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Waschbären Waschbären-Plage im Landkreis Harz: Kreisjägermeister spricht von "Invasion" in Wernigerode

Von Sabine Herforth 12.10.2017, 07:45
Mülltonnen bekommen die Waschbären - hier eine Aufnahme aus Quedlinburg - problemlos auf. Sie sollten mit Steinen beschwert werden.
Mülltonnen bekommen die Waschbären - hier eine Aufnahme aus Quedlinburg - problemlos auf. Sie sollten mit Steinen beschwert werden. Frank Ruprecht

Quedlinburg/Falkenstein/Harz - Schwarze Kulleraugen, flauschiges Fell - Waschbären sind schon sehr niedliche Tiere. Eine Eigenschaft, der wir Menschen allzu gern erliegen - leider. Denn im Landkreis Harz sind die Waschbären längst zur Plage geworden - an der der Mensch eine Mitschuld trägt.

„So possierlich die Tiere auch sind - sie können große Schäden anrichten“, sagt Falkensteins Bürgermeister Klaus Wycisk (CDU). Seit Jahren würden die Waschbären auf der Konradsburg ihr Unwesen treiben und mit Unterstützung eines Jägers in Schach gehalten. In Meisdorf sei es dieses Jahr besonders schlimm, aber: „In der Ortschaft ist das viel komplizierter“, betont Wycisk.

„Wir kennen das inzwischen aus allen Orten im Harz“, ergänzt Holger Piegert, Kreisjägermeister Landkreis Harz. Besonders massiv habe sich die Population in Wernigerode entwickelt. „Das ist schon eine Invasion, die über uns hereinbricht“, malt Piegert ein düsteres Bild.

Tiere wurden in den 1920er Jahren heimisch

„Der Ursprung des Waschbären in Deutschland liegt in den 1920er Jahren“, sagt Piegert. Damals wurden die Tiere hierzulande heimisch. Sie seien aus Pelztierfarmen entwischt. „In fast 100 Jahren haben sie sich über ganz Deutschland - man kann sagen ganz Mitteleuropa - verbreitet.“ Warum sich die Tiere so extrem vermehren konnten, ist für Piegert leicht zu erklären: „Sie haben überhaupt keinen Gegenspieler.“ In Astlöchern, kleinen Höhlen und verlassenen Hütten finden sie ideale Orte, um ihre Jungen großzuziehen. Pro Wurf können das vier bis sechs Jungtiere sein.

Spätestens im Herbst, wenn die Jungtiere groß genug sind, dass sie selbst auf Nahrungssuche gehen, machen sie auch vor Ortschaften nicht mehr halt. Oft würden Menschen die niedlichen Racker dann sogar anfüttern. Das führe dazu, dass sie sich besonders an Ortsrandlagen oder in Waldnähe stark vermehren.

„Die Schäden sind gravierend“, warnt Piegert. So würden die Tiere Dächer stark beschädigen oder in Schornsteine klettern und - sofern noch vorhanden - im Kamin wieder auftauchen, nennt er Beispiele. Aber: „Der Schaden in der Natur ist noch größer“, so Piegert. Dort würden sie zum Beispiel Vogelnester plündern, was gerade bei Greifvögeln bedrohliche Ausmaße annehme.

Viele Vogelnester werden geplündert

„Das Bundesamt für Naturschutz hat die Waschbären als invasive Tierart eingestuft.“ Das heiße, sie seien verstärkt zu bejagen und zu bekämpfen. Doch so leicht lässt sich das Problem längst nicht mehr beseitigen. „Die Sache ist kompliziert“, sagt Piegert. Effektiv sei die Jagd in Ortschaften mit Lebendfallen. Keine sehr beliebte Aufgabe unter Jägern, so Piegert. Menschen lehnten oftmals ab, dass die Tiere getötet werden, und versuchten, gar, die Waschbären - die im übrigen Träger vieler Parasiten sind - selbst zu fangen und im Wald auszusetzen. Zwecklos, weiß Piegert. Die süßen Plagegeister sind zu schlau für solche Tricks.

Klaus Wycisk hat seinen Kompost abgetragen, um den Tieren zumindest das Frühstück nicht länger auf dem Silbertablett zu servieren. Genau der richtige Ansatz, bestätigt Holger Piegert. „Speisereste gehören nicht auf den Kompost.“ Zudem sollten Mülltonnen mit einem Stein beschwert und die Tiere auf keinen Fall gefüttert werden, „damit sie gar nicht erst zahm werden“. Auch Fallobst lockt sie und sollte aufgesammelt, Haustiere nicht draußen gefüttert werden.

In Falkenstein hofft Bürgermeister Wycisk auf Unterstützung aus der Jägerschaft. „Wir möchten eine eindeutige Regelung“, so Wycisk. „Kommunen sollten auf Jäger zugehen“, stimmt Piegert zu, nur so sei eine Eindämmung möglich. Viel mehr könne man nicht machen, glaubt er, die Population sei auf lange Sicht nur schwer in den Griff zu bekommen. „Sie leben jetzt überall, haben sich angepasst.“ (mz)