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Zwei Millionen Wannen Wie das Wasser aus dem Harzgeröder Teufelsteich in den Wasserhahn kommt

Eine neue Trinkwasserleitung wird gebraucht. Die wird bereits seit Monaten gebaut.

Von Susanne Thon 12.09.2021, 15:00
 Bernd Günther (r.) und Rainer Schmidt im Herzen des Wasserwerks, wo das Wasser aus dem Teufelsteich aufbereitet wird.
Bernd Günther (r.) und Rainer Schmidt im Herzen des Wasserwerks, wo das Wasser aus dem Teufelsteich aufbereitet wird. Foto: Susanne Thon

Harzgerode/MZ - „Das Wasser kommt nicht einfach aus der Wand: Da steckt viel mehr dahinter“, sagt Rainer Schmidt. Er ist Fachingenieur für Trinkwasser beim Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserentsorgung Ostharz (ZVO) und weiß, wie komplex das System technischer Anlagen ist, die die Wasserversorgung aufrechterhalten, die aber doch irgendwie im Verborgenen liegen. Es sei denn, irgendwo wird geschachtet. Wie das gerade bei Harzgerode der Fall ist.

Ein Teilabschnitt ist bereits in Betrieb genommen

Wenn Rainer Schmidt und sein Kollege Bernd Günther den Blick über die weite Fläche hinter dem Wasserwerk schweifen lassen, sehen sie in der Ferne, am Waldrand, schon die Baustelle. Dort entlang führt die Trinkwasserleitung, die seit ein paar Monaten gebaut wird. Ein Teilabschnitt der neuen Leitung, der zwischen der Druckunterbrechung Erichsburg und dem Rastplatz an der Bundesstraße 242 zweieinhalb Kilometer vor Siptenfelde, sei - inklusive des Asts nach Siptenfelde - bereits in Betrieb genommen worden, so Rainer Schmidt. Mit der neuen, im Durchmesser zehn Zentimeter größeren Leitung, die eine alte, noch in den 1980er Jahren verlegte, ersetzt, will der ZVO die Versorgungssicherheit in Harzgerode erhöhen und den Teufelsteich entlasten. Die Harzgeröder bekommen ihr Trinkwasser sowohl aus dem Wasserwerk in Quedlinburg als auch dem Stauteich.

In den vergangenen drei trockenen Jahren habe man aber schon häufiger mehr Wasser über die Verbindungsleitung zwischen dem Hochbehälter in Friedrichsbrunn und der Stadt zuleiten müssen, „weil der Zulauf nicht mehr gewährleistet war, wir unterhalb der Entnahmemarke von 7,50 Meter lagen“, erklärt Bernd Günther, der im Wasserwerk Harzgerode arbeitet.

350.000 Kubikmeter rauschen jährlich durch die Wasserleitungen

Von hier aus werden nicht nur Rohrsätze und Hochbehälter bedient; hier, in der Stolberger Straße, wird auch das Oberflächenwasser aus dem Teufelsteich aufbereitet; von hier aus werden 7.500 Einwohner mit Trinkwasser versorgt. Dafür rauschen jährlich 350.000 Kubikmeter Wasser, so viel, wie in zwei Millionen Badewannen passen, durch die Anlagen. Und das werden sie weiterhin – neue Trinkwasserleitung hin oder her. So soll jetzt auch der Vertrag über die Entnahme von Rohwasser zwischen dem ZVO und dem Talsperrenbetrieb, dem der Teich gehört, erneuert werden (die MZ berichtete).

Damit aus Roh- Reinwasser wird, bedarf es einiger Hilfsstoffe: Als Flockungsmittel dient Polyaluminiumchlorid; es wird dem Rohwasser beigemengt und bewirkt, dass sich kleinste Schmutzpartikel zusammenballen und so eine „filtrierbare Größe erreichen“, wie Bernd Günther sagt. Kaliumpermanganat braucht es, um Mangan und Eisen zu binden. Und mittels Aktivkohlefilter lassen sich Schadstoffe entfernen. Wenn es beispielsweise zu einem Chemikalieneintrag kommen würde, es einen Verkehrsunfall gegeben hätte, bei dem Flüssigkeiten ausgelaufen und ins Oberflächenwasser gelangt sind, so der Vorarbeiter.

Manchmal aber sind die Ursachen auch harmloser: Selbst Algen können zu einer Geruchsbelästigung führen. Da muss dann entsprechend gegengesteuert werden. Um alle Stoffe, die nicht ins Wasser gehören, herauszubekommen, werden bis zu 60 Kubikmeter pro Stunde durch zwei riesige Filter gedrückt.

Und zum Schluss wird das Wasser mit 0,1 Milligramm pro Liter gechlort, „damit es Trinkwasserqualität bekommt“. Entscheidend für die Qualität ist aber auch noch etwas anderes, nämlich, dass „der Betrieb der Filter konstant aufrechterhalten wird“, so Bernd Günther.

„Der Betrieb muss überwacht werden“

Während des gesamten Vorgangs haben er und seine Kollegen, die auch für die Neuverlegung von Hausanschlüssen und Reparaturen zwischen Badeborn und Allrode zuständig zeichnen, immer einen Blick auf die Werte: das Kohlensäuregleichgewicht, den PH-Wert, die Temperatur, den Durchfluss, die Trübung … Auch der Aluminiumgehalt wird regelmäßig geprüft. Die Trinkwasserverordnung gibt für alles bestimmte Grenzwerte vor. „Der Betrieb muss überwacht werden“, macht Bernd Günther, der am Monitor sämtliche Parameter auslesen kann, unmissverständlich klar.

Aber das allein reicht nicht, wie er sagt: Anlagen und Filterbestände müssten immer wieder kontrolliert werden, unerlässlich seien auch regelmäßige Filterspülungen. In den Sommermonaten stünden sie täglich an. Die Messgeräte würden regelmäßig gewartet, und die Behälter, in denen das Reinwasser gespeichert werde, in bestimmten Abständen gereinigt. In Dankerode erfolgt eine solche Reinigung des Hochbehälters gerade. Anfang der Woche wurde das Wasser aus der ersten Kammer abgelassen, wurden die Wände abgespritzt und abgebürstet. Wenn sie wieder am Netz ist, geht es mit der zweiten Kammer weiter. Die Behälter haben in der Regel einen Füllstand von 85 Prozent. „Was rausgeht, wird nachgepumpt“, sagt Bernd Günther. Das läuft automatisiert.

Schwankungen sind jahreszeiten- wie tagesabhängig. „Wir haben Tages-, Monats-, Jahreskurven“, erklärt er, und dass er allein anhand dieser sagen könne, ob Sommer oder Winter, Montag, Freitag oder Sonntag sei: „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“, das sehe man auch an seinem Wasserverbrauch.