Kita-Essen im Vergleich Kita-Essen im Vergleich: Bestnoten für Rottleberoder Kita

Rottleberode/MZ - Ein geräumiges Speisezimmer. Hier finden die Gäste ihre Plätze von allein. Um 11 Uhr öffnet das Kinder-Restaurant in Rottleberode (Landkreis Mansfeld-Südharz). Am liebsten würden die Mädchen und Jungen den Köchinnen aber schon vorher in die Töpfe schauen. Weil es gut schmeckt, nehmen alle Kinder der Tagesstätte „Thyra-Kids“ hier die Mittagsmahlzeit ein.
Welchen Schatz sie mit Ingrid und ihren Helferinnen aus der Küche besitzen, macht eine am Montag veröffentlichte Studie der Bertelsmann-Stiftung deutlich. Ihr liegt eine Befragung von 1.100 Kindergärten in allen Bundesländern zugrunde. Danach gibt es für einen Großteil der Kinder kein gesundheitsförderliches Mittagsangebot. Fast die Hälfte der Kitas bieten zu viel Fleisch an. Andererseits fehlen häufig Obst und Gemüse.
Auch externe Lieferanten sind oft nicht auf Kinderverpflegung spezialisiert, heißt es in der repräsentativen Untersuchung. Ganz anders sieht es dagegen bei den „Thyra-Kids“ aus. Dieser kommunale Kindergarten besitzt das von der Landesvereinigung für Gesundheit erteilte Zertifikat „Gesunde Kita“.
Abwechslungsreicher Menüplan fast ohne Fleisch
Was alles möglich ist, zeigt Ingrids Essen-Service. Beispielsweise ein abwechslungsreicher Menüplan, der ohne die tägliche üppige Fleisch-Portion auskommt. Niemanden stört es, weder die Kinder der Bärengruppe noch die Mädchen und Jungen aus der Spatzengruppe. Heute freuen sie sich auf Quarkkeulchen. Dazu gibt es eine selbst gekochte Tomatensuppe nach Großmutters Rezept. Traditionelles wird überhaupt groß geschrieben. Da lassen sich auch die acht Erzieherinnen nicht lange bitten und greifen zu. Spinat und Rührei am Mittwoch, als Beilage ein Apfel. Nudelsuppe mit Vollkornbrot ist für Donnerstag angekündigt. Die einzige Fleischmahlzeit der Woche folgt am Freitag: Hühnerfleisch auf Reis. Für nächste Woche ist Fisch angekündigt.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat wissenschaftlich begründete Kriterien für die gesunde Ernährung in Kindergärten aufgestellt. Der Katalog umfasst 23 Anhaltspunkte, die bei der Gestaltung von Speiseplänen berücksichtigt werden sollen. So schlagen die Experten vor, dass monatlich 20 Mal in der Mittagsverpflegung Kartoffeln, Getreide oder Getreideprodukte angeboten werden.
Ebenso gehörten 20 Mal Gemüse, Hülsenfrüchte oder Salate auf den Teller. Als ausreichend wird erachtet, wenn die Kinder einmal pro Woche ein Fleischgericht zu sich nehmen. Seefisch gehöre genau so oft auf den Tisch. Dagegen würden zwei Eier-Gerichte pro Monat ausreichen. Panierte, frittierte Produkte oder süße Hauptgerichte sollten nur selten angeboten werden.
Darüber hinaus müht sich die Küche, auch spezielle Bedürfnisse zu erfüllen. Dazu gehören vegetarische Angebote wie schmackhafte Salate. Auch Speisen für Kinder, die Allergien haben, sind möglich. „Wünsche können jederzeit geäußert werden“, sagt Kindergartenleiterin Gudrun Dittmar, die in punkto Ernährung immer wieder das Gespräch mit den Eltern sucht.
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Manche junge Mutter, mancher junger Vater wundert sich zum Beispiel, dass der Nachwuchs lieber ungesüßten Kräutertee als zuckersüße Limonade trinkt. Dittmar: „Nicht jede häusliche Gewohnheit ist unproblematisch.“ Dazu zählt die Kindergärtnerin, die seit 1979 im Beruf ist, den häufigen Griff zum Essen aus der Konserve oder eben auch den von Experten abgelehnten übermäßigen Fleischkonsum. Ihr stehen die Mädchen und Jungen bei, die immer wieder sagen, wie gut es ihnen im Kindergarten schmeckt. „Das ist das stärkste Argument für eine gesunde Ernährung.“
Freilich hänge nicht alles vom Speiseplan ab. So sei es ein unschätzbarer Vorteil, wenn das Essen wie in Rottleberode frisch zubereitet direkt vom Herd auf den Teller gelangt. In diesen Genuss kommen in Sachsen-Anhalt nur zehn Prozent der Kindergartenkinder. Alle anderen Einrichtungen sind auf teilweise weit entfernte Lieferanten angewiesen.
Privatisierte Schulküche als Caterer
Der Caterer in Rottleberode ist die in den 90er Jahren privatisierte Schulküche. Sie befindet sich Tür an Tür mit dem Kindergarten. Dafür ist sie den Architekten des ansonsten schmucklosen Plattenbaus noch heute dankbar. So entfielen sonst übliche Aufwendungen und Kosten, so für den Transport und das Warmhalten der Speisen. Das erkläre zumindest teilweise den im Bundesvergleich niedrigen Preis von 1,85 Euro pro Mahlzeit.
Vor diesem Hintergrund könne man laut Dittmar überlegen, die gesunden Angebote auch auf das Frühstück und die Vesper-Mahlzeit am Nachmittag auszudehnen. Bislang kümmern sich die Eltern selbst darum. Süße Riegel, Bonbons und Waffeln - nicht alles, was da in die Brotbüchse komme, könne als Beitrag zur gesunden Ernährung gewertet werden. „Der Apfel zum Frühstück schmeckt gemeinsam einfach besser“, sagt Dittmar.
