1. MZ.de
  2. >
  3. Mitteldeutschland
  4. >
  5. FDP: FDP: Krise Küsse Komplimente

FDP FDP: Krise Küsse Komplimente

Von Kai Gauselmann 15.04.2013, 18:46
Der Fraktionsvorsitzende der FDP in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, gratuliert Cornelia Pieper nach ihrer Wahl zur neuen Landesvorsitzenden der FDP Sachsen-Anhalt.
Der Fraktionsvorsitzende der FDP in Schleswig-Holstein, Wolfgang Kubicki, gratuliert Cornelia Pieper nach ihrer Wahl zur neuen Landesvorsitzenden der FDP Sachsen-Anhalt. dpa Lizenz

Peissen/MZ - Ausgerechnet Veit Wolpert. Der vor einem halben Jahr enttäuscht den Landesvorsitz der FDP hingeschmissen hat, nach der Pleite gegen Cornelia Pieper im Ringen um die Spitzenkandidatur für die Bundestagswahl. Ausgerechnet Wolpert ging nun ans Mikrofon und sagte: „Ich möchte für den Landesvorsitz Conny Pieper vorschlagen!“

Wolperts Auftritt beim FDP-Landesparteitag in Peißen am Sonnabend war im Vorstand abgesprochen: Als Signal, dass die Streitereien ein Ende haben und die Krise des Landesverbandes überwunden ist. Also: Friede, Freude, FDP? Nicht ganz, das zeigte Piepers Wahlergebnis. Ohne Gegenkandidaten erhielt sie 73 Prozent der Stimmen - nur das zweitbeste Ergebnis. Lydia Hüskens wurde mit 81 Prozent als Vize bestätigt, ebenso Marcus Faber mit 63 Prozent. Schatzmeister Allard von Arnim setzte sich mit 54 Prozent gegen Herausforderer Wolf-Henry Dreblow durch.

„Das ist ein ehrliches Ergebnis“, sagte Pieper. Die Wunden der Auseinandersetzung zwischen ihr und Wolpert heilten nun einmal nicht so schnell. Sie wolle auf ihre Kritiker zugehen. „Mir kommt es darauf an, dass sich der Landesverband jetzt findet. Ich will daran arbeiten, dass es eine neue Geschlossenheit gibt“, sagte die 54-jährige Staatsministerin im Auswärtigen Amt. Pieper ist die Nachfolgerin ihres Nachfolgers: Vor Wolpert war sie 16 Jahre lang Landesvorsitzende.

Pieper sieht die Landes-FDP zumindest stabilisiert. „Ich glaube schon, dass die Krise überwunden ist.“ Neben dem negativen Bundestrend hatte das Ausscheiden aus dem Landtag in Magdeburg die Liberalen in die Krise gestürzt: Der Landesverband hat seit 2009 mehr als 400 Mitglieder verloren und derzeit noch gut 1 500 Mitglieder. Der Abwärtstrend soll allerdings zumindest erst einmal gestoppt sein.

Pieper ist nicht die Frau für die Defensive, in den Bundestagswahlkampf führt sie ihre FDP selbstbewusst. „In uns steckt einiges Potenzial! Wir sollten aufhören, uns kleiner zu machen als wir sind“, rief sie den 180 Delegierten zu. Ausdruck des neuen Selbstbewusstseins: Pieper kündigte an, ihren Wahlkreis Halle bei der Bundestagswahl direkt gewinnen zu wollen. Bisher wurde sie immer nur über die Liste gewählt.

Angespornt dazu hatte sie Parteitags-Ehrengast Wolfgang Kubicki, den Pieper als „George Clooney der FDP“ umschmeichelte. Auch der FDP-Fraktionschef aus Schleswig-Holstein will seinen Wahlkreis direkt holen. Beide haben zwar keine reelle Chance, Pieper aber immer noch mehr Grund zum Optimismus: Es ist 23 Jahr her, dass zuletzt ein FDP-Politiker seinen Bundestags-Wahlkreis gewinnen konnte. Das war Uwe Lühr: In Halle.