Knauf in Rottleberode Knauf in Rottleberode: Junge Frauen erobern als Lehrlinge das Unternehmen

Rottleberode - Marie Karthäuser (18) trägt eine blaue Latzhose und ein orangefarbenes T-Shirt, das sie als Mitarbeiterin der Knauf Deutsche Gipswerke Rottleberode ausweist. Die junge Frau ist 18 und wird Verfahrensmechanikerin der Stein- und Erdenindustrie. Nicht unbedingt ein Beruf, auf den man so ohne weiteres stößt und schon gar nicht als Mädchen.
Die braunhaarige junge Frau lacht: „Bin ich ja auch nicht. Mein Vater arbeitet hier. Und auch mein Opa war hier mal angestellt.“ Ihr Vater riet ihr zu einem Praktikum, daraus wurden schließlich drei und letztlich die Bewerbung um einen Ausbildungsplatz. Und obwohl sie in ihrer Berufsschulklasse in Eilenburg das einzige Mädchen ist, fühlt sie sich akzeptiert und am richtigen Platz angekommen.
13 Azubis bei Knauf, darunter drei junge Frauen
Ähnliche Erfahrungen hat auch Julia Dockhorn, mittlerweile selbst Ausbilderin und für Marie und die anderen zwölf Azubis bei Knauf zuständig. Neben Marie lernen aktuell noch zwei weitere Mädchen bei Knauf. 2012 beendete Julia Dockhorn ihre Lehre.
Bei Knauf anzufangen, habe in ihrem Falle direkt vor der Nase gelegen: „Ich bin Rottleberöderin und bin mit Knauf aufgewachsen. Mein Vater arbeitet zwar nicht im Betrieb, aber mit den Produkten von hier.“ Mittlerweile arbeitet sie in der Abteilung Drehofen/Mischerei.
Und ihr Chef, Werkleiter Andre Materlik, ist froh darüber, dass sein Betrieb keine „reine Männerwirtschaft“ ist. Fast 250 Mitarbeiter arbeiten aktuell am Standort in Rottleberode. Im vorigen Jahr erweiterte der Betrieb, der für die Produktion von Gipskartonplatten bekannt ist, um eine Faserplattenproduktion aus Recyclingmaterial.
Knauf setzt auf gut ausgebildete Mitarbeiter
Um zukunftsfähig zu sein und zu bleiben, gehören für Knauf gut ausgebildete Mitarbeiter dazu. Vor rund zehn Jahren begann der Betrieb mit der Ausbildung eigener Verfahrensmechaniker, Chemielaboranten, Fachkräften für Lager und Logistik und Elektronikern für Betriebstechnik.
Mit der Nachwuchsgewinnung startet das Unternehmen dabei schon sehr zeitig. „Wir haben regelmäßig Schüler ab der vierten Klasse bei uns zu Gast im Unternehmen“, sagt der Werkleiter. Außerdem seien Praktika möglich. Bei der Auswahl der neuen Lehrlinge sei ausschließlich wichtig, dass sie den hohen Ansprüchen an die modernen Lehrberufe genügen.
Lehrlinge bei Knauf lernen alle Abteilungen kennen
Und da scheint man bei Knauf ein glückliches Händchen zu haben. Materlik meinte, dass alle Lehrlinge bislang mit Bravour ihr Ausbildung bestanden haben. Dabei werden die Lehrlinge im Werk gut betreut. „Sie bekommen die Gelegenheit, in jede Abteilung einmal hineinzuschnuppern und so die ganze Produktion kennenzulernen“, erklärte Christian Papenberg, der ebenfalls für die Lehrlinge verantwortlich ist.
Martina Scherer, Vorsitzende der Arbeitsagentur Sangerhausen, ist sowieso der Meinung, dass der Arbeitsmarkt heute nicht mehr ohne das Potenzial der jungen Frauen funktioniert und man nicht auf sie verzichten kann. Und sie ermuntert junge Frauen dazu, sich auch für sogenannte Mint-Berufe zu interessieren und zu bewerben.
Die Buchstabenkombination Mint steht dabei für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Momentan spiegel sich die gesellschaftlich geprägten Rollenmuster noch auf dem Ausbildungsmarkt wider, wie Scherer sagte. Noch immer sind Verkäuferin, Friseurin oder Verwaltungsangestellte favorisierte Lehrberufe der Mädchen. (mz)