyluft brannte, es wurde hektisch, die Fouls mehrten sich.

Um den Spielfluss der Holzdorfer zu unterbrechen, nahmen die Jessener jetzt sicherheitshalber eine Auszeit. Jedoch bleibt die Wirkung gering. Die Holzdorfer wollen unbedingt die drohende Niederlage verhindern. „Bumm, bumm, bumm“, Peto Teßmann treibt sie nach vorn. 22:19 steht es drei Minuten vor dem Schlusspfiff, der beim Stand von 23:20 für die Holzdorfer an diesem Tag definitiv zu früh kommt. (mz)

Peto Teßmann trommelt.
Peto Teßmann trommelt.
Jochade