Feuerwehr in Schleesen Feuerwehr in Schleesen: Alles Gute zum 90. Geburtstag!

Schleesen - „Wann geht es denn endlich los?“, fragt ein kleiner Junge am Straßenrand und schaut seine Mutter erwartungsvoll an. Doch bevor sie ihrem Sohn antworten kann, setzt sich der Tross mit lautstarker Beschallung am Ortseingang von Schleesen in Bewegung. „Wow, ist das laut“, ruft das Kind fasziniert und hält sich die Ohren zu, als rund 25 Einsatzfahrzeuge der Kemberger Wehren mit Blaulicht und Martinshorn an ihm vorbei brausen.
Wo bei anderen bereits die Ohren schmerzen, klingen für Helmut Busch und Egon Schapitz die lauten Sirenen der Fahrzeuge wie Musik. Die beiden Rentner sitzen mit ihrer Uniform auf einer alten Kutsche, winken den Schaulustigen zu und genießen den erhabenen Moment, ein Teil der Freiwilligen Feuerwehr in Schleesen zu sein. Zwar waren die Männer nicht zur Gründung vor 90 Jahren dabei, aber sie sind seit mehr als sechs Jahrzehnten ihrer Feuerwehr treu geblieben.
„Das Interesse war von Anfang an da“, erinnert sich der inzwischen 80-jährige Helmut Busch. Schon als kleiner Junge träumte er davon, Menschen in Not zu helfen und einen wichtigen Beitrag für sein Dorf zu liefern. Doch im Laufe der Jahre hat sich in der Feuerwehr einiges verändert, kann sich Egon Schapitz noch genau erinnern: „Nach der Wende haben auf einmal alle das Handtuch geworfen - wir standen dann fast alleine da und mussten alles neu aufbauen.“
Ein herber Rückschlag für die kleine Mannschaft. „Aber wir haben durchgehalten. Höhen und Tiefen gibt es nun mal immer“, berichtet der 82-Jährige und lacht.
Ein einschneidendes Ereignis
Ganz genau können sich die beiden rüstigen Senioren noch an ein einschneidendes Ereignis im Dorf erinnern - wobei ihnen heute noch ein Schauer über den Rücken läuft. „Damals mussten die nassen Schläuche getrocknet werden und wir haben sie dann über eine Weide gelegt“, erzählt Busch von der tragischen Begebenheit, die er nie vergessen wird.
„Ein Kamerad ist dann auf die Weide geklettert, um die Schläuche herunterzuholen. Dabei ist der Ast abgebrochen. Er ist daraufhin gestürzt und so ungünstig aufgekommen, dass er später im Krankenhaus verstorben ist.“ Jedoch könne man die damalige Feuerwehr mit der heutigen nicht mehr vergleichen, findet Egon Schapitz.
„In der DDR hatten wir keine Löschfahrzeuge. Da mussten wir eine Spritze durch das Dorf schieben, wenn es mal gebrannt hat.“ Heutzutage sind die Schleesener mit anderer Technik ausgerüstet, haben sogar ein modernes Gerätehaus und einen Personen-Kleintransporter. „Davon konnte man zu unserer Zeit nur davon träumen“, berichtet das Ehrenmitglied Busch.
Aktiv sind die beiden Rentner nicht mehr in der Feuerwehr, doch sie sind zufrieden, wie sich die Wehr entwickelt hat. Der Wehrleiter Enrico Bormann mache seine Sache super. Er hat ein gutes Verhältnis zu den Kameraden und er sorge auch dafür, dass es hier eine Jugendfeuerwehr gibt.
Wehrleiter freut sich über Lob
Über solch ein Lob freut sich der Schleesener Wehrleiter: „Derzeit läuft es wirklich rund. Wir haben 22 aktive Mitglieder, die unsere Feuerwehr bereichern.“ Der Festumzug am Sonnabend und das anschließende Programm habe dazu gedient, den 90-jährigen Geburtstag der Feuerwehr gebührend zu feiern und auch den Kameraden einen großen Dank für ihre unermüdliche Arbeit auszusprechen.
Nachdem die Fahrzeuge auf dem Dorfplatz geparkt wurden, hatten die Besucher die Möglichkeit, in die Kabinen zu schauen und mit einem Leiterwagen der Gräfenhainichener Feuerwehr auf luftige 27 Meter befördert zu werden. (mz)