Fähren Fähren: Lange Geschichte und große Bedeutung

Magdeburg/dpa. - «Fährmann hol über!» Zwar hallt der aus alten Zeiten bekannte Ruf heute nicht mehr über die Flüsse, doch auch im Zeitalter moderner Straßenbauten und Brücken haben Fähren große Bedeutung. Immerhin 25 davon gibt es in Sachsen-Anhalt entlang von Elbe und Saale. Das Land gehört damit zu denen mit den meisten Schiffsverbindungen dieser Art. Einheimische nutzen sie, um mit ihren Autos lange Umwege zu vermeiden und Zeit zu sparen. Touristen haben oft etwas mehr Muße, die nur wenige Minuten dauernde Überfahrt zu genießen.
«Es gibt sicher schlimmere Berufe», sagt Andy Kretzmann, Betreiber der Autofähre Breitenhagen im Landkreis Schönebeck. «Im Sommer ist das fast wie Urlaub. Sonne, Wasser, nette Leute - und ich bekomme noch Geld dafür.» Ganz so romantisch ist der Job des Fährmanns freilich nicht immer: Bis zu 16 Stunden täglich rackert Kretzmann an Bord, um sein stählernes Wasserfahrzeug immer und immer wieder durch die Strömung der Elbe von Ufer zu Ufer zu bugsieren.
«Wir haben sehr viele Berufspendler als Kunden», berichtet Kerstin Kluge von der Elbe-Fähre Prettin im Landkreis Wittenberg, die Sachsen-Anhalt mit Sachsen verbindet. «Kleine Baufirmen, Dachdecker, Speditionen: Sie können durch die Fähre Geld und Sprit sparen», argumentiert sie. An der Elbe ist die nächste Brücke oft weiter entfernt, entlang des Stromes gibt es mehr Fähren als feste Überführungen.
Häufigster Schiffstyp sind so genannte Gierfähren, deren Funktionsprinzip ebenso genial wie einfach ist. Die Boote, auf die meist ein oder zwei Lastwagen und einige Pkw passen, sind an einem in der Flussmitte befestigten Seil angehakt. Angetrieben werden die hin und her pendelnden Schiffe allein von der Kraft des Stromes. Es gibt aber auch Motorfähren oder Boote, die beide Antriebsarten nutzen.
«Der Beruf des Fährmanns ist anspruchsvoll», erläutert Theodor Grötschel, der jahrzehntelang die Elbe befuhr. «Er muss auf die Strömung und auf die anderen Schiffe achten, da kann immer was passieren.» So müssten Fähren anderen Schiffen wie Frachtkähnen oder Ausflugsbooten Vorfahrt gewähren. «Wegen der Anforderungen waren früher alle Fährleute erfahrene und langjährig gediente Schiffer.» Heute ist dies nicht mehr in jedem Fall so, allerdings müssen Fährleute ein spezielles Zeugnis erwerben.
Bis ins Mittelalter lässt sich die Geschichte der Fährschifffahrt im Land zurückverfolgen. In Magdeburg etwa wird in alten Chroniken 1105 erstmals eine Fähre erwähnt, die regelmäßig Waren und Personen über die Elbe an das andere Flussufer brachte. In Aken bei Dessau ist von einer solchen Verbindung 1355 zum ersten Mal die Rede.
«Seinerzeit steuerten die Fährleute ihre Gefährte noch per Ruder und damit per Muskelkraft über die unberechenbare und damals stellenweise breitere Elbe», erzählt Otto Benecke, Leiter des Stadtmuseums Aken. Im 18. Jahrhundert stakten sie auf so genannten Schrickfähren durch den Fluss, ehe Mitte des 19. Jahrhundertes die Gierfähren aufkamen. Anfangs waren sie noch aus Holz, später aus Stahl. Während Fährleute früher noch auf Zuruf fuhren und auch schon mal nachts von Kunden aus dem Bett geholt wurden, verkehren sie heute in der Regel vom frühen Morgen bis zum frühen Abend.
Das Land investierte nach Angaben von Verkehrsminister Karl-Heinz Daehre (CDU) seit 1995 rund 6,3 Millionen Euro in die Modernisierung der Fähren, die meist von Kommunen oder Pächtern betrieben werden. Von dem Geld wurden neue Schiffe gebaut, bestehende umgebaut oder Anleger erneuert. «Die Fähren sind ein wichtiger Bestandteil unserer Verkehrsinfrastruktur», sagt der Minister. «Außerdem ist die Fährschifffahrt eine Tradition, die es zu erhalten gilt.»