Fall Lea-Sophie Fall Lea-Sophie: Oberbürgermeister von «Pech» verfolgt
Halle/Schwerin/MZ. - Doch mit einem Wort hat Schwerins Oberbürgermeister Norbert Claussen (CDU) daraus einen Polit-Skandal gemacht. Am Sonntag könnte der 50-Jährige deswegen durch einen Bürgerentscheid seinen Job verlieren.
Die Empörung in Mecklenburg-Vorpommerns Hauptstadt richtete sich schnell nicht nur gegen die Eltern, die derzeit wegen Mordes durch Unterlassung vor Gericht stehen (MZ berichtete). Denn Lea-Sophies Großvater erklärte, er habe das Jugendamt mehrfach auf Probleme in der Familie hingewiesen. Als er mit seiner Verwaltung unter Druck geriet, sagte Oberbürgermeister Claussen jenes Wort, das ihn seitdem verfolgt: "Pech" habe Schwerin gehabt. Gemeint war: der Fall Lea-Sophie hätte überall passieren können. Geklungen hat es wie rhetorisches Achselzucken.
"Die Kritik an meinem unbedachten und unangemessen Wort, für das ich mich entschuldigt habe, kann ich gut nachvollziehen", sagte Claussen nun der MZ. Er räumt ein, dass die Verwaltung um Jugendamts-Leiterin Heike Seifert Fehler gemacht habe, etwa Hinweise nicht ernst genommen hat. Er habe aber Konsequenzen gezogen, so seien etwa Mitarbeiter weitergebildet und der sozialpädagogische Dienst verstärkt worden.
Das könnte künftige Fälle verhindern, aus der Klemme aber hat es Claussen nicht geholfen. Er wird vom "Pech" verfolgt. "Sein persönliches Verhalten nach dem traurigen Tod von Lea-Sophie hat ihn als Oberbürgermeister endgültig disqualifiziert", sagte SPD-Fraktionschefin Manuela Schwesig der MZ. Vier der fünf Ratsfraktionen haben deshalb für den Bürgerentscheid gestimmt, nur die CDU nicht. "Das Vorgehen der vier Fraktionen ist unverantwortlich und rein politisch motiviert", so Unionsfraktionschef Gert Rudolf.
Eine Abwahl per Bürgerentscheid gelang bisher etwa in Potsdam und Cottbus. Dabei sind die Hürden hoch. Am Sonntag müssen sich mindestens ein Drittel der Wahlberechtigten beteiligen und davon wiederum zwei Drittel für die Abwahl stimmen - das sind etwa 18 000 Schweriner. Der Ausgang ist ungewiss, räumt auch Claussen ein. "Gewinner wird es aber so oder so nicht geben, weil das Ganze unsere Stadt in keiner Weise voranbringt", sagt er. Sollte er nach dem Sonntag noch im Amt sein, will Claussen "Brücken bauen". Eine Idee hat er dafür schon. "Die Bundesgartenschau 2009 wird dabei das zentrale Thema sein. Die Schweriner freuen sich darauf."