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Ju-Jutsu Ju-Jutsu: Sprung ins Haifischbecken

Von RONNY BANAS 17.11.2011, 19:36

ZEITZ/MZ. - Steven Theilig ist jetzt erwachsen. Laut Personalausweis ist es der fast 22-Jährige schon eine ganze Weile. Doch nun zählt der Ju-Jutsuka der Zeitzer Kampfsportgemeinschaft "Jodan Kamae" auch in seinem Sport zu den Senioren. Ab dem 22. Lebensjahr ist man beim Ju-Jutsu nämlich im Nachwuchsbereich nicht mehr startberechtigt.

Für Theilig endet damit eine Ära, in der er fast alles abräumte, was es abzuräumen gibt. Niemand, nicht einmal er selbst, weiß so recht, wie viele Titel und Platzierungen es waren, die er einstreichen konnte. Den krönenden Abschluss seiner Bilderbuchkarriere bildet nun zweifelsfrei der Gewinn der Silbermedaille bei den Junioren-Weltmeisterschaften im belgischen Gent. "Besser kann man sich fast nicht aus dem Nachwuchsbereich verabschieden", sagt Theilig schmunzelnd und schaut sich das handtellergroße Stück Metall noch einmal an.

Es war fast ein Durchmarsch in der Altersklasse U 21, bis 62 Kilogramm. Jeden Kampf gewann der Zeitzer souverän und marschierte so bis ins Finale. Dass er dort ausgerechnet gegen Roman Apolonow, seinen Teamkollegen aus dem deutschen Bundeskader verlor, sei etwas ärgerlich. Theilig: "Normalerweise kennen wir uns in- und auswendig und wissen, wo der andere Stärken und Schwächen hat. Dieses Mal scheint Roman mich besser eingeschätzt zu haben und hat zurecht gewonnen."

Es dürfte vorerst Theiligs letzter großer Erfolg auf internationaler Bühne gewesen sein, darüber ist er sich im Klaren. Denn in der Seniorenklasse, in der er fortan mitkämpft, weht ein anderer Wind. "Ich muss mich dort erst einmal hinten anstellen. Da wird anders gekämpft als noch bei uns im Nachwuchs", sagt er fast schon etwas ehrfürchtig. Jetzt gelte es erst einmal, Erfahrungen zu sammeln und von vorn anzufangen. Wie es in ein paar Jahren aussieht, werde man abwarten müssen. Doch in der Anfangszeit gilt es erst einmal zu beweisen, dass man es drauf hat und an den Alteingesessenen vorbeikommen. "So leicht schubst man dort niemanden vom Thron", weiß Theilig. Es fange irgendwie alles von vorn an. Die zweite Karriere des Steven Theilig. Jan Stange, sachsen-anhaltischer Landestrainer der Ju-Jutsuka, bestätigt dies. "Es gibt sicherlich ein paar Ausnahmeathleten, die es im ersten Jahr in der Seniorenklasse zu Bestleistungen schaffen. Aber ein Selbstläufer wird das nicht." Kraftbetonter und mit mehr körperlichem Einsatz geht es dort zu, weiß Stange. "Außerdem haben die meisten der Sportler mehrere Jahre Erfahrungen auf dem Buckel und kämpfen wesentlich abgebrühter und taktisch anders." Wer das hört, könnte meinen, Steven Theilig wird in ein Haifischbecken geworfen. Er selbst sieht es nicht ganz so drastisch. "Ich habe Respekt, aber keine Angst und werde in jedem Fall weitermachen." Immerhin sollen zu der Sammlung an Titeln, Medaillen und Urkunden noch ein paar weitere dazukommen. Auch wenn es vermutlich noch eine Weile dauern dürfte.