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Plan für Bauschutt-Deponie Warum eine Firma eine Bauschutt-Deponie in Reinstedt plant: Investor spricht von "geordneter Entsorgung"

Von Petra Korn 20.08.2019, 07:56
Im Tagebau bei Reinstedt wird Kies abgebaut. Die Abbaubereiche sollen laut bisheriger Planung wieder geschlossen werden, die Fläche wieder landwirtschaftlich nutzbar sein. Nun gibt es für Teilflächen den Plan, hier eine Deponie zu bauen.
Im Tagebau bei Reinstedt wird Kies abgebaut. Die Abbaubereiche sollen laut bisheriger Planung wieder geschlossen werden, die Fläche wieder landwirtschaftlich nutzbar sein. Nun gibt es für Teilflächen den Plan, hier eine Deponie zu bauen. Petra Korn

Reinstedt - Sie sorgen für Protest und Ablehnung: die Pläne, der Reinstedter Entsorgungsgesellschaft (REG), auf Teilen des Geländes des Kiestagebaus in Reinstedt eine Deponie für Bauschutt und leicht belastete Mineralien zu bauen. Über einen Zeitraum von 22 Jahren sollen in der maximal 27 Meter hohen Deponie etwa drei Millionen Tonnen Abfälle eingelagert werden.

Eine von Reinstedter Bürgern ins Leben gerufene Initiative „Nein zur Deponie!“ kämpft gegen eine Umsetzung der Pläne. Die Stadt Falkenstein/Harz hat angekündigt, in ihrer Stellungnahme einen Deponie-Bau abzulehnen.

„Ich habe totales Verständnis dafür, dass die Reinstedter nicht glücklich sind. Das kann ich nachvollziehen“, sagt REG-Geschäftsführer Carl W. Finck. Warum die Deponie gebaut werden soll, warum gerade in Reinstedt und zu weiteren Fragen äußerten sich Carl Finck und Rainer Gösel, der das Planungsvorhaben für die REG gesteuert und begleitet haben.

Warum soll die Deponie gebaut werden?

Bei Bauvorhaben fielen Materialien wie Bodenaushub, Beton- oder Ziegelschutt an, die nicht - wie oberstes Ziel sei - wiederverwendet oder recycelt werden könnten und daher eingelagert werden müssten, erklärt Carl Finck.

Künftig dürfen damit nicht mehr - wie bisher - Tagebaue verfüllt werden. Eine öffentliche Deponie für solche Stoffe - also eine Deponie der Deponieklasse Null (DK0) - gebe es in Sachsen-Anhalt derzeit nur bei Magdeburg, erklärt Rainer Gösel. Die werde schnell voll werden.

Aushub und Bauschutt könnten dann nicht mehr standortnah gelagert oder müssten in Deponien für Stoffe mit höherer Belastung gebracht werden. Dort würde alles vermischt, die DK0-Stoffe wären bei einer möglichen späteren Wiederverwendung schwer herausnehmbar. In fast allen Bundesländern sei das erkannt worden, gebe es mehrere DK0-Deponien. „Sie sind erforderlich, um bauen und ordnungsgemäß entsorgen zu können“, so Gösel.

Warum soll in Reinstedt gebaut werden?

Zunächst sei überlegt worden, wo ein möglicher Standort sein könnte, erläutert Carl Finck. Die Fläche dürfe beispielsweise nicht in einem Schutzgebiet liegen. Eine Rolle spiele zudem, ob das Areal bereits benutzt werde, also über vorhandene Straßen erreichbar sei.

Das, so Rainer Gösel, sei in Reinstedt über die Autobahn 36 und die alte Bundesstraße 6 möglich, ohne einen Ort passieren zu müssen. Der Bereich des Kiestagebaus Reinstedt sei als Vorranggebiet für Rohstoffgewinnung ausgewiesen, der Rohstoff - Kiessand - dann aber ausgeschöpft, der Tagebau mit anderem Material verfüllt.

Damit würde keine bislang intakte Fläche, sondern eine bereits benutzte in Anspruch genommen. Letztlich habe der Kiestagebau Reinstedt im Vergleich von insgesamt fünf betrachteten Standorten den Vorzug erhalten.

Gibt es noch mehr Belastungen durch Lkw-Verkehr, Staub und Geruch?

Beantragt sei eine Einlagerung von bis zu 150.000 Tonnen im Jahr. „Es bleibt im schlimmsten Fall so viel Lkw-Verkehr wie heute, wird tendenziell aber eher weniger“, sagt Rainer Gösel. Um Schmutz auf der Straße zu vermeiden, sei eine Reifenwaschanlage vorgesehen.

Eingelagert werden solle in der Deponie in einzelnen - insgesamt sechs - Bauabschnitten, die jeweils nach dem Befüllen abgedeckt und begrünt würden, erklärt Carl Finck und nennt das „eine gute Möglichkeit“, dass es nicht zu Staubentwicklungen komme. Auch habe der Boden, der aus einer Baugrube komme, immer eine Restfeuchte.

Und wenn bekannt sei, dass feineres Material angeliefert werde, ergänzt Gösel, müsse gröberes vorhanden sein, um zu mischen. Eine Geruchsbelästigung, unterstreichen beide, werde es nicht geben. „Wir reden hier nicht von einer Hausmülldeponie, sondern von Erdstoffen“, so Finck.

Gelangen Stoffe ins Grundwasser?

„Die geordnete Ablagerung in einer Deponie soll ja verhindern, dass etwas ins Grundwasser gelangt“, sagt Rainer Gösel. Wasser, das auf die Deponie komme, werde an deren Boden aufgefangen und in ein Becken geleitet, erläutert Carl Finck. Das hier gesammelte Wasser werde als Abwasser entsorgt. Zudem würden Grundwassermessstellen gebaut, so Gösel; das Grundwasser werde untersucht.

Wo gibt es Informationen?

Weitere Informationen dazu, warum die Deponie gebaut werden soll, was hier geplant ist oder warum Reinstedt Vorzugsvariante wurde, sind im Internet zu finden. Hier seien auch die gesamten Antragsunterlagen einsehbar, sagt Rainer Gösel. Über die Internetseite der REG hätte zudem jeder die Möglichkeit, Fragen an die Gesellschaft zu richten. Wie Carl Finck erklärt, stehe er mit seinem Team Vertretern der Initiative „Nein zur Deponie!“ für ein Gespräch zu Verfügung.

Informationen zu den Plänen der Reinstedter Entsorgungsgesellschaft gibt es unter www.reinstedter-entsorgungsgesellschaft.de, zu den Antragsunterlagen unter www.uvp-verbund.de und zur Initiative „Nein zur Deponie!“ unter www.Keine-Deponie.Reinstedt-im-Harz.de. (mz)